Foodwatch kritisiert Capri-Sonne: Was steckt eigentlich in unseren Softdrinks?
VON SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009 - 16:30Düsseldorf (RPO). Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft mit der Kritik an dem Erfrischungsgetränk Capri-Sonne Fragen auf. Was steckt eigentlich in unseren Säften, Eistees und Limonaden? Fest steht: Hohe Zuckergehalte sind eher die Regel als die Ausnahme.
Eine Tüte Capri-Sonne enthält nach Foodwatch-Angaben 6,5 Stück Würfelzucker auf 200 Milliliter Inhalt. Außerdem enthalte Capri-Sonne Orange nur sieben Prozent Orangen. Der Geschmack rühre von Aromastoffen her. Antje Loius, Sprecherin der Hersteller-Firma Wild, stellt heraus, dass Capri-Sonne „ein ganz normales Fruchtsaftgetränk“ sei mit etwa 12 Prozent Frucht- und 10 Prozent Zuckergehalt. Die neueren Sorten enthielten zudem seit 2006 nur sieben Prozent Zucker. „Das ist ein Schritt in die Richtung, die Foodwatch wünscht, was in der Kritik leider nicht erwähnt wird“, sagt Loius.
Die Kritik der Verbraucherschutzorganisation ziele allerdings nicht primär auf die Zusammensatzung von Capri-Sonne, erläutert Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Wir kritisieren nicht alle Produkte, die viel Zucker enthalten. Ein Saft enthält auch viel Zucker und das hat seine Berechtigung. Wir kritisieren, wie ehrlich ein Produkt beworben wird.“ Foodwatch kritisiere im Wesentlichen die Werbestrategie des Herstellers Wild, der mit Capri-Sonne als Förderer im Jugendsport auftrete, obwohl das Getränk ungesund sei.
In ähnlicher Form hatte Foodwatch in der Vergangenheit die Werbung für das Kinder-Getränk Frucht-Tiger des Herstellers Eckes-Granini kritisiert. Das Getränk sei 2007 als „gesunder Durstlöscher“ beworben worden, obwohl regelmäßiger Genuss den Zahnschmelz von Kindern angreifen könne, so Foodwatch. Der Hersteller reagierte und nahm den beanstandeten Slogan im Frühjahr 2008 von der Verpackung.
Im Zuge der Foodwatch-Kampagne gegen legale Werbelügen der Lebensmittelhersteller hatte im März der Trinkjoghurt Actimel der Firma Danone den „Goldenen Windbeutel 2009“ für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten. „Actimel hat etwa so viel Zucker wie Cola“, sagt Martin Rücker. Es werde zudem vermarktet, als müsse man nur täglich ein Fläschchen davon trinken, um sich vor Erkältungen zu schützen. „Dabei hat es auf das Immunsystem keine größere Wirkung als irgendein anderer Joghurt.“
Hohe Zuckergehalte verstecken sich in vielen Getränken. So ist zum Beispiel in den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke, welche die Inhaltsstoffe von Fruchtsaftgetränken wie Capri-Sonne festlegen, keine Obergrenze für den Zuckergehalt vorgesehen – wohl aber eine Untergrenze von mindestens sieben Prozent. Der Mindest-Fruchtgehalt für Fruchtsaftgetränke aus Zitrusfrüchten liegt bei mindestens sechs Prozent. Ein Wert, den auch Capri-Sonne Orange erfüllt.
Zucker nicht das einzige Problem
Das bayerische Umwelt- und Gesundheitsministerium hat einen Leitfaden für den Grundschulunterricht herausgegeben, der den Zuckergehalt von Getränken in Zuckerwürfeln pro Glas angibt. So enthalte Cola 11 Zuckerwürfel pro Dose (0,33 Liter), Orangensaft sechs Würfel pro Glas (200 Milliliter) und ein Glas Apfelsaft 7 Stück Würfelzucker.
Ein weiteres Problem, das über den reinen Zuckergehalt hinausgeht, beschreibt Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Geeignetere Durstlöscher wie Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft werden von Kindern oft nicht mehr akzeptiert.“ Gerade Kinder seien auf stark gesüßte und aromatisierte Getränke und Speisen regelrecht trainiert. Auch Süßstoffe in Getränken seien nicht unproblematisch, denn sie erhöhten den Appetit, so Umbach. Damit sei das Risiko für Übergewicht trotz geringeren Zuckergehaltes hoch.
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