Menschen, die über das normale Maß hinaus schwitzen, leiden möglicherweise unter Hyperhidrose, einer funktionellen Störung der Schweißdrüsen. Meist ist der Leidensdruck dieser Menschen sehr hoch, denn sie schwitzen zu allen Gelegenheiten, meist genau dann, wenn sie es nicht wollen. Typisch bei einer Hyperhidrose ist das extreme Schwitzen unter den Achseln, aber auch an Hand- und Fußflächen sowie im Kopf- und Stirnbereich. Für die Betroffenen gibt es verschiedenen Möglichkeiten, etwas gegen die Erkrankung zu tun.
Quelle: Prof. Dr. Erhard Hölzle, Leiter der Dermatologie am Klinikum Oldenburg; Dr. Bresser, Dermatologe aus München.
Betroffene sollten auf jeden Fall Hilfe beim Dermatologen suchen, denn selbst kann man gegen diese Erkrankung nichts ausrichten. Der Hautexperte kann die Behandlung nach einem Stufenmodell individuell danach ausrichten, wie stark welche Körperregionen betroffen sind.
Das einfachste Verfahren ist die Behandlung mit einem Antitranspirant, eienr Aluminiumchloridlösung, die auf die Haut aufgetragen wird. Sie wirkt zum einen antibakteriell, geht also gezielt gegen die Bakterienbesiedlung der Haut vor und minimiert sie.
Zum anderen sorgen die Aluminiumsalze dafür, dass die Schweißkanäle sich verengen und verstopfen. Die enthaltenen Aluminiumsalze verbinden sich mit dem Keratin der Haut und bilden Pfropfen. Bei regelmäßiger Anwendung hält diese Methode maximal zwei Wochen vor, muss aber ein- bis zweimal die Woche angewandt werden.
Leichte Antitranspirante kann man frei in der Apotheke kaufen. Der Hautarzt hat die Möglichkeit, stärker wirkende zu verschreiben. Am besten wirken die Salze, wenn man sie vor dem zu Bett gehen aufträgt, denn dann werden sie nicht gleich wieder abgeschwitzt.
Bei stark schwitzenden Händen und Füßen gibt es zudem die Möglichkeit einer so genannten Iontophorese. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Gleichstrombehandlung. Der Patient hält dabei Hände und Füße in eine mit Leitungswasser gefüllt Wanne, durch die schwache elektrische Ströme geleitet werden. Dadurch werden die Schweißdrüsen funktionell gehemmt, bis nach ca. zehn bis 15 Sitzungen das Schwitzen auf ein normales Maß reguliert ist. Danach erfolgt eine Erhaltungstherapie, die alle zwei Wochen wiederholt werden muss.
Sowohl im Achselbereich als auch an Händen und Füßen kann der Dermatologe mit dem unter Botox bekannten Nervengift Botulinumtoxin behandeln. Dieses Verfahren ist allerdings an Händen und Füßen so schmerzhaft, dass es unter Lokalanästhesie durchgeführt werden muss. An mehreren Stellen wird eine genau berechnete Menge dieses Wirkstoffs gespritzt, die maximal für sechs bis neun Monate die Schweißproduktion stoppt. Allerdings kann durch die Lähmung der Nerven auch die Feinmotorik beeinträchtigt sein, was gerade in den Händen problematisch ist.
Helfen die vorgenannten Maßnahmen nicht oder reicht die Wirkung nicht aus, besteht die Möglichkeit, operativ einzugreifen. Ursprünglich wurde diese Behandlung für die Fettabsaugung erfunden. Doch stellten die Hautärzte fest, dass mit dieser Form auch die Schweißdrüsenabsaugung möglich ist. Dabei wird über kleine Hautschnitte die Unterseite der Haut mitsamt Fett und Schweißdrüsen abgeraspelt und weggesaugt.
Als mögliche Nebenwirkungen können Empfindungsstörungen in der Achsel auftreten, geminderter Haarwuchs oder vergrößerte Narbenbildung auftreten. Meist jedoch können die Schweißdrüsen nicht vollständig entfernt werden. Zudem kann es in einigen Fällen auch zu einer Neubildung der Drüsen kommen. Es stünde eine weitere OP an.
Hinter der Sympathektomie verbirgt sich ein weiteres operatives Verfahren. Bei dem wird darauf abgezielt, die Nervenbahnen durchtrennt, die die Schweißdrüsen zum Schwitzen anregen. Dieses Verfahren kann nur lokal sehr begrenzt angewandt werden. Die Risiken bei dieser Methode sind beträchtlich.