Foto: Prof. Dr. Birgit Lorenz/AAD
Die Fähigkeit sehen zu lernen, ist auf die ersten Lebensjahre beschränkt. Deshalb ist es wichtig, Augenerkrankungen bei Kindern früh zu erkennen und zu behandeln. Hier erfahren Sie, welche Augenerkrankungen es gibt, wann ein Kind zum Augenarzt gehen sollte und welche Therapien es gibt.
Quelle: Prof. Dr. med. Birgit Lorenz, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
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Wie Schwachsichtigkeit entsteht
Die Krankheiten, die dem Sehen lernen im Wege stehen können, sind vielfältig, sie betreffen sowohl das Auge selbst als auch den Sehnerv oder das Gehirn. Eine starke Fehlsichtigkeit ist eine mögliche Ursache, vor allem, wenn es große Unterschiede zwischen beiden Augen gibt.
Erhält das Gehirn von beiden Augen zu unterschiedliche Bilder, kann es die Informationen nicht zu einem gemeinsamen Seheindruck verarbeiten. Deshalb wird das Bild des einen Auges unterdrückt. Geschieht das dauerhaft, dann wird dieses Auge schwachsichtig (amblyop).
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Therapie bei Schwachsichtigkeit
Die Gefahr, dass ein Auge schwachsichtig wird, besteht auch, wenn Kinder schielen. Mit der Amblyopiebehandlung, bei der das „stärkere“ Auge zeitweise abgedeckt wird, verfolgen Augenärzte das Ziel, Schwachsichtigkeit zu vermeiden oder teilweise bis vollständig rückgängig zu machen.
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Störungen der Sehbahn
Andere Krankheiten behindern den Weg des Lichts zur Netzhaut. Das kann ein hängendes Oberlid sein (Ptosis), aber auch eine Trübung der Hornhaut, der Linse (angeborene Katarakt) oder des Glaskörpers. In diesen Fällen ist zu prüfen, ob eine frühzeitige Operation notwendig ist.
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Angeborener grauer Star
Bei einem von 1500 Neugeborenen ist die Augenlinse ein- oder beidseitig so stark getrübt, dass das Kind schon in den ersten Lebenswochen operiert werden muss. Ohne rechtzeitige Therapie ist nach acht bis zehn Wochen ein Augenzittern zu beobachten (Nystagmus). Ein Nystagmus kann auch Begleiterscheinung verschiedener anderer Krankheiten sein. Der beidseitige graue Star ist in mindestens 25 Prozent erblich bedingt.
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Angeborenes Glaukom
Bei einem von 12.500 Kindern entwickelt sich während der Schwangerschaft der Kammerwinkel nicht richtig und das Kammerwasser im Auge fließt nicht ausreichend ab. Bei diesem angeborenen grünen Star kann der erhöhte Augeninnendruck bewirken, dass sich die Augäpfel vergrößern – ein sichtbares Zeichen dieser Erkrankung, die das Sehvermögen bedroht. Besteht der Verdacht auf ein angeborenes Glaukom, muss das Kind so schnell wie möglich untersucht und eventuell operiert werden, um sein Augenlicht zu retten.
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Tumorerkrankung
Bei rund 50 Kindern wird pro Jahr in Deutschlan dein bösartiger Tumor im auge diagnostiziert, das so genannte Retinoblastom. Wird der Tumor, der nur bei bis zu fünfjährigen Kindern auftritt, früh genug erkannt, kann der Tumor durch verschiedene Behandlungsverfahren zerstört und das Auge erhalten bleiben. Ist der Tumor schon zu groß, muss das gesamte Auge entfernt werden. Unbehandelt führt der Tumor in einem hohen Prozentsatz zum Tode.
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Frühgeborenen-Retinopathie (Netzhautkrankheit)
Jedes zehnte Kind kommt heute früher als erwünscht zur Welt. Müssen sie mit Sauerstoff beatmet werden müssen, damit Hirn und Lunge möglichst ungestört reifen, gefährdet mitunter eben dieser überlebensnotwendige Sauerstoff die noch unreife Netzhaut. Es bilden sich möglicherweise unkontrolliert Netzhautgefäße, die in den Glaskörper hineinwuchern können. Die Frühgeborenen-Retinopathie ist mit dem Risiko einer Netzhautablösung verbunden, die unbehandelt zur Erblindung führt.
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Was Ärzte gegen die Netzhautkrankheit tun
Deshalb arbeiten Frühgeborenenstationen oft eng mit Augenärzten zusammen. Sie überwachen die Netzhaut aller Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden oder die mit weniger als 1.500 Gramm zur Welt kamen. Auch etwas reifere Kinder werden kontrolliert, wenn sie länger als drei Tage mit Sauerstoff beatmet werden mussten. Mit einem Dioden- oder Argonlaser wird die Netzhaut außerhalb der erkrankten Gefäße verödet und so die Gefahr der Ablösung gebannt.
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Krankheiten an Sehnnerv oder Netzhaut
Netzhaut, Sehnerv und zentrale Sehbahnen können von Krankheiten betroffen sein. Sie sind vielfältig und erfordern eine sorgfältige, differenzierte Diagnose. Insbesondere, wenn in der Familie des Kindes Augenerkrankungen bekannt sind, sollte ein Augenarzt das Baby schon früh untersuchen. Bei bekannter genetischer Veranlagung in der Familie ist gegebenenfalls eine entsprechende Beratung der Familien sinnvoll.
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Darauf sollten Eltern achten
Die Beobachtungen der Eltern spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Sehstörungen und Augenerkrankungen bei Kleinkindern festzustellen. Sie können beurteilen, ob das Kind überhaupt auf visuelle Reize reagiert – auf Licht, Gesichter oder Spielzeug. Und sie können beschreiben, ob das Kind das Gesicht der Eltern oder auch die eigenen Hände und Füße fixiert und aufmerksam betrachtet.
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Das untersucht der Augenarzt
Der Augenarzt kann prüfen, ob das Sehvermögen im Nahbereich gegeben ist. Schon bei Säuglingen und Kleinkindern kann man den so genannten optokinetische Nystagmus (OKN) testen. Er besteht aus einer Abfolge langsamer Folgebewegungen der Augen und schnellen Rückstellbewegungen. Wenn der OKN sowohl horizontal als auch vertikal ausgelöst werden kann, ist ein brauchbares Sehvermögen zu erwarten.
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Arzt kann die Sehschärfe bestimmen
Auch die Sehschärfe lässt sich schon bei Säuglingen überprüfen. Je älter die Kinder werden, desto differenziertere Tests sind möglich. Objektive Aussagen über den Brechwert ermöglicht die Skiaskopie. Diese Methode ist bereits bei Säuglingen einsetzbar.
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Wann zur Vorsorgeuntersuchung?
Die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt und beim Augenarzt sind wichtg, um frühzeitig Augen- und Sehschwächen zu erkennen. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt, alle Kinder im Alter von zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren augenärztlich untersuchen zu lassen.
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Früher zum Arzt bei familiärer Vorbelastung
Kinder, bei denen erhöhte Risiken bestehen, wie erbliche Augenkrankheiten, die Entwicklung einer Schielstellung oder Fehlsichtigkeit, sollten schon im Alter von sechs bis zwölf Monaten zum Augenarzt. Bei familiärer Katarakt und erblichem Retinoblastom muss die erste augenärztliche Untersuchung sogar bereits in der ersten Lebenswoche erfolgen.
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Weitere Auffälligkeiten
In Zweifelsfällen oder wenn Besonderheiten auffallen wie Augenzittern, Hornhauttrübungen, grau-weißliche Pupillen, große lichtscheue Augen oder Lidveränderungen, soll das Kind sofort augenärztlich untersucht werden.
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So hilft man den Kindern
Mit einer möglichst früh einsetzenden Therapie, sei sie konservativ oder operativ, können die Augenärzte in vielen Fällen erreichen, dass sich das Sehvermögen weitgehend normal entwickeln kann. Von Geburt an bis zum Schuleintrittsalter erhalten die Kinder eine individuell abgestimmte Förderung.
In den ersten Jahren wird er gemeinsam mit Orthoptistinnen alle nur möglichen Hilfestellungen geben, um das bestmögliche Sehvermögen zu erreichen.