Alarmzeichen, Symptome, Ursachen: Depressionen – eine Erkrankung des Gehirns
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 16:48Düsseldorf (RPO). Der Tod von Robert Enke wirft ein Licht auf eine ernste Krankheit, über die sonst geschwiegen wird. Depressionen sind ein Tabuthema in Deutschland. Dabei leiden Millionen Menschen darunter. Es kann jeden treffen.
Die Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit. Mehr als zehn Prozent der erkrankten Menschen begehen Selbstmord. Trotzdem wird öffentlich kaum darüber gesprochen. Wer sich näher mit dieser beängstigenden Erkrankung beschäftigt, stößt auf ein komplexes Bild. Oft sind die Grenzen fließend. Den prototypischen Fall gibt es nicht. Im Hinblick auf das Krankheitsbild tauchen jedoch in aller Regel bestimmte Muster auf. Ein Überblick.
Was sind eigentlich Depressionen? Trübsinn, Antriebsarmut und düstere Stimmung – jeder Mensch kennt das. Normale Verstimmungen lassen sich verarbeiten, indem man sich mit ihren Ursachen auseinandersetzt, etwa dem Verlust eines nahestehenden Menschen oder chronischer Überlastung. Depressionen lassen sich hingegen aus eigener Kraft kaum überwinden. Die Betroffenen sind ernsthaft erkrankt.
Hilfe im Internet
Einen leicht verständlichen Ratgeber mit einer Vielzahl an konkreten Hilfestellungen und Hintergrundinformationen bietet die Apotheken-Umschau.
Wissenschaftliche Hintergründe zu den 22 wichtigsten Fragen zu depressiven Erkrankungen, aber auch eine Hotline für Betroffene finden sich im Web-Auftritt des Max-Planck-Instituts für Psychatrie.
Was fühlen die Betroffenen? An Depressionen erkrankte Menschen empfinden eine quälende innere Leere. Wer das nicht selbst erlebt hat, kann sich das nur schwer vorstellen. Es ist ein Leben im emotionalen Vakuum. Alles erscheint bedeutungslos. Viele Erkrankte verspüren eine lähmende Antriebslosigkeit. Jede Bewegung, jede Äußerung braucht Überwindung. Der Betroffene ist in einem emotionalen Tunnel, auch wenn es keinen konkreten Grund mehr für eine Lebenskrise gibt.
Wie beginnt eine Depression? Eine Depression kann schleichend beginnen, aber auch schlagartig, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, erläutert das Max-Planck-Institut für Psychiatrie auf seiner Website. Die Mediziner unterscheiden chronische von akuten Depressionen, die häufig in Wellen auftreten. Auslöser für die akute Depression kann ein Schicksalsschlag sein, aber auch Stress oder Krankheit. In anderen Fällen erkranken Menschen ohne erkennbaren Auslöser.
Auf welche Symptome muss ich achten? Depressive Menschen leiden unter Grübelzwang und Unruhe. Sie sind leicht reizbar, manchmal ängstlich. Selbst einfache Entscheidungen fallen schwer. Die Erkrankung schlägt sich gegebenenfalls auch in körperlichen Beschwerden nieder. Dazu zählen Schlafstörungen, Kopf- oder Magenschmerzen.
Wie erkenne ich, ob ich depressiv bin? Es ist nicht leicht, eine Depression zu erkennen. Wichtig ist zu wissen, ob man möglicherweise eine genetische Veranlagung in sich trägt. Wer Verwandte hat, die an einer Depression erkrankt sind, gehört zur Risikogruppe. Wenn dann auch noch frühe Krankheitsanzeichen wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Angstanfälle hinzukommen, gilt es gegenzusteuern. Eine möglichst frühzeitige, individuelle Diagnose gilt als entscheidend für die Therapieaussichten. Erste Anhaltspunkte bieten Tests im Internet. Eine belastbare Diagnose liefern sie selbstverständlich nicht.
Was kann ich gegen Depressionen tun? Frühe Diagnose und Therapie sind wichtig. Allerdings scheuen sich viele Betroffene, einen Arzt auf ihre Probleme anzusprechen. Fachleute gehen von einer Dunkelziffer in Höhe von 60 Prozent aus. Eine fatale Folge der Tabuisierung der Krankheit in der Öffentlichkeit. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, mit einem nahestehenden Freund oder Angehörigen zu reden. Um die Zurückhaltung abzulegen, ist wichtig zu wissen, dass es sich bei einer Depression nicht um eine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit handelt, bei der der Hirnstoffwechsel aus dem Lot geraten ist. Das Max-Planck-Institut spricht darum ausdrücklich von einer Erkrankung des Gehirns.
Was können Angehörige tun? Sie spielen eine wichtige Rolle in der Therapie, sollten aber auch ihre eigenen Grenzen kennen. Wer mit einem depressiv erkrankten Menschen zusammenlebt, sieht sich schweren Belastungen ausgesetzt. Er braucht Geduld und viel Verständnis für die Situation des Betroffenen. Vor allem dessen Unvermögen, aus eigener Kraft etwas zu erreichen - vielleicht auch nur "Danke" zu sagen - kostet sehr viel Kraft. Deswegen gelten für Angehörige vor allem drei Empfehlungen: Sich informieren, sich eigene Freiräume zugestehen und gegebenenfalls selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was sind die Ursachen für eine Depression? In der Regel müssen zahlreiche Gründe zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken, bevor es zu einer Depression kommt. Dazu zählen unter anderem eine genetische Veranlagung durch Vorbelastungen in der Familie, aber auch körperliche und soziale Faktoren. Mitunter kann ein Schicksalsschlag den Ausschlag geben, aber auch Stress. Das Max-Planck-Institut beschreibt Depressionen entsprechend als ein Wechselspiel zwischen äußeren Einflüssen und genetischer Veranlagung.
Wer erkrankt an Depressionen? Niemand ist dagegen gefeit. Alter, Geschlecht oder die soziale Stellung spielen keine Rolle. Auch erfolgreiche Persönlichkeiten zählen zu den Betroffenen. Neben den populären Fällen von Robert Enke und Sebastian Deisler im Sport zählen auch die Schriftsteller Ernest Hemingway und Klaus Mann dazu, ebenso wie Ted Turner (Gründer des Nachrichtensenders CNN), Winston Churchill und der Schauspieler Keanu Reeves.
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