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Serie "Mein gesundes Kind" Folge 12: Eltern und Arzt - ein Team fürs Kinderwohl

zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 - 08:27

Düsseldorf (RP). Ertan Mayatepek, Direktor der Düsseldorfer Universitätskinderklinik, beschreibt in seinem Gastbeitrag die wichtigsten Etappen, die Eltern mit ihren Kindern von der Geburt an beschreiten sollten: vom Neugeborenen-Screening und dem Stillen über die Impfungen bis zur Vorbeugung von Folgekrankheiten und jugendlicher Adipositas.

Aus Kindern werden nicht nur Erwachsene, immer öfter erreichen sie ein sehr hohes Alter. Innerhalb der letzten 100 Jahre ist die Lebenserwartung in Deutschland von durchschnittlich 45 Jahren auf über 75 Jahre angestiegen. Bessere Überlebenschancen in den ersten fünf Lebensjahren haben dazu entscheidend beigetragen.

Neben gesellschaftlichen Fortschritten war – durch die Kinderheilkunde – die Zuwendung der Medizin zum Kind der Schlüssel zu diesem Erfolg. Zu den wichtigen Meilensteinen gehören sauberes Wasser, Hygiene, Impfungen, bessere und ausreichende Verfügbarkeit von Nahrung und Vitaminen für Säuglinge und Kinder sowie bereits vorgeburtliche Diagnostik und Vorsorgeuntersuchungen.

Info

Unser Gastautor

Prof. Ertan Mayatepek, 1962 in Aachen geboren, studierte Medizin in Düsseldorf und Ohio (USA). Danach arbeitete er an Uni-Kinderklinik in Heidelberg. Seit 2002 ist er Direktor der Universitäts-Kinderklinik Düsseldorf.

Folgen der Adipositas Das enorme gesundheitsspendende Potenzial präventiver Maßnahmen ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. Es mehren sich die Hinweise, dass viele chronische Krankheiten des Erwachsenenalters wie Atherosklerose oder Diabetes mellitus (als Folgeerkrankungen der Adipositas) durch Prävention im Säuglings- und Kindesalter verhindert oder zumindest kontrolliert werden könnten. Kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig zur Vorbeugung und Früherkennung von Erkrankungen und Entwicklungsstörungen im Säuglings,- Kindes-, und Jugendalter.

So erkennt der Facharzt frühzeitig Auffälligkeiten in der Sprache oder den motorischen Fähigkeiten. Neben der Früherkennung erlauben Vorsorgeuntersuchungen auch eine entwicklungsspezifische Elternberatung. Frühzeitig können so Risiken oder bereits bestehende Probleme auch im Umfeld des Kindes erkannt werden. Als Folgen der Untersuchungen können dann gezielt pädagogische, medizinisch-therapeutische oder soziale Interventionen veranlasst werden. Die Vorsorgeuntersuchungen dienen so auch der Förderung der elterlichen Erziehungskompetenzen.

Neugeborenen-Screening Eine sehr wichtige Maßnahme der Vorsorgeuntersuchungen ist das Neugeborenen-Screening zur Früherkennung angeborener Stoffwechselerkrankungen (etwa Störungen des Eiweißstoffwechsels wie Phenylketonurie) oder hormoneller Krankheiten (etwa der Mangel an lebenswichtigem Schilddrüsenhormon).

Allen diesen Erkrankungen ist gemeinsam, dass bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung eine normale oder nahezu normale altersgerechte Entwicklung der Kinder möglich wird. Dazu sollte bei jedem Neugeborenen in der Regel am zweiten oder dritten Lebenstag eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Bereits in kurzer Zeit liegt das Ergebnis vor, so dass im Krankheitsfall eine Behandlung eingeleitet werden kann. Unbehandelt gehen diese Erkrankungen mit schwersten Entwicklungsstörungen einher. Ebenso soll bei jedem Neugeborenen in den ersten Lebenstagen auch ein Hörscreening durchgeführt werden.

Impfungen Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Präventionsmaßnahmen gehören Impfungen. Diejenigen, die von besonderer Bedeutung für die Gesundheit sind, werden öffentlich empfohlen. Grundlage dieser Empfehlungen sind die Vorgaben eines Expertenteams, der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Polio, Hepatitis B, HIB, Pneumokokken, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen und HPV werden allgemein empfohlen. Hierdurch haben einige dieser zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen ihren Schrecken verloren, da sie fast nicht mehr auftreten. Noch vor 60 Jahren starben jedes Jahr über 1500 Kinder in Deutschland an Masern, der angeblich harmlosen Kinderkrankheit.

Schutz durchs Stillen Die preiswerteste Gesundheitsvorsorge für Kinder stellt immer noch Stillen dar. Gleichzeitig ist es nach wie vor die beste Allergieprävention. Muttermilch ist jeder Fertignahrung überlegen, da sie das Neugeborene auch mit Immun- und Abwehrstoffen der Mutter versorgt, die sie in Auseinandersetzung mit Keimen und Krankheitserregern in ihrer Umgebung und somit auch in der Umgebung des Kindes gebildet hat.

So wird das Kind optimal vor Infektionen geschützt. Muttermilch hat zudem immer die richtige Temperatur und Zusammensetzung – und sie ist stets verfügbar, auch unterwegs. Es kommt zudem zu einer intimen Nähe und Hautkontakt zwischen Mutter und Kind.

Vitamin-Mangel Normalerweise werden Neugeborene durch die Muttermilch ausreichend mit allen erforderlichen Vitaminen versorgt. Dennoch tritt insbesondere bei den Vitaminen K und D ein Mangel auf. Vitamin K ist für eine gute Blutgerinnung des Neugeborenen unerlässlich. Vitamin D sorgt für eine gute Verfügbarkeit der beiden Mineralstoffe Calcium und Phosphat, die für eine gesunde Knochensubstanz wichtig sind. Ein Vitamin-D-Mangel kann zu Knochenerweichungen mit Verformungen des Skeletts und generellen Wachstumsstörungen, der so genannten "Rachitis", führen.

Die Rachitis-Prophylaxe wird zumeist direkt mit einer Karies-Prophylaxe (Fluorid) kombiniert. So erhalten Säuglinge in den ersten Wochen Vitamin K und über den Zeitraum von mindestens einem Jahr Vitamin D und Fluorid. Auch Kinder, die nicht gestillt werden, haben einen erhöhten Vitamin D-Bedarf, da die Säuglingsnahrung nicht auf die Aufhebung dieses Mangels ausgerichtet ist.

Richtige Ernährung Nach dem Stillen bietet eine gesunde Ernährung einen hohen Schutz vor einer ganzen Reihe von Gesundheitsstörungen. Zu den allgemeinen Ernährungsempfehlungen gehören der regelmäßige Verzehr von Obst, Gemüse, Salat und Vollkornprodukten. Fleisch (mager, möglichst keine Würstchen), Eier und Süßigkeiten sollten nur in Maßen angeboten werden. Wichtig ist, dass Kinder ausreichend viel trinken. Dabei soll auf Fruchtsäfte oder zuckerhaltige Limonaden zugunsten von Wasser und ungesüßten Tees verzichtet werden.

Regelmäßige Bewegung Neben einer gesunden Ernährung fördert insbesondere regelmäßiger Sport die Gesundheit. Mittlerweile verbringen Kinder aber ebenso viel Zeit vor dem Bildschirm wie in der Schule. Der durch Nutzung der Medien (Internet, Fernsehen, Computerspiele) resultierende Bewegungsmangel reduziert die Fitness und trägt zur Entwicklung von Übergewicht bei. Außerdem betrifft ein hoher Anteil an Fernsehwerbung im Kinderfernsehen Nahrungsmittel, die ungeeignet sind (Fast Food, Süßigkeiten), wodurch ein regelrechter Teufelskreis entstehen kann.

Soziale Vereinsamung Der hohe Medienkonsum führt neben der Förderung von Übergewicht auch zum Problem der sozialen Vereinsamung. Prävention in diesem Bereich ist eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe für die Zukunft. Es ist notwendig, Eltern, Kinder, Jugendliche, Lehrer und andere über die Medienrisiken zu informieren, Medienerziehung in Schulen zu propagieren sowie Forschung zur Prävention und Behandlung des Medienkonsums zu fördern. Die präventive Intervention sollte sehr früh erfolgen, da die Schädlichkeit gerade im Kindesalter besonders groß ist.

Alle diese präventiven Maßnahmen tragen dazu bei, unseren Kindern die besten Möglichkeiten zu geben, gesund erwachsen zu werden.

Quelle: RP/anch


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