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Bei Übergewicht gefährlich: Was beim Heilfasten passiert

VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012 - 07:33

Düsseldorf (RP). Der Frühling ist traditionell Fastenzeit. Die damit verbundene Hoffnung: eine Befreiung von den sogenannten Schlacken, die sich im Winter angesammelt haben. Doch Studien zeigen, dass sich dies kaum erfüllen lässt.

Denn es fehlen wissenschaftliche Belege für die Existenz von irgendwelchen Schlacken, bei denen es sich laut Heilfastenanhängern mal um die "Abbaustufen der Neutralfette", mal um "Zwischenprodukte eines unvollständigen Eiweißstoffwechsels" handeln soll. Tatsächlich jedoch scheidet der Körper, wie Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betont, "unverwertbare Stoffwechselprodukte ständig über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus". Könnte er das nicht, wäre der Mensch im Laufe der Evolution schon längst ausgestorben.

Man muss und kann also gar keine Schlacken per Fastenkur entfernen. Im Gegenteil. Wer sein Fettgewebe radikal herunterhungert, riskiert sogar eine "Giftdröhnung". Ein kanadisches Forscherteam entdeckte in einer Untersuchung an extrem Fettleibigen, dass bei ihnen ein radikales Abspecken zu erhöhten Schadstoffwerten im Blut führte.

Info

Fasten - so geht es

Ablauf Drei Übergangstage mit kalorienreduzierter Kost zur Vorbereitung. Die Darmreinigung wird mit abführenden Salzen oder Darmspülungen unterstützt

Buchinger-Fasten mit Tee mit Honig und Zitronensaft, zum Mittag gibt es Gemüsebrühe.

Saftfasten mit Obst- und Gemüsesäften. Beim modifizierten Fasten gibt es ein Glas Buttermilch oder Eiweißkonzentrat zusätzlich.

"Die chlororganischen Verbindungen nahmen um 388 Prozent zu", berichtet Studienleiter Normand Teasdale von der Laval University in Québec. Eine koreanische Forschergruppe untersuchte die Gift- und Gewichtsdaten von insgesamt 1099 Probanden – und entdeckte, dass mit jeder Diät die Blutwerte an DDT, Dioxin und den als Weichmacher bekannten Polychlorierten Biphenylen deutlich anstiegen. Und zwar umso mehr, je übergewichtiger die Menschen und härter die Diäten waren.

Der potenzielle Vergiftungscharakter von harten Abspeckkuren erklärt sich daraus, dass die Fettdepots im Körper evolutionär nicht nur als Kältepuffer und Reserven für nahrungsärmere Zeiten gedacht sind, sondern auch als Zwischenlager für fettlösliche Gifte. Wenn man darum diese Depots angreift, gelangen die Gifte ins Blut und von dort aus zu anderen Organen, wo sie durchaus Schaden anrichten können.

So gelten etwa DDT und andere Chlorchemikalien als potenzielle Krebsauslöser, die Weichmacher-Biphenyle können aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen. Gründe genug also, warum man gerade bei starkem Übergewicht vorsichtig an eine Fastenkur herangehen sollte.

Nichtsdestoweniger kann sie, sofern sie nicht als Null-Diät durchgeführt wird und dadurch aggressiv das Fettgewebe attackiert, durchaus positive Effekte haben. So könne moderates Fasten, wie Naturheilkunde-Experte Bernhard Uehleke von der FU in Berlin betont, bei entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma helfen, weil der Körper physiologisch umgestimmt wird: "Er schaltet dann auf Bewältigungsstrategien um, die weniger zu schmerzhaften Entzündungen führen."

Quelle: RP/chk/rm


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