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Diskussion um Gesundheitssystem: Das steckt hinter Homöopathie

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 13.07.2010 - 12:20

(RP). In der Diskussion um das Gesundheitssystem werden nun die Leistungen für Homöopathie kritisiert. Wissenschaftlich lässt sich der Erfolg zwar nicht belegen, aber viele vertrauen der alternativen Medizin.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist vorgeprescht. Er will laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" Homöopathie aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen streichen. Ihm zur Seite gesprungen ist der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses aus Ärzten und Krankenkassen, Rainer Hess: Es gebe nach unzähligen medizinischen Studien bisher keinen klaren Nutzennachweis für die Homöopathie, dennoch müssen die Krankenkassen sie bezahlen.

Der künftige Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwiq), Jürgen Windeler, sagt: "Die Homöopathie ist ein spekulatives, widerlegtes Konzept." Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften kritisiert, dass die Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine Wirksamkeit vortäusche, die nicht erwiesen sei.

Was genau ist Homöopathie?

Der Begriff stammt aus dem Griechischen – von homoios für "ähnlich" und pathos für "Leiden". Er beschreibt "Ähnlichkeitsleiden". Mittel, die bestimmte Symptome hervorrufen, würden demnach auch gegen eben solche Symptome wirken. So helfe Kaffee etwa gegen Schlaflosigkeit, weil das Getränk selbst wach hält. Begründet wurde dieses Heilverfahren von dem Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) aus Meißen. Er entwickelte seine These durch Selbstversuche mit Chinarinde, die seiner Meinung nach bei Gesunden die gleichen Symptome wie bei Malaria-Kranken hervorrufe. Allerdings lassen sich seine Versuche weder nachvollziehen noch verifizieren.

Wie werden homöopathische Mittel verabreicht?

Homöopathische Mittel werden meist in Form von kleinen weißen Kügelchen, Globuli, verabreicht. Dabei handelt es sich um Zucker, der mit dem Wirkstoff befeuchtet wird. Die Mittel werden dafür "potenziert". Das heißt, der Ausgangsstoff wird verdünnt – und zwar in einem enormen Ausmaß. Bei der Potenz D 1 wird ein Teil des Wirkstoffes mit neun Teilen eines Ethanol-Wasser-Gemischs gemischt. D 2 heißt, dass auf einen Teil Wirkstoff 99 Teile Lösung kommen.

D 23 würde einem Wirkstofftropfen im Mittelmeer entsprechen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht lässt sich dann aber keine Spur des Wirkstoffes mehr nachweisen. Für Homöopathen indes ist die Potenz ein Maß für die Stärke und Wirkungsdauer: Je höher potenziert, also verdünnter, desto länger und stärker die Wirkung. Vor allem sollen so die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden. Zudem sagen Homöopathen, dass die Substanz ihre Wirkung selbst noch bei hoher Verdünnung auf die Lösung überträgt. Eine Erklärung dafür wird indes nicht gegeben.

Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Mittel?

Es gibt mehrere wissenschaftliche Studien aus den vergangenen Jahren. Keine davon hat die Wirksamkeit homöopathischer Mittel belegen können. Am 30. Januar diesen Jahres nahmen 400 gesunde Skeptiker in Großbritannien öffentlich extrem verdünnte Mittel ein. Nach ihrer Meinung wäre das eine giftige Überdosis gewesen. Alle 400 überstanden das Experiment unbeschadet – und ohne weitere Spätfolgen.

Warum wird Homöopathie dann so oft als wirksam gepriesen?

Zum einen ist da der Placebo-Effekt: Wenn man an die Wirksamkeit eines Mittels glaubt, kann der Körper entsprechend reagieren. Das ist indes kein Verdienst des Mittels. Und Placebos scheinen selbst dann noch eine Wirkung zu haben, wenn man weiß, dass es sich um ein Placebo handelt. Dazu kommt die Zeit, die sich der homöopathische Mediziner nimmt: Er führt ein langes Anamnese-Gespräch, um ein vollständiges Krankheitsbild zu erstellen und den Kranken in allen Facetten – auch den psychischen – zu erfassen. Er geht auf den Patienten ein und hört ihm zu. Zudem ist jede Behandlung individuell auf ihn abgestimmt. Dadurch fühlt er sich ernster genommen und besser behandelt, als wenn der Arzt nur kurz in ein zweckmäßig eingerichtetes Behandlungszimmer kommt, schnell eine Spritze setzt und dann wieder weg ist.

Wer trägt die Kosten der Behandlung?

Homöopathische Arzneimittel sind zum großen Teil nicht verschreibungspflichtig. Das heißt, der Patient trägt die Kosten selbst. Laut dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) erstatten aber mittlerweile 110 Krankenkassen die homöopathische Behandlung und bieten dafür seit April 2007 Wahltarife an. Für Ärzte lohnt sich die homöopathische Behandlung. Laut einem Bericht in der Ärztezeitung zahlen Kassen um die 90 Euro für die Erst-, um die 40 Euro für eine Folge-anamnese. Im Einzelfall kann der Mediziner mit allen Rechnungsposten 120 bis 175 Euro für den Erstbesuch geltend machen und 65 Euro für Folgebesuche. Zum Vergleich: Für einen Kassenpatienten erhält ein Hausarzt 31,28 Euro – im Quartal.

Warum wird die Kostenübernahme nun kritisiert?

Das Gesundheitssystem soll reformiert, Kosten sollen eingespart werden. Laut Arzneiverordnungsreport 2009 erstatteten die Kassen 2008 nur 8,4 Millionen Euro für homöopathische Arzneien. Die Pharma-Gesamtausgaben beliefen sich indes auf 29,23 Milliarden Euro. Es fehlen dort aber die Beratungs- und Therapiekosten für Homöopathie.

Quelle: RP

 
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