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Fibromyalgiesyndrom: Bewegung hilft gegen Schmerz in den Gliedern

VON CARINA FREY - zuletzt aktualisiert: 05.01.2013 - 15:18

Saarbrücken (RPO). Schmerzen an vielen Stellen des Körpers, ohne dass sich dafür eine organische Ursache finden lässt: Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom haben oft eine jahrelange Arzt-Odyssee hinter sich, bis die Diagnose feststeht. Sport scheint ein wirksames Mittel zur Linderung zu sein.

Sie sind nicht verrückt. Und sie bilden sich ihren Schmerz nicht ein. Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom (FMS) sind zwar organisch gesund. Das ändert aber nichts daran, dass ihr Körper an den verschiedensten Stellen schmerzt: am Rücken, den Armen und Beinen, am Bauch. Die Weltgesundheitsorganisation führt das FMS als Krankheit auf. Heilen lässt es sich nicht. Die Betroffenen können aber einiges tun, um besser mit den Schmerzen klar zu kommen. Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle.

In den westlichen Industrieländern leiden rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an dem FMS. Meistens trifft es Frauen im mittleren Alter, heißt es in der kürzlich aktualisierten Leitlinie zum Fibromyalgiesyndrom, die Ärzten Behandlungsempfehlungen gibt. Die Krankheit setzt in der Regel schleichend ein. "Manche Betroffene hatten schon als Kinder häufiger Schmerzen", sagt Winfried Häuser von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie. Häufig schmerzt am Anfang nur ein Körperteil. Erst nach und nach breite sich der Schmerz über den weiteren Körper aus.

Spritzen gegen die Schmerzen

Der schleichende Verlauf ist ein Grund dafür, dass das Fibromyalgiesyndrom häufig erst nach Jahren diagnostiziert wird. "Bei vielen Betroffenen schmerzt am Anfang das untere Kreuzbein. Dann geht man zum Arzt, bekommt eine Spritze, und das hilft erstmal", erzählt Margit Settan, Vorsitzende der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung in Seckach (Baden-Württemberg). "Irgendwann werden die Schmerzabstände geringer, die Spritze hilft nicht mehr, und der Schmerz tritt an mehr Körperstellen auf."

In der Vergangenheit habe es im Schnitt sieben bis neun Jahre gedauert, bis Patienten die Diagnose Fibromyalgiesyndrom bekamen. Jahre, in denen sie von einem Facharzt zum nächsten gingen, weil ihnen keiner die Schmerzen nehmen konnte. Heute bekämen Betroffene im Schnitt nach drei bis fünf Jahren die richtige Diagnose.

Damit das noch schneller geht, müssen sich Patienten öffnen. "Beim Fibromyalgiesyndrom ist es besonders wichtig, dass der Patient beim Arzt alle Beschwerden schildert", erklärt Häuser, der am Klinikum Saarbrücken arbeitet. Dazu gehören neben den Schmerzen zum Beispiel auch Schlafstörungen, Erschöpfung oder seelische Beschwerden wie Unruhe und Niedergeschlagenheit.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte den Arzt darauf hinweisen. Die diffusen Schmerzen können eine Nebenwirkung bestimmter Arzneien sein, etwa der weit verbreiteten Cholesterinsenker, sagt Bernhard Arnold von der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Über eine Laboruntersuchung des Blutes lässt sich klären, ob der Schmerz körperliche Ursachen hat und zum Beispiel auf eine rheumatische Erkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion zurückzuführen ist. Das FMS lässt sich durch solche Untersuchungen nicht nachweisen. Der Arzt schließt lediglich aus, dass die Schmerzen andere Ursachen haben.

Das Fibromyalgiesyndrom ist nicht heilbar. Treten die Schmerzen auf, bleiben sie in der Regel ein Leben lang. Angst vor Invalidität oder einem vorzeitigen Tod müssen Betroffene aber nicht haben. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern: Menschen mit einer leichten Form des FMS empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Bewegung. "Es ist egal, ob die Patienten Samba tanzen, an Fitnessgeräten trainieren oder walken. Wichtig ist, dass sie Spaß dabei haben", sagt Arnold, der an der Schmerztagesklinik am Klinikum Dachau tätig ist. Nur so bleiben sie regelmäßig dabei. Um einen Trainingseffekt zu haben, sollten sich die Betroffenen dauerhaft zwei- bis dreimal pro Woche bewegen.

Bei schweren Formen des FMS rät die Leitlinie ebenfalls zu leichtem Ausdauer-, Funktions- oder Krafttraining und Sportarten wie Tai Chi oder Yoga. Empfehlenswert sei außerdem eine Kombination aus Entspannungstherapie, Ausdauertraining und Verhaltenstherapie. Denn oft hängen körperliche und seelische Beschwerden zusammen. Medikamente werden inzwischen kritischer gesehen. Sie sollen nur zeitlich befristet eingenommen werden.

Thermalbäder und Fango

Die Leitlinie empfiehlt einige physikalische Therapien, etwa Thermalbäder, Fango und Lymphdrainage. Gleiches gilt für eine zeitlich befristete Akupunktur. Andere Behandlungsansätze wie die Laser- und Magnetfeldtherapie, Reiki und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erhalten keine Empfehlung, weil die Wirksamkeit unklar ist oder unerwünschte Nebenwirkungen drohen.

Leitlinien-Empfehlungen beruhen auf den Ergebnissen großangelegter internationaler Studien. Doch nicht zu jeder Therapie liegen aussagekräftige Untersuchungen vor. Winfried Häuser hat deshalb gemeinsam mit Kollegen FMS-Patienten zu Nutzen und Schaden bestimmter Behandlungen befragt. Besonders hilfreich empfanden die Befragten Wärmeanwendungen, Thermalbäder und Schulungsprogramme zum FMS. Als schädlichste Therapie beziehungsweise mit besonders vielen unerwünschten Nebenwirkungen nannten sie Medikamente wie Opioide, Antiepileptika und Antidepressiva sowie die Kältetherapie.

Margit Settan von der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung rät Patienten, sich regelmäßig mit anderen Betroffenen auszutauschen. "Wir haben Schmerzen, aber es sieht uns keiner an. In einer Gruppe bekommt man viele Informationen." Und man werde akzeptiert, ohne viel erklären zu müssen.

Quelle: dpa/anch/csr
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