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Tückische Gürtelrose: Angst vor tödlichem Virus ist unbegründet

VON ALEXANDRA BÜLOW - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012 - 07:14

Düsseldorf (RPO). Etwa 350.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Herpes zoster, der Gürtelrose. Sie tritt ausschließlich bei Menschen auf, die früher Windpocken hatten. Gürtelrose sollte so früh wie möglich behandelt werden, um das Risiko von chronischen Nervenschmerzen zu mindern.

Es beginnt oft mit einem leichten Juckreiz am Rücken, an der Brust oder unter den Rippen. Nervig, aber nicht dramatisch. Das wird es allerdings, sobald es an der betroffenen Stelle brennt, sticht, schneidet. Nach etwa drei Tagen gesellen sich Bläschen und Pusteln auf der Haut hinzu, die sich auf einer Seite des Rumpfs oder Brustkorbs wie ein Band ausbreiten. Spätestens dann ist die Diagnose klar: Herpes zoster, im Volksmund Gürtelrose genannt.

Eine Gürtelrose tritt nur bei Menschen auf, die früher Windpocken hatten. Das seien im Erwachsenenalter weit mehr als 90 Prozent der Menschen. Denn ausgelöst wird die Krankheit laut dem Deutschen Grünen Kreuz (DGK) in Marburg vom Varizella-Zoster-Virus, das auch zu Windpocken führt. An Gürtelrose erkranken nach Angaben des DGK jährlich rund 350.000 Menschen.

Info

Impfen schützt

Wer noch keine Windpocken hatte, sollte sich impfen lassen. Die Ständige Impfkommission des Robert- Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt die Windpockenimpfung im Kindesalter, sie könne aber jederzeit nachgeholt werden. Für Frauen mit Kinderwunsch gilt das erst recht, denn Windpocken können das Ungeborene schädigen. Auch eine Impfung gegen Gürtelrose ist theoretisch möglich. Der Impfstoff Zostavac ist zugelassen, aber noch nicht verfügbar.

Einige Ängste vor dem Virus sind dabei unbegründet: „Der Mythos, dass man stirbt, wenn der Bläschengürtel den Rumpf komplett umschließt, ist völliger Blödsinn“, sagt Uwe Meier, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Neurologen in Düsseldorf.

Das Virus geht raffiniert vor: Gelangt es zum ersten Mal in den Körper, erkrankt dieser an Windpocken. Ist der Betroffene wieder gesund, ist das Virus aber nicht verschwunden, sondern wandert in die Nervenwurzeln des Rückenmarks. In diesen Ganglien bleiben die Viren ein Leben lang. „Sie sind in einem Ruhezustand und lösen keine Symptome aus“, erklärt Andrea Grüber vom DGK.

Das kann sich jedoch ändern. Ist das Immunsystem geschwächt, etwa durch Krankheiten, nach Operationen oder in Stresssituationen, können die Viren wieder aktiv werden. Das Risiko steigt laut DGK mit zunehmendem Alter, da die Abwehr dann schwächer werde. „Die Viren verursachen plötzlich wieder eine Entzündung entlang der Hautsegmente, die von diesen Nerven versorgt werden. Daher ziehen sich die Schmerzen und Bläschen entlang dieses Nervs“, ergänzt Meier. Die Bläschen sind nicht nur ein unschöner Anblick: „Sie enthalten Varizella-Zoster-Viren, die durch direkten Kontakt mit dem Bläscheninhalt übertragen werden können. Menschen, die noch keine Windpocken hatten, können sich anstecken und an Windpocken erkranken“, erläutert Grüber. Klaus Doubek vom Berufsverband der Frauenärzte warnt daher Frauen, die noch keine Windpocken hatten: „Beim Kontakt mit Gürtelrose- Patienten ist darauf zu achten, dass die betroffenen Hautstellen sorgfältig abgedeckt sind.“ Wie der Berufsverband Deutscher Neurologen mitteilt, ist die Infektionsgefahr erst vorbei, wenn die Bläschen zu Schorf werden. Nach Angaben des DGK trocknen sie innerhalb von einer Woche bis zwölf Tagen aus, nach etwa drei Wochen sei die Haut abgeheilt.

Patienten nehmen etwa eine Woche Tabletten. „Es wird ein Virostatikum gegeben, das Wirkstoffe wie Aciclovir, Brivudin oder Faciclovir enthält. Damit wird das Virus eingedämmt und das Ausmaß der Krankheit gebremst“, erklärt Meier. „Das kann äußerlich unterstützt werden durch schmerzlindernde Salben.“

Ins Bett gehört der Patient nicht zwangsweise. „Das kommt darauf an, ob er sich krank fühlt“, sagt der Experte Meier. Den meisten Betroffenen machen allerdings die Hautschmerzen zu schaffen. „Reize werden intensiver wahrgenommen.

Die kleinste Berührung kann eine Tortur sein“, so der Neurologe. Manch einer leidet darunter noch Wochen oder Monate nach Abklingen der Gürtelrose – eine Post-Zoster- Neuralgie. „Die Haut ist intakt, aber der Nerv kann geschädigt sein, sogar das gesamte schmerzverarbeitende System kann sich verändern.“

Man verschreibt Medikamente, die auch bei Epilepsie und Depressionen gegeben werden. Sie beeinflussen die Übererregung der Nerven oder unterbrechen die Schmerzweiterleitung zum Hirn. „Man muss die richtige Dosis für den Patienten finden, und die Medikamente wirken erst mit der Zeit. Das kann für Betroffene belastend sein“, sagt Meier. Auch Pflaster mit Lidocain können für eine lokale Schmerzlinderung eingesetzt werden. Doch je eher eine Gürtelrose behandelt werde, desto besser stehen die Chancen, chronische Nervenschmerzen zu verhindern.

Bei zehn Prozent der Patienten beschränkt sich die Krankheit laut DGK nicht auf den Rumpf, sondern tritt am Auge, am Ohr oder in den inneren Organen auf. „Nerven gibt es im ganzen Körper, daher können die Varizella-Zoster-Viren in alle Nervenwurzeln wandern und eine Herpes-Zoster-Infektion auslösen. Das betrifft meist Menschen mit einer stark geschwächten Abwehr“, erklärt de Neurologe Meier. Auch sie werden mit einer antiviralen Therapie behandelt, meistens per Infusion.

Eine gute Nachricht noch am Schluss: Eine Gürtelrose kann zwar theoretisch immer wieder auftreten – die meisten Menschen erkranken laut Auskunft des Deutschen Grünen Kreuzes jedoch nur einmal im Leben daran.

Quelle: chk/rm

 
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