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Gehirn modell ddp panorama 2011
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Sucht nach Leistungsbereitschaft: Jeder 20. Student betreibt Hirndoping

zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 - 11:25

Hannover (RPO). Unbegrenzt leistungsbereit sein, dass ist eine Sucht, der sich vor allem Akademiker unterwerfen. Es sind nach einer Studie des Gesundheitsministeriums ausgerechnet Mediziner und Sportwissenschaftler, die am häufigsten Hirndoping betreiben.

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Jeder 20. Student wirft Pillen ein, um seine Leistung zu steigern und dem Uni-Stress besser standzuhalten. Weitere fünf Prozent versuchen sich mit Vitaminen, pflanzlichen Substanzen oder Koffein aufzuputschen. Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung des HIS-Instituts für Hochschulforschung im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Besonders verbreitet sei das sogenannte Hirndoping unter Tiermedizinern (18 Prozent), Sportwissenschaftlern (14 Prozent) und Humanmedizinern (7 Prozent), erläuterte die Autorin Elke Middendorff.

Um ihre Leistung zu steigern oder dem Prüfungsstress besser standhalten zu können, nehmen sie verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, sogenannte Psychostimulanzien oder Aufputschmittel.

Keine Erfahrung mit Mitteln

Die große Mehrheit der "Hirndoper" greift allerdings selten bis sehr selten zu derartigen Mitteln. Dennoch sind es fünf Prozent, die verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel einnehmen. Weitere fünf Prozent der Studierenden nehmen laut Studie "weiche" Mittel wie Vitaminpräparate, homöopathische und pflanzliche Substanzen, Koffein oder ähnliches, um ihre Leistungen zu steigern. Die große Mehrheit der Studenten habe allerdings keinerlei Erfahrung mit leistungssteigernden Pillen, betonten die Wissenschaftler.

Laut der Befragung greifen Studierende besonders häufig zu Hirndoping, um Nervosität und Lampenfieber zu bekämpfen. Erst an zweiter Stelle steht demnach das Ziel, die geistige Leistung zu steigern. Leistungssteigernde Mittel werden am häufigsten in der Prüfungsvorbereitung genommen. Für rund jeden zweiten hirndopenden Studenten ist das eine typische Situation. Ebenso viele greifen bei generellem Stress zu leistungssteigernden Substanzen.

Wirkung wird falsch eingeschätzt

Die Studenten beziehen die Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel von Freunden, illegal über Internet-Apotheken oder lassen sie sich vom Arzt verschreiben. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm verurteilt Hirndoping als "sinnlos, riskant und teuer". So führe etwa die Einnahme von Antidepressiva nicht zur gewünschten Wirkung, sondern verschlechtere sogar die Leistungsfähigkeit.

Hirndoping sei unter Studenten insgesamt nicht weiter verbreitet als in der Gesamtbevölkerung, betonte die Soziologin Middendorff. Auffällig sei allerdings, dass ältere angehende Akademiker, die möglicherweise bereits in Prüfungen gescheitert sind, überdurchschnittlich häufig zu Medikamenten oder Cannabis greifen. Zwölf Prozent der 28- bis 29-Jährigen haben der Studie zufolge Erfahrung mit Hirndoping.

Der Weg in die Sucht

Wer versucht, sich mit Medikamenten aufzuputschen, trinkt oftmals auch viel Alkohol und raucht. "Es sind häufig typische Suchtcharaktere", sagte die Autorin der Studie. Erst eine Wiederholung der Befragung in einigen Jahren könne Aufschluss darüber geben, ob Hirndoping an den Unis tatsächlich auf dem Vormarsch ist, wie einige Lehrende beobachten.

Hisbus ist ein Projekt des HIS-Instituts für Hochschulforschung und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ausgewertet wurden die Angaben von knapp 8000 Studierenden. Die Erhebung erfolgte von Dezember 2010 bis Januar 2011. An ihr beteiligten sich nach Forscherangaben 31 Prozent der Mitglieder des Online-Forums Hisbus. Es umfasst einen festen Stamm an Studierenden, die regelmäßig befragt werden.

Quelle: dpa

 
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