Fitness-Trend Kranking: Kurbeln für eine kräftige Oberkörpermuskulatur
VON MASCHA SCHACHT, DDP - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010 - 09:08Mönchengladbach (RPO). Das Handbike wurde bislang vorwiegend von Sportlern genutzt, denen das Fahrradfahren aufgrund einer Querschnittslähmung oder anderer körperlicher Einschränkungen versagt blieb. Nun erobert das Handbike in modifizierter Form als Standgerät auch die Fitnessstudios.
"Wenn Fitnessstudios sogenannte Kranking- oder Krankcycle-Kurse anbieten, ist damit ein Oberkörper- und Ausdauertraining am Krankcycle gemeint", erklärt Alexander Liefke, Fitnesstrainer aus Mönchengladbach. Er hat eine Ausbildung für das Oberkörperergometer gemacht und ist von den Vorteilen des Kranking (vom englischen Begriff "crank" für "Kurbel") überzeugt: "Man kann es zum Beispiel zum Aufwärmen der Oberkörpermuskulatur nutzen, die bei den üblichen zehn Minuten auf dem Ergometer oder dem Laufband oft zu kurz kommt." Frauen werden das Gerät Liefkes Ansicht nach lieben, weil das Training die Muskeln zwar kräftige, aber keine Muskelmassen aufbaue: "In erster Linie wird das Gewebe gestrafft - dadurch lassen sich auch die berühmten Winke-Winke-Ärmchen bekämpfen, also das Herumschlackern des erschlafften Oberarmgewebes beim Winken", sagt der Trainer.
Diesen Effekt bestätigt Thomas Wagner, langjähriger Handbiker und 2004 Deutscher Meister im Einzelzeitfahren: "Ich selbst habe durch das Kurbeln am Handbike zwar eine enorme Kraft in den Armen entwickelt, aber die Muskelberge, die man vom normalen Krafttraining kennt, blieben aus." Seiner Erfahrung nach muss man etwa ein halbes Jahr lang zwei bis drei Mal wöchentlich je 30 Minuten trainieren, bis eine deutliche Straffung zu erkennen ist.
Doch nicht nur zur Muskeldefinition soll das Kurbeln dienen: "Da sich der Widerstand und damit der benötigte Kraftaufwand wie beim normalen Ergometer stufenweise regeln lässt, ist auch ein gezieltes Ausdauertraining möglich", sagt Wagner, der ähnliche Geräte bereits aus sportmedizinischen Einrichtungen kennt. Alexander Liefke ergänzt: "In den Fitnessstudios werden 30- bis 40-minütige Kurse angeboten, die im Prinzip genauso ablaufen wie beim Spinning". Mancherorts gibt es auch Kombinationskurse, bei denen die Sportler zwischen dem Spinning-Fahrrad und dem Oberkörperergometer wechseln.
Sportmediziner Otto Zelger von der Technischen Universität München würde dem Durchschnittssportler dennoch eher andere Geräte empfehlen: "Beim Indoortraining halte ich Rudergeräte oder Crosstrainer für effektiver, weil dabei Arme und Beine zugleich gefordert werden - was obendrein Zeit spart", sagt er. Sehr sinnvoll findet er Oberkörperergometer hingegen für den Behindertensport und den Reha-Bereich.
Fitnesstrainer Liefke erläutert einige der Möglichkeiten für Sportler, die nach einer Verletzung im Arm, Brust- oder Schulterbereich langsam wieder ins Training einsteigen möchten: "Durch einarmiges Training kann beispielsweise gezielt der schwächere Arm trainiert werden. Außerdem schulen die vorwärts oder rückwärts ausgeführten Kurbelbewegungen die Beweglichkeit und das Koordinationsvermögen." Wie vor jedem Wiedereinstieg nach einer Verletzung oder einer längeren Trainingspause sollte allerdings zuvor der Arzt konsultiert und das Vorhaben mit ihm besprochen werden.
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