Jeder Vierte trinkt zu wenig: Das passiert bei Flüssigkeitsmangel
VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 12.10.2011 - 09:36Borna/Bad Nauenheim (RPO). Jeder Vierte trinkt zu wenig, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Wer vor allem im Sommer das Trinken vernachlässigt, der riskiert seine Gesundheit: Schwindel, Herzrhythmusstörungen und ein Kreislaufkollaps sind eine ernste Bedrohung. Welche Mineralstoffe der Körper in besonderem Maß verliert und wer wie viel trinken sollte, erfahren Sie hier.
Auch wenn der Mensch an sich ganz und gar nicht von durchscheinender Gestalt ist, besteht der Körper zu 70 Prozent aus Wasser. Wasser ist nach Informationen des Verbands für Ernährung und Diätetik Lösungs- und Kühlmittel für den Organismus. Lebenswichtige Organe wie Herz und Lunge bestehen sogar zu 80 Prozent aus Wasser, das Gehirn zu 75 Prozent. Fast von selbst erklärt es sich da, dass der Organismus nur richtig funktionieren kann, wenn er mit einer ausreichenden Menge an Wasser versorgt wird.
Wann wir mehr Flüssigkeit brauchen
Viele Menschen vergessen, dass sommerliche Temperaturen ihren Organismus belasten und zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen können. Hochsommerliche Hitze ist nämlich eine Herausforderung für Herz- und Kreislauf. "Ein Hauptrisiko ist Flüssigkeitsmangel, denn bei Hitze verliert der Körper große Mengen Flüssigkeit und damit auch wichtige Mineralstoffe", erklärt die Ernährungsexpertin Anja Krumbe.
Sommerliche Temperaturen scheinen allerdings nur ein Problem zu forcieren, dass viele Menschen ohnehin haben: Rund ein Drittel der Menschen, die für die Forsa-Umfrage interviewt wurden, gaben an, bei Stress das Trinken zu vergessen. Rund ein Viertel achtet grundsätzlich nicht darauf wie viel Flüssigkeit sie zu sich nehmen. Menschen, die zu den Mahlzeiten trinken, trinken über den Tag verteilt insgesamt weniger als die, die regelmäßig zum Wasserglas greifen, so ergab die Studie weiter.
Manch einer merkt kaum wie er Flüssigkeit verliert, denn selbst beim sommerlichen Spaziergang oder beim Sonnenbaden geschieht das unbemerkt über die Haut, auch dann, wenn der Schweiß nicht in Strömen rinnt. Bemerkbar macht sich das später durch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel oder Reaktionsschwäche. Sie können erste Anzeichen einer Austrocknung sein. Längerfristig kann nach Information der Techniker Krankenkasse der Flüssigkeitsmangel sogar zu Verdauungsbeschwerden, Durchblutungsstörungen und Nierenschäden führen.
Wie viel Flüssigkeit - Experten sind uneinig
"Bis zu drei Liter Wasser verliert ein Erwachsener an heißen Tagen - bei körperlichen Anstrengungen sogar noch mehr. Um den Flüssigkeitsbedarf auszugleichen, ist ausreichendes Trinken ein Muss", erklärt Krumbe. Wie groß die Menge ausfallen sollte, die man zu sich nehmen muss, gehen allerdings die Meinungen auseinander. Während die einen von zwei bis drei Litern bei großer Hitze sprechen, empfehlen die anderen, auf das Durstgefühl zu achten. „Der Wasserbedarf eines Menschen hängt sehr von seiner individuellen Situation ab“, sagt Dr. Andreas Klamann, Chefarzt für innere Medizin am Helios Klinikum Borna. Flüssigkeit werde nicht nur durch Getränke aufgenommen, sondern auch mit der Nahrung. Ein gesunder Mensch müsse seinen Wasserkonsum normalerweise nicht bewusst messen, sondern einfach auf seinen Durst achten.
Ein guter Hinweis darauf, wie es um den persönlichen Flüssigkeitshaushalt bestellt sei, ist die Farbe des Urins. Ganz heller Urin sei ein Zeichen dafür, erklärt Chefarzt Klamann, dass man zu viel getrunken habe. "Ist der Urin eher dunkel gefärbt, sollte man etwas mehr trinken."
Senioren und Kinder besonders gefährdet
Ältere Menschen und Kinder sind im Sommer besonders gefährdet. Vor allem die älteren Menschen empfinden weniger Durst und vergessen deshalb das Trinken - das kann gerade an heißen Sonnentagen schlimme Folgen haben. Kinder haben zwar Durst, aber beim Toben im Freien gerät das Trinken schnell in Vergessenheit. Deshalb sollten Eltern zu Hause und auch die Kindergärten dafür sorgen, dass die Kleinen immer genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Das gilt nach Empfehlung der Experten auch für die Schule. Dort ist das Trinken während des Unterrichts selbst an heißen Tagen häufig nicht selbstverständlich und manchmal sogar untersagt. Flüssigkeitsmangel ist nicht nur ungesund, sondern behindert auch das Denken.
Vorsicht bei Herzkrankheiten
Besonders auf die Flüssigkeitszufuhr sollten zudem Menschen achten, die wegen Herz- und Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Bei ihnen ist das Risiko höher Schwindelanfälle, einen Kreislaufkollaps, Rhythmusstörungen oder Muskelkrämpfe zu bekommen. Prof. Thomas Wendt, Ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums in Bad Nauheim und Mitglied des Beirats der Deutschen Herzstiftung rät auch Personen, die wegen einer Herzschwäche normalerweise nicht so viel trinken dürfen dazu, an heißen Tagen ihre Trinkmenge etwas zu steigern. Wer, was die ideale Trinkmenge angeht unsicher ist, der sollte mit seinem Arzt darüber sprechen.
Was der Körper durchs Schwitzen verliert
Bei sommerlichen Temperaturen gehen über das vermehrte Schwitzen große Mengen an Kochsalz, Magnesium und anderen Elektrolyten verloren. Die müssen dem Körper wieder zugeführt werden. Am besten geschieht das mit Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen. Bei Hitze rät Ernährungsexpertin Anja Krumbe zu Mineralwässern mit hohem Gehalt an Natrium und Magnesium, da der Körper vor allem diese Mineralstoffe über den Schweiß verliert. Empfohlen werden Wässer mit einem Natriumgehalt ab etwa 200 mg Natrium pro Liter. Außer Patienten, die einen schwer einstellbaren Blutdruck haben, kann man an Tagen, an denen man viel schwitzt auch über Gemüsebrühen den hohen Kochsalzverlust ausgleichen, erklärt Prof. Wendt.
Die Menge an Mineralstoffen, die dem Körper zugeführt werden, sollte sich aber immer an der Belastung, der er ausgesetzt ist gemessen sein. „Unsere Nieren schieben Salze hin und her – und nicht Wasser“, erläutert Dr. Klamann. Um das Elektrolyte-Depot aufzufüllen, reiche normalerweise Leitungswasser. Wer aber besonders stark schwitzt, weil er zum Beispiel Sport treibt, der sollte auf stärkere mineralhaltige Getränke zurückgreifen.
Tees nur bedingt geeignet
Ein Zuwenig an Mineralien kann den Salzhaushalt des Körpers aus dem Lot bringen. Darum sind destilliertes Wasser oder ausschließlich Tees weniger geeignet. Es kann sogar schädlich sein, zu viel mineralstoffarmes Wasser zu trinken. Das kann zu einer so genannten Wasservergiftung führen. Das mineralarme Wasser nimmt dann lebenswichtige Salze auf und spült sie aus dem Körper „Das kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis hin zum Koma führen“, erklärt Dr. Klamann weiter. Dennoch bestehen keine Bedenken, Wasser aus dem Hahn zu trinken. Von der Wasserqualität her testete Öko-Test schnitten manche stille Mineralwässer hingegen schlecht ab. Sie enthielten Pestizide, giftiges Uran oder Keime.
Wer auf Wasser aus dem Hahn zurückgreift, der sollte bei starkem Mineralstoffverlust allerdings darauf achten, dass es - so empfehlen es die Experten vom Forum Trinkwasser e.V., Tee leicht zu salzen oder mal eine Gemüsebrühe zwischendurch zu trinken.
Wenig geeignet sind zudem alkoholische Getränke, um das Flüssigkeitsdepot wieder aufzufüllen. Zwar löscht ein kühles Bier kurzfristig den Durst, langfristig wird dem Körper aber Flüssigkeit entzogen. Kühle Getränke zischen zwar durch die heiße und trockene Kehle, doch empfehlen die Experten sie nicht zu kalt zu genießen. Der Körper versucht dann nämlich die verlorene Wärme durch eine gesteigerte Wärmeproduktion wieder auszugleichen. Der Effekt: Man schwitzt noch mehr.
Wie viel Sportler trinken sollten
Sportlich aktiven Menschen, empfiehlt Dr. Ernst Jakob, Internist der Sportklinik Hellersen, der auch die Frauen-Nationalmannschaft betreute, um gut hydriert zu sein, 15 Minuten vor dem Sport etwa einen halben Liter Wasser zu trinken. Nach dem Sport sollte man die Menge Flüssigkeit trinken, die man verloren hat plus 50 Prozent. Für eine sportliche Belastungsdauer von bis zu einer Stunde ist Trinkwasser die richtige Wahl. Wer länger trainiert kann auf Schorlen zurückgreifen. Im richtigen Verhältnis gemischt - eins (Fruchtsaft) zu drei (Wasser) - zählt auch Apfelschorle zu den isotonischen Getränken. Diese treten besonders schnell vom Verdauungstrakt ins Blut über, gleichen den Flüssigkeitsverlust beim Sport optimal aus und liefern Energie.
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