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Warnung vor Gesundheitsschäden: Anti-Falten-Spritzen trotz PIP-Skandals begehrt

zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 17:25

Paris (RPO). Das Geschäft um die Schönheit boomt. Oobwohl der Skandal um französische Billig-Brustimplantate die Risiken des Schönheitswahns aufgezeigt hat. Ungefährlich sind aber auch die beliebten Anti-Falten-Spritzen nicht.

"Ich will lebendige Gesichter sehen und keine Masken", sagt die US-Schauspielerin Julianne Moore, die mit 51 Jahren Botox-Spritzen ablehnt. Doch jenseits der 40 greifen viele Frauen und auch Männer zu Anti-Faltenspritzen, um sich ein jugendlich glattes Gesicht zu erhalten. Auf 750 Millionen Euro schätzen Schönheitschirurgen und Hautärzte allein den Umsatz mit dem Nervengift Botox im Jahr 2010.

Unterschied zwischen Botox und Hyaluronsäure

Im Gegensatz zu anderen Faltenfüllern gilt Botox als Arzneimittel. Damit unterliegt es strengeren Kontrollen als beispielsweise "Filler", die auf der Basis von Hyaluronsäure hergestellt werden. Bei solchen Medizinprodukten unterzieht sich der Hersteller einem sogenannten Konformitätsbewertungsverfahren, das auch nur aus einer Unterschrift bestehen kann, und erhält dann das CE-Siegel.

Nach dem Skandal um minderwertige Silikonkissen der französischen Firma PIP fordern Experten generell für Medizinprodukte strengere Kontrollen. Denn nicht nur bei den Implantaten, sondern auch bei den Anti-Falten-Spritzen kann es zu Pannen kommen. So stoppte die französische Behörde Afssaps im Oktober die Produkte des französischen Herstellers Choc Medical, nachdem in einer Charge des Hyaluron-Produkts Hyalskin ein hoher Gehalt an schädlichem Endotoxin gefunden wurde.

Warnung vor Faltenfüllern aus dem Internet

Gefährlich ist auch eine Bestellung der "Filler" über das Internet. Im Frühjahr 2010 gab das hessische Gesundheitsministerium eine Warnung vor im Netz vertriebenen Fälschungen des häufig verwendeten Produktes Restylane heraus. Vor einer Internet-Bestellung von Billigprodukten aus Asien warnt auch der Generalsekretär des Berufsverbandes der deutschen Dermatologen, Klaus Fritz. "Gesundheitsschäden bei Produkten mit dem CE-Zertifikat sind dagegen eher selten."

Die Gefahren bei Anti-Falten-Spritzen

Besonders gefürchtet sind bei Frauen, die sich eine Anti-Falten-Spritze setzen lassen, Gewebeverhärtungen. Diese treten besonders häufig bei Faltenfüllern auf, die kleine Kunststoffkügelchen enthalten. Solche Produkte wirken zwar dauerhaft, dafür können aber noch nach Jahren Spätfolgen auftreten, da die Stoffe nicht im Körper abgebaut werden. Die Mittel würden allerdings nur noch selten verabreicht, versichert Fritz.

Injektionen mit Flüssigsilikon sind in Deutschland ganz verboten.
Spritzen kann die Faltenfüller in Deutschland jeder Arzt, das heißt theoretisch auch ein Orthopäde oder Psychiater. Außerdem ist es auch Heilpraktikern erlaubt, Anti-Falten-Spritzen zu setzen. Kosmetikerinnen werben ebenfalls manchmal mit Injektionen für glatte Haut. "Das ist aber nicht zulässig", mahnt Fritz.

Trotz Gesundheitsrisiken wächst der Schönheitsmarkt

Doch am boomenden Markt der Anti-Falten-Industrie wollen möglichst viele verdienen. 520 Millionen Euro wurden 2010 nach den Expertenschätzungen allein mit "Fillern" auf Basis von Hyaluronsäure umgesetzt, einer gelartigen Masse, die aus Hahnenkämmen gewonnen werden kann. Bis zu 500 Euro nimmt ein Hautarzt wie Fritz für eine Spritze, die etwa ein Jahr hält. In Frankreich werden nach Angaben der Kontrollbehörde Afssaps 600.000 solcher Injektionen pro Jahr verabreicht. Wie viele es in Deutschland sind, ist nicht bekannt.

Auch der Gründer der Brustimplantate-Firma PIP, Jean-Claude Mas, wollte offenbar ein Stück vom Kuchen der Anti-Falten-Industrie abbekommen. Er experimentierte nach Angaben eines früheren Angestellten in Spanien mit Spritzen auf Hyaluronsäure-Basis. Wie weit Mas damit kam, ist nicht bekannt.

Auf alle Fälle haben die dunklen Geschäfte des 72-jährigen PIP-Gründers der Schönheitsmedizin nicht geschadet. Die Branche habe im vergangenen Jahr ein Wachstum um 10,1 Prozent erzielt, teilten die europäischen Schönheitschirurgen und Dermatologen am Freitag anlässlich ihres Jahreskongresses in Paris mit. Das Geschäft mit der Schönheit boomt.

Quelle: AFP

 
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