Was macht das im Kaffee enthaltene Koffein eigentlich mit uns? Wir merken: Unser Herz schlägt schneller. Ist das gleich ungesund? Wenn ja – worauf schlägt sich Kaffee dann sonst noch nieder? Hier erfahren Sie mehr.
Steigert Kaffee Herzerkrankungen?
Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die einen Zusammenhang zwischen normalem Kaffee-Genuss und Bluthochdruck erkennen lässt. Das sagt Schlafmediziner Prof. Dr. Ingo Fietze von der Berliner Charité: "Das Koffein hat zwar Einfluss auf die Herzfrequenz, so dass der Puls schneller wird", erläutert Fietze. Aber auch Menschen mit erhöhtem Blutdruck müssen nicht auf einen üblichen Konsum von ein bis drei Tassen verzichten.
Beugt Kaffee Krebserkrankungen vor?
Bei bereits lebergeschädigten (etwa mit Hepatitis infizierten) Personen zeigte sich in einer Untersuchung, dass drei oder mehr Tassen Kaffee täglich das Risiko für ein Fortschreiten der Leberzerstörung um 53 Prozent senkten. Dabei handelt es sich laut Prof. Fietze allerdings um "populationsbasierte Beobachtungen, die noch durch Studien zu beweisen wären." Bevor das nicht geschieht, sei Kaffee als Schutz vor einer Lebererkrankung nicht zu empfehlen. Schon gar nicht als Ausgleich für Alkohol.
Macht Kaffee süchtig?
Im Gegensatz zu Alkohol oder Drogen droht bei Kaffee keine körperliche Abhängigkeit. Lässt man den Kaffee weg, können je nach vorherigem Konsum zwar Müdigkeit, Gereiztheit, Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwächen auftreten. "Das liegt daran, dass der übliche Wachmacher fehlt. Aber nichts davon sind echte Entzugserscheinungen", sagt Experte Fietze.
Kann man von Kaffee Haluzinationen bekommen?
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Koffein in Kobination mit starker Stressbelastung tatsächlich bei manchen Menschen, zu Haluzinationen führen können. Australische Forscher haben entdeckt, dass Menschen nach einem Konsum von fünf Tassen Kaffee am Tag in Kombination mit Stress in vorgespielten Rauschtönen ein Weihnachtslied hörten, das gar nicht vorgespielt wurde.
Britische Wissenschaftler berichten von Probanden, die Stimmen hörten oder die Anwesenheit Verstorbener spürten.
Schadet Kaffee den Knochen?
Es gibt Beobachtungen, dass Kaffee zu einem Kalziumverlust führt. Daraus hat man in Schweden geschlossen, dass damit auch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko verbunden sei. Der Berliner Mediziner Fietze meint: Selbst wenn durch Kaffee ein Kalziumverlust auftritt, ist diese Größenordnung unmaßgeblich für die Knochendichte.
Verträgt sich Kaffee nicht mit Sport?
Im Gegenteil: Koffein steigert nicht nur die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft, sondern auch die Ausdauerleistung. "Kaffee hat mit seinen gefässschützenden Inhaltsstoffen somit im Leistungs- und Breitensport seinen Platz", so der Sportmediziner Dr. med. Wolfgang Grebe vom Hessischen Sportärzte-Verband. "Leistungssteigernd wirkt Koffein vor allem bei Ausdauersportarten, bei denen die Belastung länger als fünf Minuten anhält", so der Mediziner.
Schützt Kaffee vor Alzheimer?
Prof. Jürgen Vormann, Leiter des Institutes für Prävention und Ernährung (IPEV) in Ismaning: "Eine finnische Studie hat über viele Jahre den Kaffeekonsum von Menschen im mittleren Lebensalter beobachtet. Die Forscher fanden heraus, dass Kaffeetrinker seltener dement wurden als Kaffee-Abstinenzler." Bei Menschen, die pro Tag zwischen drei und fünf Tassen tranken, sei das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, um 65 Prozent geringer gewesen.
Senkt Kaffee das Diabetes-Risiko?
Untersuchungen weisen darauf hin, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee das Diabetes-Risiko senken kann. "Das Risiko war am geringsten bei Personen, die täglich bis zu sieben Tassen Kaffee tranken", so Prof. Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf. Diese Wirkung sei aber offenbar nicht auf das enthaltene Koffein zurückzuführen, denn der schützende Effekt wurde auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet. Forscher vermuten, dass die in Kaffee enthaltenen Antioxidantien eine maßgebliche Rolle spielen.
Ist Kaffee ein Wasserräuber?
Viele bestellen zum Kaffee gleich ein Glas Wasser mit, weil sie glauben, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht. Studien der letzten Jahre kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass Kaffee dem Körper auch Flüssigkeit zuführt. Die harntreibende Wirkung setzt ohnehin schneller bei denjenigen ein, die üblicherweise keinen Kaffee trinken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stellt fest: "Bei regelmäßigem Kaffeekonsum ist der weniger stark ausgeprägt, so dass sich der Flüssigkeitshaushalt innerhalb eines Tages wieder im Gleichgewicht befindet. Kaffee wird in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen - wie jedes andere Getränk auch."
Ist Kaffee immer ein "Schlafkiller"?
Grundsätzlich kann der Genuss von Kaffee vor dem Zubettgehen für eine schlaflose Nacht sorgen. "Allerdings tritt die Wirkung des Koffeins erst nach 20 bis 30 Minuten ein", erläutert Schlafmediziner Fietze aus Berlin. Die erhöhte Temperatur sorge vorher für eine Blutumverteilung im Magen und damit für einen positiven Einschlafeffekt. Auch ältere Menschen mit niedrigem Blutdruck können bisweilen mit Kaffee sogar besser schlafen als ohne. Der erhöhte Blutdruck gewährt bei ihnen eine längere Schlafphase.
Schadet Kaffee in der Schwangerschaft?
In der Literatur sind zahlreiche Publikationen zu finden, die Hinweise auf eine schädliche Wirkung des Koffeins während der Schwangerschaft geben (u.a. Fehlbildungen, niedriges Geburtsgewicht, spontane Fehlgeburten). Doch laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gilt: Ergebnisse von epidemiologischen Untersuchungen lassen nicht den Schluss zu, dass von moderatem Kaffeekonsum während der Schwangerschaft negative Wirkungen zu erwarten sind. Dabei handelt es sich pro Tag um weniger als 5 bis 6 mg Koffein/kg KG oder drei 3 Tassen Kaffee.