Anteil seit 1991 verdoppelt: Immer mehr Kaiserschnitte in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 03.08.2010 - 17:50Wiesbaden (RPO). Immer mehr Kinder kommen in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Von 663.000 Müttern brachte im vergangenen Jahr fast jede Dritte (30,2 Prozent) ihr Kind mit dieser Methode zur Welt, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Damit hat sich die Quote im Vergleich zum Jahr 1991 verdoppelt, als lediglich 15 Prozent der Kinder so auf die Welt kamen.
Im Verhältnis wurden die meisten Kaiserschnitte (36,8 Prozent) im Saarland vorgenommen, gefolgt von Bremen und Hessen. Die neuen Länder lagen dagegen alle unter dem Bundesdurchschnitt. Schlusslicht ist Sachsen, wo nur bei etwa jeder fünften Entbindung (21,7 Prozent) ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde.
Im Jahr 2007 lag der Anteil der Kaiserschnitte insgesamt noch bei 29,3 Prozent. In jedem Jahr seit Beginn der Statistik Anfang der 90er Jahre stieg der Prozentsatz.
Mechanische Hilfsmittel wie die Saugglocke oder die Geburtszange werden bei Krankenhausentbindungen zudem immer seltener eingesetzt. Bei 32.000 Entbindungen im Jahr 2008 (4,8 Prozent) erfolgte eine Vakuumextraktion mit der Saugglocke, der Anteil der Entbindungen mit Hilfe der Geburtszange lag bei nur noch 0,7 Prozent (4500 Fälle). Dabei wurde die Vakuumextraktion am häufigsten in Berlin vorgenommen (acht Prozent), die Zangengeburt war in Thüringen mit 1,4 Prozent aller Entbindungen im regionalen Vergleich am weitesten verbreitet.
Risiken in etwa gleich
Viele Frauenärzte halten den Trend zum Kaiserschnitt für eine Mode-Erscheinung. In manchen Staaten werden bereits mehr Kinder per Kaiserschnitt als natürlich zur Welt gebracht, auch weil die Operation relativ einfach mit einer guten Prognose durchzuführen ist. Experten halten die Risiken bei beiden Varianten für etwa gleich groß: So kann es bei natürlichen Geburten Verletzungen geben, die Inkontinenz begünstigen. Der Kaiserschnitt birgt dagegen die üblichen Risiken einer Operation, etwa Infektionen.
Schon der römische Kaiser Julius Caesar soll mit einem Kaiserschnitt entbunden worden sein und die Sectio Caesarea danach ihren Namen erhalten haben. Zwar gab es im alten Rom bereits Kaiserschnitte, dennoch dürfte diese Überlieferung wohl ins Reich der Legende gehören. Damals überlebte wohl keine Frau eine Geburt per Kaiserschnitt.
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