Foto: Robert-Koch-Institut
Wie lange ist Ihre letzte Schutzimpfung her? Eine Frage, die viele nicht auf Anhieb beantworten können und das, obwohl prophylaktische Impfungen in Deutschland zu den medizinischen Standardleistungen zählen, für die die Krankenkassen aufkommen. Nicht ohne Grund, denn Impfungen schützen vor schwer krank machenden Erregern. Welche Impfungen sind unbedingt notwendig und wie steht es um die Nebenwirkungen?
Quelle: Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Prof. Dr. August Wilhelm Bödecker, Leiter des Schwerpunkts Allgemeinmedizin der Universität Köln.
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Grundimmunisierung
Die sogenannte
Grundimmunisierung - also das Impfen gegen die wichtigsten Erreger - findet im Kindesalter statt. Bei den notwendigen Vorsorgeuntersuchungen der Kinder überprüft der Kinderarzt den Impfstatus und bespricht mit den Eltern, welche Impfungen die Ständige Impfkommission empfiehlt. Sie entscheiden dann zum Wohle ihres Kindes, denn in Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Geimpft wird ab dem 2. Lebensmonat, stufenweise gegen verschiedene Erreger. Manche Impfungen sind allerdings erst ab 12 Monaten möglich.
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Impfungen im Kindesalter
Durchgeimpfte Kinder sind geschützt vor folgenden Erregern:
Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Haemophilus Influenzae Typ b - ein Bakterium, das bei kleinen Kindern lebensgefährliche, entzündliche Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich auslösen kann. Zudem empfehlen sich Impfungen gegen
Kinderlähmung, Hepatitis B und Pneumokokken - ein Erreger, der unter anderem Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Mittelohrentzündung auslösen kann. Empfohlen wird zudem die Immunisierung gegen
Meningokokken, die zu einer eitrigen Hirnhautentzündung mit Todesfolge führen können. Zudem die Vierfachimpfung gegen
Mumps, Masern, Röteln und Windpocken.
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Diphterie, Tetanus und Keuchhusten
Wer diese Impfungen erhalten hat, der hat es als Erwachsener leicht. Lediglich
alle zehn Jahre sollte er den Schutz gegen
Diphterie, Tetanus und Keuchhusten auffrischen lassen. Das ist mit einer einzigen Impfung getan, da es sich um einen Kombiimpfstoff handelt. Durch den zunehmenden Reiseverkehr sind die Risiken gestiegen, an Diphterie zu erkranken. Von Keuchhusten betroffen sind besonders Frauen zwischen 40 und 50 Jahren. Gegen diese quälende und langwierige Atemwegserkrankung gibt es keine Therapie. Nicht selten treten nach ihr weitere Komplikationen auf wie Lungenentzündungen, Krampfanfälle und Hirnschäden.
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Notwendigkeit weiterer Impfungen
Mit diesen drei Impfungen ist ein Erwachsener grundsätzlich gegen die wichtigsten Krankheiten geschützt. Doch sollte man darüber hinaus mit seinem Hausarzt über seinen
individuellen Impfstatus sprechen. Nicht jeder kennt ihn, manchmal sind Nachforschungen notwendig, Lebensalter oder Vorerkrankungen machen bestimmte Impfungen sinnvoll, oder aber die berufliche Tätigkeit bringt die Notwendigkeit weiterer Impfungen mit sich.
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FSME
Die sogenannte
FSME-Impfung - die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis - wird durch Zeckenstiche übertragen. Sie ist sinnvoll wenn man in Teilen Bayerns, Baden-Württembergs, Hessen, Rheinland-Pfalz oder Thüringen lebt oder häufiger dort ist. Dort nämlich kommt das FSME-Virus gehäuft vor. Der Hausarzt wird ebenso dazu raten, wenn Reisen nach Norditalien, in den Elsass oder auch die Schweiz anstehen.
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Influenza
Ähnlich verhält es sich mit der jährlichen
Influenza-Impfung, die zu Beginn des Herbstes gemacht werden sollte. Sie ist vor allem denn sinnvoll, wenn man chronisch krank ist, also an Grunderkrankungen leidet wie zum Beispiel Bluthochdruck, Asthma, Multipler Sklerose, Diabetes. Geraten wird zu dieser Impfung, die jährlich die drei wichtigsten Influenza-Virustypen beinhaltet, zudem allen Personen ab 60 Jahren, Medizinpersonal, Menschen, die Risikogruppen betreuen oder viel Publikumsverkehr haben. Neu ist die Empfehlung der Stiko für alle Schwangeren.
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Schweingegrippe
Eine seperate Impfempfehlung der Stiko gegen das H1N1-Virus, das als
Schweinegrippe-Virus bekannt ist, ist nicht mehr notwendig, weil dieses Virus in der diesjährigen Influenza-Impfung enthalten ist.
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Masern
Die
Masern-Impfung wird von der Stiko seit 2010 für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, wenn nur einmal geimpft wurde oder der Impfstatus unklar ist. Möglich ist sie jedoch nur als Kombiimpfung zusammen mit Mumps und Röteln, weil es keinen Einfachimpfstoff gibt.
Die Stiko rät zur Immunisierung Erwachsener, weil es in den letzten Jahren immer wieder Masernausbrüchen in Deutschland gab. Die Krankheit verläuft bei Erwachsenen schwerer als bei Kindern. Es kommt häufiger zu Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündungen.
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Röteln
Gegen
Röteln sollen junge Frauen im gebärfähigen Alter nun zweimal geimpft werden, wenn sie nicht als Kinder schon die Grundimmunisierung erhalten haben. Damit will man das Schutznetz enger stricken, denn Röteln können - wenn eine Frau in der Schwangerschaft erkrankt - beim ungeborenen Kind zu schwersten Schäden führen. Mehr als 60 Prozent der Kinder, die im Mutterleib an Röteln erkranken kommen mit Herzfehlern, Augenschäden, Hirnschäden oder taub zur Welt. Die größte Gefahr besteht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Auch hier gibt es keinen Einfachimpfstoff.
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Nebenwirkungen der Dreifach-Impfung
Nebenwirkungen der Dreifach-Impfung gegen Röteln, Masern und Mumps können sein: Schwellung der Lymphknoten, Ausschlag oder Gelenkschmerzen, so genannte "Impfmasern", die aber nicht ansteckend sind. Außerdem können auftreten: Fieber, und durch den Mumpsimpfstoff Schwellungen der Speicheldrüsen. Diese klingen jedoch nach wenigen Tagen wieder ab.
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Nebenwirkungen anderer Impfungen
Die
Nebenwirkungen bei allen Impfungen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin sehr gering. Für alle Impfungen gilt, dass die beschrieben Nebenwirkungen meistens milde sind und nur für kurze Zeit auftreten.
Lokalreaktionen: Nach der Impfung kann es zu Verhärtungen und Rötungen an und um die Einstichstelle kommen. Auch ein leichter Schmerz ist dort möglich.
Allgemeine Reaktionen: Leichtes Fieber, Übelkeit, Brechreiz und Durchfall können auftreten. In sehr seltenen Fällen, wurde von vorübergehenden Lähmungen berichtet.