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Krebshilfe startet große Studie: Was Sie über Prostata-Krebs wissen sollten

zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 14:57

Düsseldorf (RPO). Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Die Deutsche Krebshilfe hat deswegen nun das größte Forschungsprojekt zur Behandlung der gefährlichen Krankheit ins Leben gerufen. Wir beantworten sieben Fragen zum Thema.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken pro Jahr 67.600 Männer an Prostatakrebs – drei Prozent der Patienten sterben daran. Das Problem: Prostatakrebs wird häufig erst entdeckt, wenn sich Karzinome in anderen Organen gebildet haben. Vorsorgeuntersuchungen könnten das Sterberisiko vermindern. Viele Männer wissen jedoch wenig über die tückische Krankheit.

Was ist Prostatakrebs?

Die etwa kastaniengroße Prostata ist eine Geschlechtsdrüse, die ein Teil des Spermas produziert. Sie liegt beim Mann unterhalb der Harnblase. Die Ursachen der Krebserkrankung dieses Organs sind bis dato weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass Umweltbedingungen und  Ernährung die Erkrankung beeinflussen. So haben Mediziner der Universität von Lund herausgefunden, dass das Erkrankungsrisiko um 40 Prozent steigt, wenn Männer regelmäßig zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu sich nehmen. Des weiteren wird als Ursache das Geschlechtshormon Testosteron vermutet, aber aber auch Vorerkrankungen in der Familie spielen offenbar eine Rolle.

Trifft Prostatakrebs nicht meistens ältere Männer?

Es ist richtig, dass Prostatakrebs häufig im Alter - etwa ab dem 70. Lebensjahr - auftritt. Weniger als 10 Prozent aller Patienten haben aber laut Untersuchungen der Techniker Krankenkasse das 60. Lebensjahr noch nicht überschritten. Weil die Krankheit erst in einem Stadium schmerzhafte Symptome zeigt, in dem sich schon Metastasen gebildet haben, werden in Deutschland Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen.

Durch welche Symptome kann sich eine Erkrankung äußern?

Erste Anzeichen für Prostatakrebs können Probleme beim Wasserlassen, ein schwächerer Harnstrahl sowie häufiges und nächtliches Urinieren sein. Diese Merkmale treten allerdings gleichermaßen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung als auch bei einem bösartigen Prostatageschwulst auf. Zeigen sich allgemeine Gesundheitsprobleme, unerklärlicher Gewichtsverlust, Leistungsminderung oder Blutarmut, ist die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung größer. Mitunter werden auch Blut oder Samenflüssigkeit im Urin beobachtet oder Probleme beim Stuhlgang.

Wie wird Prostatakrebs behandelt?

Die Heilungschancen stehen nach Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft in Frankfurt bei frühzeitiger Erkennung für 90 Prozent der Männer gut. Es kommen vier Behandlungswege infrage: das operative Entfernen der Prostata, die Bestrahlung von außen, die Behandlung des Tumors mittels dauerhaft in der Prostata platzieren Strahlenquellen, die sogenannte Brachytherapie, oder die aktive Überwachung mit regelmäßigen Kontrollen und der Einleitung weiterer Therapieschritte bei Fortschreiten der Krankheit.

Müssen Patienten mit Inkontinenz und Impotenz rechnen?

Etwa 16 Prozent der Männer leiden laut einer Studie der Barmer GEK nach einer Prostata-OP unter einer dauerhaften Inkontinenz. Das passiert dann, wenn der Schließmuskel während der Operation geschädigt wird. Auch Impotenz kommt häufig nach einem Eingriff vor. Laut Barmer GEK Krankenhausreport klagen 70 Prozent der Patienten nach einer OP über Erektionsprobleme, 53 Prozent hatten weniger Interesse an Sex.

Wie sinnvoll ist eine regelmäßige Vorsorge?

Mediziner raten dringend zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Das gilt für Männer ab dem 45. Lebensjahr. Der Arzt tastet dabei mit dem Finger vom Enddarm aus die Prostata ab. Möglich sind auch Ultraschalluntersuchungen oder Gewebeproben. Für den Patienten ist die Gewebeentnahme zwar unangenehm, aber fast schmerzlos. Es kann allerdings sein, dass anschließend leichte Probleme beim Wasserlassen auftreten. Zusätzlich bieten viele Ärzte auch noch den sogenannten PSA-Test an, bei denen das Blut auf das prostataspezifische Antigen (PSA) untersucht wird. Dieser ist allerdings eine Privatleistung.

Wo können sich Männer informieren?

Die Deutsche Krebshilfe informiert in einem umfangreichen Ratgeber zum Thema Protstatakrebs. Führende Experten in der Krebsbehandlung können zudem in der "RP Ratgeber"-Veranstaltung "Im Team gegen den Krebs" persönlich zu den verschiedenen Behandlunsgmethoden befragt werden.

Was passiert in der neuen Studie?

In der bis 2030 laufenden Studie sollen die vier Behandlungsoptionen hinsichtlich ihrer Effektivität, der Nebenwirkungen und ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen verglichen und bewertet werden. Bisher gebe es keine beweiskräftigen Daten, ob eine der vier Alternativen "der anderen überlegen, unterlegen oder tatsächlich gleichwertig ist", erklärte der zweite Studienleiter Michael Stöckle. Die Patienten müssten bislang ihrer eigenen Intuition folgen oder der Intuition des Therapeuten vertrauen. Erstmals werde nun wissenschaftlich untersucht, von welchem Behandlungsweg "die betroffenen Männer am meisten profitieren und welche Methode für die Patienten am wenigsten belastend ist", erklärte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. An der Studie sind demnach rund 1000 niedergelassene Urologen und Strahlentherapeuten sowie mindestens 90 Prüfzentren beteiligt. Die Kosten von rund 25 Millionen Euro teilen sich die Deutsche Krebshilfe sowie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen.

Quelle: anch/sgo/anch/csi
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