Warnung vor Feinkost-Fakes: Kunden-Irreführung "eher Regel als Ausnahme"
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 10.07.2009 - 13:45Düsseldorf (RPO). Die Irreführung von Verbrauchern in deutschen Supermärkten durch angebliche Feinkostprodukte ist laut Foodwatch-Pressesprecher Martin Rücker "eher die Regel als die Ausnahme". Ein Problem besteht darin, dass der Begriff Feinkost nicht genau definiert ist. "Da kann jeder Hersteller mehr oder weniger sagen, was er will", erklärt Isabelle Mühleisen von der NRW-Verbraucherzentrale.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte am Freitag als Beispiel für irreführende Feinkost-Produktwerbung die Champignon-Creme-Suppe der Firma Escoffier angeprangert, die vom Spitzenkoch Alfons Schuhbeck präsentiert wird. "Dessen Rolle dabei ist nicht sehr rühmlich, denn das ist reine Abzocke", sagt Foodwatch-Pressesprecher Rücker unserer Redaktion.
Die Escoffier-Suppe habe laut Foodwatch in etwa die gleichen Zutaten wie eine Champignon-Creme-Tütensuppe von Maggi - koste aber gleich dreimal so viel. Verkauft werde die angebliche Feinkost-Suppe in zwei Dosen, deren Inhalt der Käufer zusammenrühren muss. Die eine Dose enthalte das normale Suppenpulver, die andere lediglich Wasser - mit Salz, Gewürzen und Geschmacksverstärker.
"Der höhere Preis wird dadurch gerechtfertigt, in dem man so tut, als handele es sich um ein höherwertiges Produkt. Das ist aber nicht der Fall", sagt der Foodwatch-Pressesprecher. "Den Inhalt der einen Dose, nämlich Wasser, kann man sich auch aus der Leitung holen."
Ein weiteres Beispiel löst bei Rücker Kopfschütteln aus. "In der Café-de Paris- Sauce von Escoffier ist keine Butter enthalten, obwohl das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Aber natürlich hat niemand gesetzlich festgelegt, dass sich Butter darin befinden muss." Dies zeige ein großes Problem: "Die Hersteller müssen nicht einmal zum Illegalen greifen, um den Kunden gezielt zu irritieren."
Damit bezeichnet man Produkte, die ein anderes Lebensmittel nachahmen und ihm somit in Aussehen und Geschmack weitgehend gleichen, wobei die verwendeten Rohstoffe nichts oder wenig mit dem echten Lebensmittel zu tun haben. Als Analog- oder Kunstkäse bezeichnet man käseähnliche Erzeugnisse, die nicht oder nur zu einem Teil aus Milch oder Milchprodukten hergestellt werden, sondern aus Eiweiß, Pflanzenfetten, Verdickungsmitteln, Geschmacksverstärkern sowie Aroma- und Farbstoffen.
Schinkenimitate haben lediglich einen Fleischanteil von durchschnittlich 60 Prozent, teilweise auch nur 40 Prozent. Der fehlende Fleischgehalt wird zum einen mit Wasser ausgeglichen, dessen Anteil teilweise bei 40 Prozent liegt, zum anderen werden Bindemittel wie Stärke sowie Gelier- und Verdickungsmittel zugegeben, damit eine schnittfeste Masse entsteht. Zusätzlich wird auch noch fleischfremdes Eiweiß wie Soja- und Milcheiweiß zugesetzt.
Keine klare "Feinkost"-Definition
Beim Begriff "Feinkost" existiert für die meisten Lebensmittelbereiche ebenfalls keine feste Definition. "Das ist in etwa so wie das Wort 'Premium' beim Lachs. Auch hier ist der Hersteller in seiner Auslegung des Begriffs sehr frei", sagt Isabelle Mühleisen von der NRW-Verbraucherzentrale unserer Redaktion. Zwar gebe es ein Lebensmittelbuch mit allgemeinen Richtlinien für Feinkost-Produkte, doch würde dieses über Formulierungen wie "mit Sorgfalt zubereitet" nicht hinausgehen.
Mühleisen bemängelt, dass es "eine Grauzone gibt, innerhalb derer die Firmen bewusst oder unbewusst mit der Erwartungshaltung der Verbraucher spielen". Bei einem Erdbeerjoghurt sei die Werbung mit dem großen Bild einer Erdbeere beispielsweise häufig bedenklich, weil "das Gehalt an Früchten allenfalls minimal ist und der Geschmack durch die Aromastoffe zustandekommt."
Zudem sei es oft irreführend, wenn Hersteller etwa mit der Angabe "Pizzabelag" werben und daneben Käse abbilden würden. Denn in vielen Fällen sei gar kein Käse enthalten, sondern ein mit pflanzlichen Ölen hergestelltes Produkt. "Da muss also nicht mal Milch drin sein", sagt Mühleisen.
"Gesetzlich wird man nicht alles regeln können", glaubt Rücker. Deshalb fordert Foodwatch die Kunden auf, sich direkt bei den Herstellern zu beschweren. Auf der Website "abgespeist.de", auf der Foodwatch zahlreiche Werbelügen anprangert, können User sich in einer vorgefertigten Mail an die entsprechenden Firmen wenden.
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