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Urologen klären auf: Peniskrebs – Männer kennen Ursachen nicht

zuletzt aktualisiert: 17.01.2012 - 18:28

Hamburg (RPO). Hygienefaktoren stehen in engem Zusammenhang mit der Erkrankung Peniskrebs. Fakten, die den Umgang mit dieser Krankheit alles andere als erleichtern. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie setzt auf Aufklärung, um diese Krebsart möglichst frühzeitig zu erkennen.

Es gibt noch Tabus in Deutschland. Das Peniskarzinom gehört zweifelsohne dazu. Unwissenheit und schamhaftes Schweigen haben Folgen: Peniskrebs wird oft erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert. Dann drohen Teilamputation oder Amputation des erkrankten Organs. Aufgrund der geringen Fallzahlen hierzulande finden die betroffenen, meist älteren Patienten wenig öffentliche Aufmerksamkeit.

Es sind nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft rund 600 Männer in Deutschland, die in jedem Jahr die niederschmetternde Diagnose erhalten. Das höchste Erkrankungsrisiko liegt bei etwa 60 Jahren.

Mangelnde Hygiene als Auslöser

"Wenngleich die Ursachen noch weitgehend unerforscht sind, gibt es bekannte Risikofaktoren, die wir allen Männern bewusst machen möchten", sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urlologie (DGU), Prof. Dr. Oliver Hakenberg. So tritt die Erkrankung häufiger bei Männern auf, die unter einer Vorhautverengung (Phimose) leiden. Diese verhindert das komplette Zurückschieben der Vorhaut und erschwert die Genitalhygiene, so dass chronische Entzündungen entstehen können, die die Entstehung von Tumoren begünstigen.

Auch Infektionen mit dem sexuell übertragbaren Humanen Papilloma-Virus (HPV) und Genitalwarzen sind mit Peniskrebs assoziiert; einige Formen des Peniskarzinoms werden durch HPV ausgelöst. Darüber hinaus gelten ultraviolette Strahlung und Tabakkonsum als Risikofaktoren. Wichtig: Symptome wie Hautveränderungen, Verhärtungen oder Schwellungen an Eichel oder Vorhaut, Ausfluss oder Blutungen aus dem Penis sollten ernst genommen werden.

Selbstuntersuchung hilfreich

"Selbstbeobachtung und die jährliche gesetzliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Urologen ab dem 45. Lebensjahr können dazu beitragen, ein Peniskarzinom früh zu entdecken. Dann sind die Heilungschancen gut und es kann organerhaltend operiert werden", so der Rostocker Urologe. Bei fortgeschritteneren Tumoren ist je nach Ausdehnung eine teilweise oder komplette Amputation des Penis erforderlich, was erhebliche psychische Belastungen, aber auch Probleme etwa beim Wasserlassen und der Sexualfunktion nach sich zieht. Sind Metastasen in den Leistenlymphknoten vorhanden, werden diese entfernt und eine zusätzliche Chemotherapie ist notwendig.

Beschnittene Männer weniher häufig betroffen

Zur Prävention des Peniskarzinoms ist vor allem eine gute Genitalhygiene angezeigt, die bei Männern mit Phimose gegebenenfalls eine Beschneidung, das heißt die Entfernung der verengten Vorhaut, erfordert. Prof. Hakenberg: "Beschnittene Männer haben ein niedrigeres Risiko, ein Peniskarzinom zu entwickeln, weshalb in Ländern oder Kulturkreisen, in denen Beschneidungen im Kindesalter üblich sind, Peniskrebs seltener auftritt. Allerdings trägt dazu auch der Umstand bei, dass sich viele Peniskarzinome am inneren Teil der Vorhaut bilden, welche ja bei einer Beschneidung entfernt wird."

Eine HPV-Impfung für Jungen wurde zwar diskutiert, ist nach Einschätzung des DGU-Generalsekretärs aufgrund der geringen Häufigkeit des Peniskarzinoms und der nicht für alle Formen geltenden Assoziation mit HPV nicht sinnvoll und aufgrund der derzeitigen Datenlage im Rahmen der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts auch nicht zu erwarten.

Blick in die Zukunft

Es mangelt an standardisierten Behandlungs-Schemata und Studienkonzepten für neue Therapien, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Darum setzen die Urologen nun auf intensive Aufklärung und ein bundesweites Peniskarzinomregister, das mehr klinische Forschung initiieren und Therapiefortschritte generieren soll.

"Der Erfolg unseres nationalen Peniskarzinomregisters hängt von einer umfassenden Daten-Dokumentation und damit vom Engagement aller behandelnden Urologen ab", appelliert DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. Das Register unter der Leitung von Prof. Hakenberg wurde vor zwei Jahren von der Urologischen Klinik und Poliklinik der Medizinischen Universitätsklinik Rostock in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft eingerichtet. Ziel ist es, anhand aller relevanten Daten über Diagnostik, Therapie und Krankheitsverläufe möglichst vieler Patienten, Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten der unterschiedlichen Behandlungsstrategien zu ziehen und neue Therapien für das Peniskarzinom zu entwickeln.

Quelle: wat/chk

 
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