Sind Kinder besonders zappelig, ständig unkonzentriert, mal himmelhochjauchzend und dann wieder zu Tode betrübt, dann kann das ein Hinweis auf die neuro-biologische Erkrankung ADHS sein. Was bedeutet das genau, wie wird es therapiert und was hilft Kindern wie betroffenen Familien?
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Dr. Kirsten Stollhoff, Kinderneurologin Hamburg; AOK-Bundesverband;
Was ist ADHS?
ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung. Dieser Begriff bezeichnet eine Erkrankung, die bereits 1932 ärztlich beschrieben wurde. Damals noch als "Hyperkinetische Erkrankung des Kindesalters". ADHS ist eines der am häufigsten beschriebenen Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen.
Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts sitzt rein rechnerisch in jeder Schulklasse ein Kind, das ADHS hat. Doch auch Erwachsene können darunter leiden. Die Krankheit kann in verschieden starker Ausprägung auftreten.
Welche Symptome zeigen sich bei ADHS?
Kinder und Jugendliche, die unter ADHS leiden fallen auf durch Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, ausgeprägter körperlicher Unruhe und starkem Bewegungsdrang, der als Hyperaktivität beschrieben wird. Außerdem neigen sie zu impulsivem und unüberlegtem Handeln.
Um die Diagnose ADHS zu erstellen, ist ein aufwändiges standardisiertes Diagnoseverfahren notwendig. Hinter einem oder mehreren der genannten Symptome können sich auch andere Erkrankungen verbergen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Um die Diagnose ADHS stellen zu können müssen mehrere Symptome deutlich ausgeprägt sein, mindestens seit sechs Monaten bestehen und in mehreren Lebensbereichen auftreten. Die Kinder zeigen die Symptome bereits im Vorschulalter und weichen dann irgendwann von der altersgemäßen Entwicklung ab.
Um die Diagnose ADHS stellen zu können müssen mehrere Symptome deutlich ausgeprägt sein, mindestens seit sechs Monaten bestehen und in mehreren Lebensbereichen auftreten. Die Kinder zeigen die Symptome bereits im Vorschulalter und weichen dann irgendwann von der altersgemäßen Entwicklung ab.
Die Diagnostik beginnt mit einer körperlichen Untersuchung, bei der Gewicht, Größe, Herzfrequenz, Blutdruck und Blutbild ermittelt werden. Das ist notwendig, um ADHS gegen andere Erkrankungen abzugrenzen.
Zudem wird nach Hör- oder Sehstörungen geschaut.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Nun beginnt eine Reihe von Befragungen und Testungen. Dazu holt man neben dem betroffenen Kind und seinen Eltern auch Erzieher und Lehrer mit ins Boot, um ein möglichst umfassendes Bild aus verschiedensten Bereichen zu bekommen. Sie müssen in der Regel standardisierte Fragebögen ausfüllen. Das Kind wird in mehreren Sitzungen getestet. Ermittelt wird dabei Intelligenz, Leistungs- und Entwicklungsstand sowie Konzentrationsvermögen.
Wie wird ADHS behandelt?
Wenn die Diagnose ADHS abgesichert ist, wird ein Behandlungsplan erstellt, der auf mehreren Ebenen greift. Zu Beginn steht die Beratung und Schulung der Eltern. Die Eltern lernen dabei, wie sie Verhaltensauffälligkeiten beim Kind durch gezielte Maßnahmen verhindern können. Dazu zählen Belohnungspläne oder Handlungstipps für die Eltern.
Wie wird ADHS behandelt?
Für die Kinder gibt es die Möglichkeit in Aufmerksamkeits- und Konzentrationstrainings zu lernen, wie sie ihr Verhalten besser steuern können. Schritt für Schritt werden die erworbenen Techniken dann in den Alltag übertragen.
Das Kind erlernt Selbstmanagement-Methoden, die ihm helfen, eigenes Verhalten besser zu steuern und bessere Verhaltensweisen im Umgang mit anderen Menschen zu entwickeln.
Kinder, die daneben unter Angststörungen leiden oder depressiv sind, bekommen Unterstützung durch Kinderpsychotherapeuten.
Wie wird ADHS behandelt?
Neben diesen Hilfen gibt es eine Vielzahl weiterer pädagogischer Unterstützungen. Manche Hilfen zielen darauf ab, die Bewegungskoordination zu verbessern, manche zielen auf die Lernschwierigkeiten ab.
Wann kommen Medikamente zum Einsatz?
Wenn der Therapeut feststellt, dass die voran gegangenen Maßnahmen nicht zum Ziel führen, kann es notwendig werden begleitend Medikamente zu verabreichen. In der Regel wird das ein Präparat mit dem Wirkstoff Methylphenidat sein, wie zum Beispiel Ritalin oder Medikinet. Daneben wird auch der Wirkstoff Atomoxetin eingesetzt.
Medikamente allein sind noch keine Therapie. Sie machen die Behandlung der betroffenen Kinder oft überhaupt erst möglich. ADHS nur mit Medikamenten zu behandeln ist hierzulande verboten.
Was bei ADHS helfen kann
Setzten Sie klare Regeln und Grenzen. Verlässliche und berechenbare Abläufe helfen Kindern mit AHDS, mit ihrer Reizoffenheit besser zurecht zu kommen. Die Regeln sollten Sie mit dem Kind vorher gemeinsam besprechen und Konsequenzen festlegen, die folgen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.
Was bei ADHS helfen kann
Setzen Sie die vereinbarten Konsequenzen um. Nichts ist schlimmer, als Androhungen, die niemals eintreten. Alle Erziehenden müssen an einem Strang ziehen.
Was bei ADHS helfen kann
Vergessen Sie auch das Loben nicht, wenn Regeln eingehalten werden. Zu Beginn sollten Eltern auch bei kleinen Fortschritten dem Kind signalisieren, dass sie seine kleinen Bemühungen registriert haben.
Nur so kann das Kind die Erfahrung machen, dass nicht nur falsches Verhalten wahrgenommen wird, sondern auch richtiges.
Was bei ADHS helfen kann
Belohnungspläne sind hilfreich: Dabei sammelt das Kind durch Erfüllen bestimmter Aufforderungen Punkte. Ist der Punkteplan voll, kann das Kind ihn gegen eine Belohnung eintauschen.
Was bei ADHS helfen kann
Sport - er fördert die Körperwahrnehmung, soziale Kompetenzen und die Handlungsplanung und kann darum Kindern, die unter ADHS leiden nur gut tun, sind sich die Mediziner einig. Sinnvoll ist es dabei, mit dem Kind zusammen zu überlegen, was ihm Spaß machen könnte. Das kann auch Karate, Judo, Bogen schießen oder Fechten sein.
Was bei ADHS helfen kann
Oft ist es auch notwendig, das emotionale Gleichgewicht zwischen Kind und Eltern wiederherzustellen. Dadurch, dass Eltern ihr eigenes Kind nur noch als Störenfried wahrnehmen, ist der Blick für die liebenswerten Eigenschaften des Kindes oft verstellt. Umso wichtiger ist es die Fähigkeiten und Stärken des Kindes wieder in den Mittelpunkt zu stellen.
Was bei ADHS helfen kann
Schauen Sie kritisch auf die Zeit, die das betroffene Kind mit elektronischen Medien verbringt. Egal ob Fernsehen, Spielekonsole oder Computer - sie alle stellen besonders für ADHS-Kinder eine zusätzliche Reizüberflutung dar. Kinder mit ADHS können noch viel weniger die Fülle an Informationen und Bildern bewältigen, die ihnen entgegenflutet, als gesunde Kinder.