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Neurodermitis
  Foto: DHA e.V.
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Ein Leben mit dem Cremetigel: Neurodermitis - wenn die Sonne juckt

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 20:06

Mönchengladbach/Euskirchen (PRO). Das Thermometer klettert auf 30 Grad. Freude für alle, aber nicht für die fünfjährige Anni. Sie bekommt Pickelchen, ihre Haut wird rot und entzündet sich. Die Sonne sorgt bei dem Mädchen für den nächsten Schub. Die Fünfjährige zählt nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Dermatologen zu den rund zwei Prozent der Bevölkerung, die an Neurodermitis erkrankt sind.

Wetterbedingungen, die wie in diesem Jahr einen ständigen Wechsel zwischen höheren und niedrigeren Temperaturen liefern, sorgen bei Neurodermitikern dafür, dass die Haut Amok läuft. Wenn andere Kinder sich bei schönem Wetter in Bikini oder Badeanzug ins Planschbecken stürzten, dann ist auch Anni mit dabei. Doch ihre Haut schafft den schnellen Wetterwechsel von kalt auf warm oder umgekehrt nicht. Denn ihre Haut ist krank. Ein Leben lang.

Heilung gibt es nie

Chronisch entzündliche Hauterkrankungen wie Neurodermitis aber auch Psoriasis stellen für Betroffenen eine starke seelische und körperliche Belastung dar. Eine Heilung dieser Hautkrankheiten ist nicht möglich. Die lebenslange Therapie kann lediglich Linderung für die juckende, trockene oder schuppige Haut bringen. Menschen mit so genannten atopischen Hauterkrankungen schmieren ihre Haut mit dem ein, was sie selbst nicht ausreichend produziert. Je nach Jahreszeit und Witterung kann das Fett sein, aber auch Feuchtigkeit ist wichtig. Manchmal müssen entzündungshemmende, antibakterielle oder pilzhemmende Cremes oder Salben her.

Info

Sonnenschutz übers Handy

Egal ob in Düsseldorf, Dinslaken oder Rom. Per SMS kommt innerhalb weniger Sekunden ein Service aufs Handy, der genau und individuell den passenden Sonnenschutz für den aktuellen Tag durchgibt. Der Berufsverband Deutscher Dermatologen hat zusammen mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt diesen satellitengesteuerten Service entwickelt. Einmal online angemeldet kann man ihn von überall aus nutzen. Ausgewertet werden neben dem individuellen Hauttyp auch Daten zur Ozonschicht und zur Sonneneinstrahlung. Abonieren kann man den Dienst unter: www.uv-check.de

Die Liste der von der Pharma- und Kosmetikindustrie angebotenen Produkte ist lang. Aber die individuelle Verträglichkeit dieser Pflege- und Akutpflegecremes sind sehr unterschiedlich. "Wichtig ist es für den Neurodermitiker darauf zu achten, dass Pflegeprodukte möglichst wenige Duft- und Konservierungsmittel enthalten", rät Dr. Rolf Ostendorf, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen NRW, gegenüber unserer Redaktion. Aus der Praxis allerdings weiß er, dass darauf nicht immer verzichtet werden kann, denn guter Duft wird bevorzugt. Er rät klar von pflanzlichen Produkten ab, die häufig sogar als Alternative zu cortisonhaltigen Salben angeboten werden. Diese solle man aus allergologischer Sicht meiden. Ähnlich wie der Wirkstoff Bufexamac können sie stark allergieauslösend sein. Aus diesem Grund wurde jüngst auch der lange weitverbreitete Wirkstoff vom Markt genommen.

UVA-Licht hat heilende Wirkung

Auf Dauer könnte die Sonne der erkrankten Haut sogar helfen zu heilen, würde nicht der Wetterwechsel zunächst einen weiteren Entzündungsschub der Haut auslösen. Denn die langwelligen UVA-Strahlen der Sonne wirken sich positiv auf die Haut aus. In Maßen haben sie eine antibakterielle Wirkung und lassen akute Entzündungen leichter abheilen, da sie die Entzündungszellen hemmen, mit denen Neurodermitiker mehr als jeder andere ausgestattet sind.

Das, was dauerhaft helfen würde den furchtbaren Juckreiz auf der Haut zu nehmen – die Sonne nämlich, führt indirekt bei vielen Atopikern erst einmal zur Verschlechterung des Hautbildes. Der Grund: Wer in der Sonne sitzt, der schwitzt. Schweiß kann bei Menschen mit empfindlicher und kranker Haut allerdings schon ein Reiz sein, der in den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen führt. Durch das Kratzen wird die Haut geschädigt, an offenen Hautstellen treten noch mehr Bakterien und Keime ein. Der Entzündungskreislauf ist dann fast nicht mehr zu stoppen.

Meist hilft in solchen Fällen nur noch eine kortisonhaltige Creme, die auch antibakterielle oder pilzabtötende Inhaltsstoffe hat. "Im akuten Schub ist es allerdings immer wichtig, den Fachmann draufschauen zu lassen. Nur er kann erkennen, was zu dem Hautbild geführt hat und kann individuell helfen", betont Dr. Rolf Ostendorf.

Pflegekonzept in Stufen nötig

Neurodermitis sieht nicht immer gleich aus – es können vor allem die Beugen – also Armbeugen oder Kniekehlen betroffen sein, aber in schwererer Ausprägung prinzipiell jedes Stück Haut am Körper. Die Hauterkrankung tritt schubweise auf. Flecken in den Halsfalten, Risse hinter den Ohren, Haut, die sich wie Schmirgelpapier anfühlt - all das können Zeichen einer Neurodermitis sein. Wichtig für Menschen, die eine solche Hautproblematik aufweisen ist, ein gutes Pflegekonzept an der Hand zu haben. Ihre äußere Hülle braucht ständig Pflege und nicht nur im akuten Schub ein darüber gelagertes medizinisches Pflegekonzept. "Natürlich geben wir Dermatologen unseren Patienten Tipps und Hilfestellungen an die Hand", erklärt Dr. Rolf Ostendorf. Doch unter den momentanen Bedingungen im Gesundheitswesen könnten die dermatologischen Praxen mehr nicht leisten.

Hilfe muss der Hautkranke also in der Apotheke suchen und hoffen, dass der Apotheker Rat und ein mehrstufiges Pflegekonzept an der Hand hat. Zumindest erhält man dort mit ein bisschen Glück Proben, die einen davon entbinden große Mengen Creme zu kaufen, die man am Ende nicht verträgt. Viele Apotheken nehmen allerdings auch Pflegeprodukte zurück, wenn sie nicht vertragen werden. Denn in der Praxis zeigt sich, dass Probieren über Studieren geht. Das Produkt, das für die fünfjährige Anni ein Segen ist, kann für ihre siebenjährige Schwester Leoni trotz der direkten Verwandtschaft ein Fluch sein.

Wann und in welcher Ausprägung ein Mensch eine kranke Haut bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Allergene, Nahrungsmittel, Umweltgifte, chemische Einflüsse, Klimafaktoren, mechanische Reize, Infekte oder Stress können Neurodermitis auslösen und verstärken.

Was die Haut noch empfindlicher macht

Vorsicht ist bei der Einnahme verschiedenster Medikamente geboten. Ein Blick in den Beipackzettel empfiehlt sich, bevor man sich der Sonne aussetzt, denn viele Arzneimittel oder auch Medizinische Cremes und Salben können die Haut noch empfindlicher machen. Immunsuppressiva zum Beispiel sorgen dafür, dass das überaktive Immunsystem herabgesenkt wird. Die Sonneneinstrahlung kann diesen Effekt verstärken. Photosenibilisierend wirken Teerprodukte, manche Antibiotika, Rheumamittel, Chemotherapeutika, Antidepressiva, in denen Johanniskraut enthalten ist oder auch entwässernde Mittel.

 


 
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