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Kennzeichnung für Lebensmittel: So funktioniert die Nährwert-Ampel

zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 - 16:23

Berlin (RPO). Politik und Verbraucherschützer streiten seit Monaten über ein Ampelsystem für Lebensmittel, das Verbraucher vor ungesunden Produkten warnen soll. Während ein Gipfeltreffen bei Ministerin Aigner auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, prescht jetzt Tiefkühlkost-Anbieter Frosta vor. Ab August führt das Unternehmen die Ampel ein. Doch wie funktioniert sie?

Der Tiefkühlkost-Anbieter Frosta wird ab August seine vier meistverkauften Produkte mit einer Nährwert-Ampel anbieten, wie Vorstand Fritz Ahlers am Mittwoch in Berlin ankündigte. Frosta führe diese Art der Information ein, weil die Verbraucher sie wünschten, sagte Ahlers. Ihnen sei wichtig, im Supermarkt ohne langes Suchen auf der Verpackung die wichtigsten Informationen zu bekommen.

Angegeben werden die Anteile von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Somit erkennt der Kunde schnell, wann er sich Zuckerbomben oder Fettfallen in den Einkaufswagen legt.

Grün, gelb und rot

Die Farbe Grün auf dem Produkt veranschaulicht, dass nur eine geringe Menge des betreffenden Nährstoffs im Lebensmittel enthalten ist. Das heißt: Gegen einen reichlichen Genuss des Lebensmittels ist aus gesundheitstechnischen Gründen nichts einzuwenden.

Gelb steht für einen mittleren Gehalt an Nährstoffen und legt einen Verzehr in Maßen nahe, während die Farbe Rot auf einen hohen Anteil des jeweiligen Stoffes hinweist und zu einem sehr sparsamen Verzehr mahnt.

Ein Beispiel: Die Farbe Grün würde auf einer Verpackung von Keksen abgebildet, wenn sich in 100 Gramm des Produkts nicht mehr als drei Gramm Fett befänden. Bei drei bis 20 Gramm gibt es ein gelbes Zeichen, mehr als 20 Gramm würden die Nährwert-Ampel auf Rot springen lassen.

Bei Getränken sehen die Grenzwerte etwas anders aus. Ein grünes Zeichen gibt es für einen Softdrink etwa bis 1,5 Gramm Fett auf 100 ml, Gelb wäre die Ampel bei einem Wert bis zehn Gramm, Rot bei einem darüberliegenden Anteil.

Auf der Website der Verbraucherzentrale  kann man sich bereits jetzt mit dem "Ampelrechner" informieren, wie ein gekauftes Produkt bei der Nährwert-Ampel abschneiden würde. Gibt man die Anteile der Produkt-Nährstoffe ein, springt die Anzeige auf die entsprechende Farbe. 

Die zehn größten Nährwert-Fallen haben wir zudem in unserer Fotostrecke für Sie zusammengestellt. 

Verbraucherschützer für neue Kennzeichnung

Verbraucherschützer drängen weiter auf eine "Ampel-Kennzeichnung" für Lebensmittel. "Wir brauchen eine europaweit verbindliche Nährwertkennzeichnung, die auf einen Blick sichtbar macht, welches Produkt wie viel Zucker, Fett oder Salz enthält", sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, in Berlin.

Der ursprünglich für Donnerstag geplante Runde Tisch zur Nährwertampel bei Agragrministerin Ilse Aigner (CSU) wurde aber aus Termingründen bis auf weiteres verschoben.

Gute Erfahrungen in England

Insbesondere in England würden schon seit Jahren gute Erfahrungen mit der farbigen Nährwertkennzeichnung gemacht, sagte Billen. Die Angaben, die derzeit auf Lebensmitteln in Deutschland gemacht würden, seien nicht eindeutig und zuverlässig genug. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung und die Lebensmittelindustrie die Rechnerei den Verbrauchern überlässt", erklärte der Verbraucherschützer.

Billen räumte ein, er glaube nicht, dass eine Nährwertampel alle Ernährungsprobleme lösen werde. "Aber sie wird für diejenigen, die darauf achten und die auf eine schnelle Information angewiesen sind - und das sind besonders Familien, die auch für die Kinder einkaufen -, doch eine erhebliche Erleichterung beim Einkauf darstellen."

Foodwatch-Geschäfsführer Thilo Bode wies darauf hin, dass die Ampel Verbraucher zu gesünderer Ernährung verhelfen könne. "Nestlé, Unilever & Co. verkaufen verfettete und überzuckerte Produkte, verschleiern den Nährwertgehalt und bieten als Alibi Yoga-Kurse an, damit die Kunden ihre überzähligen Pfunde wieder loswerden. Das ist verantwortunglos", erklärte Bode.

Lebensmittelwirtschaft will freiwilliges System

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde sprach sich gegen eine Ampel-Kennzeichnung aus. Man stehe weiter zu einer sachlichen und objektiven Nährwertinformation, erteile "der subjektiven Bewertung durch Markierungen in rot, gelb und grün" aber eine Absage, hieß es. Stattdessen wolle man ein freiwilliges System zur Nährwertkennzeichnung.

Die Ampel werde in der gesamten EU grundsätzlich ablehnend betrachtet, hieß es weiter. Nur einige wenige Hersteller und Händler hätten sich in Großbritannien abweichend für eine solche Farbkennzeichnung entschieden. Anhaltende Veränderungen im Kauf- oder Ernährungsverhalten seien nicht ersichtlich.

SPD, Grüne und Linke für Ampel - FDP dagegen

SPD, Grüne und Linke sprachen sich für die Ampel aus. Alle drei Parteien forderten Agrarministerin Aigner auf, sich für die gesetzliche Verpflichtung zur Ampelkennzeichnung stark zu machen. Die FDP widersprach: "Wir lehnen eine Verbots- und Symbolpolitik, die die Verbraucher bevormundet, strikt ab", erklärte Hans Michael Goldmann, ernährungs- und verbraucherpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Das Ampelsystem würde Verbraucher in die Irre führen.

Quelle: AFP/rm

 
 
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