kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Elektrische Zigarette E-Zigaratten dpa 2011
  Foto: dpa
Kommentare ()

Behörden prüfen Gesundheitsgefahren: Elektrische Zigarette – Trend oder Trug?

VON KLAUS KRAUSE - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 07:38

Düsseldorf (RPO). Noch sind die neuen E-Zigaretten in Deutschland gar nicht richtig auf dem Markt, schon gibt es Theater. Gesundheitsschützer schlagen Alarm. Minister heben warnend den Zeigefinger. Ist hier eine Hightech-Droge auf dem Vormarsch? Oder sind die elektronischen Glimmstängel ein probates Mittel der Nikotinentwöhnung? Die Verwirrung ist groß.

Im Kino ist die E-Zigarette längst gesellschaftsfähig. Im Hollywoodstreifen "The Tourist" von 2010 qualmt sich Publikumsliebling Johnny Depp eine. Auch hierzulande sind eZiggis ein Hingucker. Wo immer jemand in der Öffentlichkeit E-Smoking vorführt, ist die Neugier groß.

Ein Glimmstängel, der weder brennt noch stinkt, für den weder ein Feuerzeug benötigt wird noch ein Aschenbecher? Viele Raucher sehen in dem neuen Produkt eine gesunde Alternative zum Tabakgenuss und hoffen sogar darauf, damit die Nikotin-Sucht zu überwinden. Aber es gibt auch warnende Stimmen.

Wie funktioniert eine E-Zigarette?

Die E-Zigarette ist ein innovatives Produkt. Sie simuliert Rauchen mit technischen Mitteln. Äußerlich erinnert sie an Zeiten, als es noch keine Filterzigaretten gab und viele Raucher und Raucherinnen eine Zigarettenspitze benutzten. Das Innenleben dagegen unterscheidet sich total von der klassischen Papierzigarette.

Die Geräte bestehen aus vier Komponenten, einer Stromquelle, einem elektrischen Vernebler (Atomizer), einer auswechselbaren Kartusche (Liquid) und einer Steuerungselektronik. Als Stromquelle dient ein Lithium Akku mit integrierter Steuerung. Kernstück ist die Kartusche. Sie sieht aus wie ein Filter und enthält die Flüssigkeit, die den Dampf erzeugt.

Wird am Mundstück gesaugt, erhitzt sich automatisch der Atomizer und bringt die Flüssigkeit im Depot bei rund 65 Grad Celsius zum Verdampfen. Zum Vergleich: In echten Zigaretten entstehen beim Verglühen des Tabaks Temperaturen von 600 bis 800 Grad. Um ein echtes Rauchgefühl zu simulieren, leuchtet bei den E-Zigaretten mit jedem Zug eine kleine rote Diode auf.

Woher kommen die E-Zigaretten?

E-Zigaretten sind eine chinesische Erfindung. Sie kommen aus einem Land, in dem Rauchen noch zum guten Ton gehört. Vom einfachen Arbeiter bis zum Multimillionär tut sich dort niemand einen Zwang an, in der Öffentlichkeit zu qualmen. In diesem Umfeld kam der elektronische Glimmstängel offenbar wie gerufen. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich diese technische Innovation zum Exportschlager entwickelte.

Auch Händler aus Deutschland sind in dieses Geschäft eingestiegen. Aber sie tun sich schwer. Da der Tabakwarenhandel abgewinkt hat, ist das Internet zurzeit neben einigen E-Shops der einzige Vertriebsweg. Dort werden die zigarettenförmigen Inhalatoren inkl. fünf Liquids als Starter-Set in verschiedenen Ausführungen zu Preisen zwischen 40 und 90 Euro angeboten.

Die Nachfüllflüssigkeit in einer Auswahl von bis zu 70 Aromen mit und ohne Nikotin kostet um die zehn Euro (10 ml). In Deutschland soll es bereits 1,2 Millionen Raucher geben, die zur E-Zigarette greifen.

Was steckt in der E-Zigarette?

An den Liquids scheiden sich die Geister. Die Flüssigkeit, die vom Raucher als Aerosol eingeatmet wird, besteht zu 90 Prozent aus Propylenglykol. Dieser Wirkstoff kann die Atemwege reizen und steht darüber hinaus im Verdacht, Allergien auszulösen. Mit Propylenglykol wird zum Beispiel der Nebel über Disco-Tanzflächen erzeugt, aber es ist auch zugelassen als Zusatzstoff in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten.

Dazu kommen meist Nikotin, Ethanol, Glyzerin und andere Geschmacksstoffe. Nikotin wird von den Herstellern in unterschiedlichen Dosierungen verwendet. Aber auch vollständig nikotinfreie Mixturen werden angeboten. Die unterschiedlichen Geschmacksstoffe reichen von Banane, Kaffee, Lakritz bis zu Whisky.

Mehr zum Thema

Was ist gefährlich daran?

Darüber sind sich die Experten noch nicht einig. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen der Zigaretten mit dem Vernebelungsprinzip liegen noch nicht vor. Es existiert noch kein Nachweis, wie viel Nikotin in verdampfter Form der Körper durch die Inhalation aufnimmt.

Unbestritten bleibt, dass Nikotin gesundheitsschädlich ist und ein hohes Suchtpotenzial enthält. Marita Völer-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät deshalb zum vorsichtigen Umgang mit den elektronischen Zigaretten. Der Schweizer Tabakforscher von der Universität Genf, Professor Jean-Francois Atter, fasst den derzeitigen Forschungsstand in der allgemeinen Empfehlung zusammen: „Ich kann niemandem raten, die E-Zigaretten zu dampfen. Das Risiko ist unkalkulierbar. Das einzig gesunde Verhalten in punkto Rauchen ist und bleibt das Unterlassen.

Wie geht es weiter?

Die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Die Grünen) warnte kürzlich vor dem gesundheitlichen Risiko nikotinhaltiger E-Zigaretten. Die Produkte, die „momentan auf dem Markt vertrieben werden, sind allesamt nicht zugelassen oder geprüft.“ Die zurzeit verwendeten Flüssigkeitsmischungen würden hohe Anteile von Nikotin enthalten, so dass diese als Arzneimittel einzustufen seien.

Damit unterliege die E-Zigarette den strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes. Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegen Anträge mehrerer Landesbehörden vor, die eine grundsätzliche Prüfung einzelner Modelle und Mixturen fordern. In einem ersten Fall wurde ein Produkt als zulassungspflichtiges Arzneimittel eingestuft, wie Behördensprecher Mark Pommer erklärte.

Bei der nächsten Länderkonferenz wollen sich die Gesundheitsminister eingehend mit dem Thema beschäftigen. Außerdem plant die zuständige EU-Kommission eine strenge Überprüfung, um die gesundheitlichen Folgen des Konsums von E-Zigaretten besser abschätzen zu können.

Foto