Trendwende in Sicht: Deutschland hat schlankere Schulanfänger
VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 10.10.2011 - 08:42Ulm/Heidelberg (RPO). Seit den 80er Jahren steigt die Zahl der übergewichtigen Schulanfänger in Deutschland kontinuierlich an. Nun scheint dieser Trend zumindest gebrochen. Das stellen Forscher der Universitätskinderklinik in Ulm fest.
Die Untersuchungsergebnisse von 600.000 I-Dötzchen aus allen Bundesländern lässt hoffen: Es scheint, als sei eine Kehrtwende in Sachen "Übergewicht bei Kindern" in Sicht. Forscher aus Ulm kommen nach Auswertung der Schuleingangsdaten aus 2008 zu dem Ergebnis, dass in nahezu allen Bundesländern die Zahl der übergewichtigen und stark übergewichtigen, also adipösen Kinder, rückläufig ist.
Die Zahlen reichen von einem Rückgang bis zu 3 Prozent für Übergewicht und bis zu 1,8 Prozent für Adipositas. Von dieser Entwicklung ausgenommen sind Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo nach den Studienergebnissen sogar ein leichter Anstieg zu registrieren war.
Freude, aber keine Entwarnung
Prof. Martin Wabitsch von der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sieht allerdings weiterhin Bedarf an wissenschaftlich abgesicherten Präventionsprogrammen für Kinder, denn "diese erfreulichen Zahlen dokumentieren zwar einen Rückgang von Übergewicht und Adipositas." Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich die Prävalenzraten übergewichtiger und adipöser I-Dötzchen in Deutschland auf einem hohen Level bewegen. So gelten 11,9 Prozent der Schulanfänger in Bremen und Thüringen als übergewichtig, und im Saarland wird 5,4 Prozent der Einschüler sogar eine Adipositas bescheinigt.
Ingesamt sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 11,4 Prozent der deutschen Kinder übergewichtig und 7,2 Prozent fettleibig. Übergewichtige Kinder belasten schon früh ihre Gesundheit. So kann es bei ihnen schon in jungen Jahren zu Veränderungen am Herzen kommen, wie sie bei erwachsenen Patienten mit arteriellem Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Erkrankungen der Herzkranzgefäße auftreten, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung. Fettleibigkeit sei nicht nur ein Risikofaktor für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern könne bereits im Kindesalter mit einer verschlechterten systolischen und diastolischen Funktion der linken Herzkammer einher gehen, berichtet der Kardiologe Dr. Norman Mangner von der Universität Leipzig.
Dass sich gegen Übergewicht bei Kindern frühzeitig gegensteuern lässt, zeigten Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt. Sie entwickelten ein Ernährungsprogramm für Grund- und Förderschüler, in dem es darum ging Kindern spielerisch eine sinnvolle Ernährung näher zu bringen und den Spaß an der Bewegung zu fördern.
Gesundheit auf dem Stundenplan beugt vor
Zu Beginn des Programms waren insgesamt 64 Kinder im Alter zwischen sieben und acht Jahren übergewichtig. „Gerade das Grundschulalter ist eine kritische Phase für späteres Übergewicht und Adipositas“, erklärt Dr. Jürgen Grulich-Henn, Oberarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Studiengruppe. In dieser Zeit entscheide sich häufig, wer später unter Gewichtsproblemen leidet.
Die Fachleute rissen für einen Großteil der übergewichtigen Kinder das Ruder rum: Im Verlauf von zwei Jahren sank der Anteil der dicken Kinder von 18 auf 13 Prozent. Das Geheimnis des Erfolgs: Neben einer kindgerechten Ernährung ausreichend Bewegung. "Ein- oder zweimal in der Woche Sport gleicht die bewegungsfreie Zeit in der Schule oder vor dem Fernseher nicht aus, wenn diese überwiegt", ergänzt Projektleiterin und Ernährungswissenschaftlerin Silke Lichtenstein. Darum empfehlen Fachleute eine halbe Stunde Sport pro Tag.
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