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Serie "Mein gesundes Kind" Folge 8: Was Kindern bei Kopfschmerzen hilft

VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2012 - 10:35

Düsseldorf (RP). Stress in der Schule, zu wenig Schlaf und Leistungsdruck sorgen dafür, dass vielen Kindern und Jugendlichen regelmäßig der Kopf schmerzt. In einer Therapiegruppe an der Universitätsklinik Düsseldorf lernen sie, den Schmerz zu bekämpfen. Das Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit und Intensität des Kopfschmerzes zu reduzieren.

Der Schmerz pulsiert. Es ist, als stehe im Kopf ein übermotivierter winziger Bauarbeiter, der unablässig mit einem riesigen Hammer gegen die Schläfe klopft. Vermutlich will er ein Loch nach draußen schlagen. Manchmal macht der Kerl Pause, um Kraft für den nächsten Angriff zu sammeln – dann vertritt ihn sein nicht minder motivierter Kollege, der mit einem langen Messer irgendetwas in den Schläfenknochen zu ritzen scheint. Vielleicht die Parole: "Attacke!".

Dieses Stechen und Pochen im Kopf, gepaart mit Übelkeit, kennt Maxi Möller nur zu gut. Sie war gerade zwölf Jahre alt, als sie ihre erste Migräne-Attacke hatte. Seitdem sind der winzige Bauarbeiter und sein Kollege jede Woche zwei bis drei Tage lang in ihrem Kopf im Einsatz.

Krankheit auf den Grund gehen

Maxi tingelt von Arzt zu Arzt, beherzigt immer wieder neue Ratschläge, nimmt Medikamente gegen die Schmerzen. Im Frühjahr 2012 besucht die mittlerweile 16-Jährige dann zum ersten Mal eine Kinderkopfschmerzgruppe in der Ambulanz für Schmerztherapie der Universitätsklinik Düsseldorf. In acht Sitzungen à 90 Minuten geht sie den Ursachen für ihre Krankheit auf den Grund und lernt, mit ihr umzugehen und dem winzigen Bauarbeiter das Leben so schwer wie möglich zu machen.

"Jetzt habe ich nur noch zweimal im Monat Migräne", sagt die Hildenerin. In ihrem Freundeskreis ist sie die Einzige, die regelmäßig Kopfschmerzen hat – in ihrer Altersklasse bei weitem nicht. Laut einer aktuellen Münchner Studie gaben 84 Prozent von 1675 Gymnasiasten im Alter von zwölf bis 19 Jahren an, in den vergangenen sechs Monaten "irgendwelche Kopfschmerzen" gehabt zu haben.

Eine zweite Studie von 2002 befragte 3300 Kinder im Alter von zwölf bis 15 Jahren – rund 40 Prozent kreuzten an, innerhalb der vergangenen drei Monate wiederkehrend unter Kopfschmerz gelitten zu haben.

"Die meisten Kopfschmerzen im Kindesalter sind primäre Kopfschmerzen", sagt Psychologin Birgitta Hoffmann. Sie leitet die Kinderkopfschmerzgruppen an der Düsseldorfer Uni-Klinik. Ihre Patienten haben Migräne oder Spannungskopfschmerz – also jene primären Kopfschmerzen, denen keine andere Erkrankung, wie zum Beispiel ein Tumor, zugrunde liegt. Was genau die Ursachen sind, ist oft unklar.

Bei Spannungskopfschmerzen könnten muskuläre Verspannungen im Hals- und Schulterbereich, außerdem Fehlhaltungen Auslöser sein, erklärt Michael Karenfort, Oberarzt im Zentrum für Kinder und Jugendmedizin an der Uni-Klinik Düsseldorf. Bei Migräne "geht man davon aus, dass eine Funktionsstörung der Gefäße zugrunde liegt".

Symptome der Migräne

Anzeichen für eine Migräne seien, wenn das Kind fünf Kopfschmerz-Attacken im Monat hat, die jeweils mindestens drei bis vier Stunden anhalten, erklärt er. Weitere Symptome: Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, der Kopfschmerz ist einseitig. Nach der Attacke ist das Kind erst einmal beschwerdefrei. Anders ist es beim Spannungskopfschmerz: Er ist eher beidseitig, häufig sei "immer ein bisschen Kopfschmerz da", sagt Karenfort.

"Primäre Kopfschmerzen sind sehr oft Stressreaktionen", hat Birgitta Hoffmann beobachtet. Auch bei Maxi Möller trifft das zu: Tennisunterricht, Fahrstunden, Schule bis nachmittags, nach einem Studienplatz suchen – "ich habe einfach so viel zu tun", sagt die 16-Jährige. Dazu kommt Leistungsdruck und der Anspruch an sich selbst, alles möglichst perfekt zu machen. Dann wird irgendwann einfach alles zu viel, und der winzige Bauarbeiter mit seinem riesigen Hammer meldet sich. Maxi hat mit Hilfe von Birgitta Hoffmann in der Kopfschmerzgruppe Strategien entwickelt, die ihr helfen, die drohende Attacke abzuwenden oder den Schmerz zu lindern.

"Ich mache mir bunte Gedanken", gibt sie ein Beispiel. "Ich denke dann, dass ich das schon alles irgendwie schaffe." Ist der Schmerz da, versucht sie sich abzulenken. "Ich gehe zum Beispiel um den Block", erzählt Maxi. "Aber wenn die Migräne zu stark ist, lege ich mich hin." Ruhe, Dunkelheit und ein kalter Waschlappen auf der Stirn können dann helfen.

Das Ziel der Therapie in der Kopfschmerzgruppe sei es, "die Häufigkeit und Intensität des Kopfschmerzes zu reduzieren", erklärt Birgitta Hoffmann. Die Kinder lernen außerdem: "Was kann ich tun, wenn der Schmerz kommt?" Ein Behandlungserfolg sei es etwa, "wenn das Kind statt acht bis zehn nur noch zwei bis vier Migräneattacken im Monat hat". In einem persönlichen Kopfschmerztagebuch halten die Patienten fest, in welchen Situationen der Schmerz da ist und wie er sich ankündigt. Kalte Hände, rote Wangen und steigende Nervosität sind mögliche Vorboten. Auslöser können neben Stress unter anderem auch zu wenig oder zu viel Schlaf, grelles Licht und schwüles Wetter sein.

Kinder unter acht Jahren

Birgitta Hoffmann therapiert in den Gruppen Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren. Bei jüngeren Kindern sei diese Art der Behandlung "extrem schwierig, weil die Kinder ihre Gedanken noch nicht so gut aufschreiben können", sagt sie. "Da würde ich eher mit den Eltern arbeiten. Ihnen die Entspannungsübungen zeigen und raten, den Alltag des Kindes zu entzerren."

Dass Kinder unter acht Jahren regelmäßig primären Kopfschmerz haben, kommt zwar vor – meist melde sich der Schmerz jedoch erstmals im Alter von zwölf bis 15 Jahren, sagt Michael Karenfort. Wer auf Medikamente zurückgreifen will, um den Schmerz zu dämpfen, dem rät Karenfort zu "Paracetamol und Ibuprofen, das Ganze adäquat dosiert". Ist der Leidensdruck groß und kommt der Schmerz häufig, sollten Eltern mit dem Nachwuchs jedoch auf jeden Fall zum Arzt. Bevor der Mediziner primären Kopfschmerz diagnostiziert, misst er den Blutdruck, schließt Sehstörungen, eine chronische Nebenhöhlenentzündung und schwerere Krankheiten als Ursache aus.

Nicht immer ist es mit einem Arztbesuch getan: Maxi Möller etwa war beim Radiologen, Neurologen, Augenarzt und diversen anderen Ärzten, bevor sie die Kopfschmerzgruppe an der Uni-Klinik für sich entdeckte. Dort hat sie gelernt, die Migräne zu akzeptieren. "Sie ist eben Teil meines Lebens", sagt die 16-Jährige.

Quelle: RP/anch/csi


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