Immer wieder werden neue Missbrauchsfälle publik. Das beunruhigt viele Eltern. Für sie stellt sich vor allem die Frage, wie sie einen möglichen Missbrauch bemerken können. Wenn Kinder ein Internat besuchen, ist dies für Eltern oft noch deutlich schwerer. Ein Psychologe gibt Ratschläge.
Was kann auf einen Missbrauch hinweisen?
Es gibt keine eindeutigen Hinweisen dafür, dass ein Kind missbraucht wurde. Allerdings verändert es normalerweise sein Verhalten. Kinder ziehen sich oft zurück, werden verschlossener oder auch reizbarer. Sie seien jedenfalls anders anders als sonst, sagt der Psychologe Andreas Böhmelt aus Münster.
Was kann auf einen Missbrauch hinweisen?
Allerdings müssen Verhaltensänderungen keinesfalls immer auf Missbrauch beruhen. So mache sich zum Beispiel Mobbing in der Schule genauso bemerkbar, sagt Böhmelt. Er warnt zudem vor "Hysterie" und vorschnellen Verdächtigungen.
Wie sollten Eltern reagieren?
Sie sollten das Gespräch mit den Kindern suchen, wenn sich deren Verhalten auffällig ändert. Allerdings dürfen sich die Kinder nicht bedrängt fühlen. Eine konfrontative Aufforderung sei nicht sehr erfolgsversprechend, warnt Böhmelt. Als Ausweg bleibt zudem, sich an eine professionelle Beratungsstelle zu wenden.
Wie wichtig ist das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern?
Entscheidend ist, dass Eltern den Kontakt und den Gesprächsfaden zu ihren Kindern nicht verlieren. In einem gesunden Umfeld könnten sich die Kinder irgendwann offenbaren, zeigt sich Böhmelt überzeugt. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bleibe ein Missbrauch etwa an einer Schule oder in einem Verein dann nicht unerkannt.
Welche Schwierigkeiten gibt es beim Besuch eines Internats?
Schwieriger ist dies bisweilen, wenn ein Kind auf ein Internat geht. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sei in diesem Fall nicht mehr so eng, sagt Böhmelt. In Internat nähmen Lehrer und Betreuer ein Stück weit den Status von Eltern ein.
Welche Schwierigkeiten gibt es beim Besuch eines Internats?
Auch Loyalitäten spielten dann eine Rolle. Dies könne es für Opfer schwieriger machen, sich zu offenbaren. Gerade dann wird es für Eltern extrem schwierig, einen möglich Missbrauch zu entdecken. Laut Böhmelt halten Kinder dann nach außen eine Fassade aufrecht und verhalten sich vielleicht auch zu Hause nicht auffällig.