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Meningitis-Erreger
  Foto: ddp
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Symptome ähnlich denen einer Grippe: Meningitis-Gefahr steigt im Winter

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 06.12.2011 - 08:10

Düsseldorf (RPO). Die ersten Symptome deuten auf eine Grippe hin, aber es ist keine. In der kalten Jahreszeit nimmt die Gefahr zu, sich mit einer Meningitis anzustecken. Die Krankheit ist selten, aber in vielen Fällen verläuft sie schwer.

Auslöser der gefährlichen Hirnhautentzündung sind in den häufigsten Fällen Meningokokken. Eine Infektion mit diesem Bakterium kann leicht lebensbedrohlich werden, betont die Arbeitsgemeinschaft Meningokokken. In zwei Drittel der Fälle löst der Erreger eine Hirnhautentzündung aus, etwa ein Drittel der Fälle entwickelt eine Blutvergiftung – medizinisch als Sepsis bezeichnet. Innerhalb weniger Stunden kann dieser schwere Verlauf tödlich sein. Meist unfassbar für Angehörige, denn die Symptome treten aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung auf. Gefährdet sind vor allem Kinder und Jugendliche, erklärt die Österreichische Gesellschaft für Neurologie. Ärzte können oft nur noch zusehen, wie ein eben noch gesundes Kind innerhalb weniger Stunden stirbt.

Info

Hirnhautentzündung

Symptome: Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber

Gefährdung: Oft ungefährlich (virale Meningitis), in Einzelfällen (bakterielle) sehr gefährlich

Behandlung: Antibiotisch bei bakterieller, symptomatisch bei viraler Meningitis

Schutz vor Ansteckung: Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Es gibt eine Impfung gegen einige, nicht aber gegen die häufigsten Erreger. Wenn Kontakt da war, gibt es eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika.

Meningitis-Gefahr wächst in kalten Monaten

Besonders während der kalten Monate ist nach Informationen des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte e.V. die Gefahr erhöht, sich an einer Meningokokken-Meningitis, einer schweren bakteriellen Hirnhautentzündung anzustecken. Der Grund: Im Winter wird es kuschelig, viele halten sich deutlich mehr in geschlossenen Räumen auf als in den warmen Monaten des Jahres.

Die Erreger können sich über winzige Schleimtröpfchen aus Mund oder Rachen leicht verbreiten. Die Träger der Meningokokken husten und niesen ahnungslos in ihre Umgebung. Sie geben den Mini-Feind beim Küssen weiter oder über gemeinsam benutztes Besteck. Passieren muss gar nichts. Jeder zehnte trägt sie in Mund und Nase mit sich herum, ohne dass sie irgendwelche Beschwerden verursachen, so die Angaben des Robert-Koch-Instituts. Nicht ausreichend erklärbar ist zum derzeitigen Stand, warum manche Menschen lediglich zu Keimträgern werden und andere schwer erkranken.

Die Symptome ähneln denen einer Grippe

Klar hingegen ist, dass Infektionen mit dem Erreger anfänglich leicht einer Grippe-Erkrankung zugeschrieben werden können, denn die Anfangssymptome sind sehr ähnlich. Zunächst vermehrt sich der Erreger noch unbemerkt vom Betroffenen in den Lymphknoten. Symptome treten erst auf, wenn sich das Bakterium im ganzen Körper ausgebreitet hat: Müdigkeit, Leistungsabfall und Fieber oder Schüttelfrost können erste äußere Anzeichen der Infektion sein.

„Kinder bekommen sehr schnell ausgeprägte Krankheitszeichen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Benommenheit, Verwirrung, Taubheitsgefühl in Händen sowie Füßen und ein schmerzhafter bzw. steifer Nacken sind mögliche Anzeichen“, erklärt Dr. Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Dioe Patienten zeigen oft einen Widerstand, sind berührungsempfindlich und haben Schmerzen beim Vorbeugen des Kopfes. Häufig biegen betroffene Patienten darum den Rücken nach hinten und „bohren“ den Kopf ins Kissen.

So viele Menschen erkranken jährlich

Rund 500 Menschen erkranken in Deutschland im Schnitt jährlich an Meningokokken. Die meisten sind Kinder und Jugendliche: 80 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen treffen unter 18-Jährige. Nach Auswertung der Techniker Krankenkasse jedoch lässt sich ein deutlicher Rückgang der Infektionen beobachten: Erkrankten in Deutschland 2005 noch 629 Menschen an der sogenannten Meningokokken-Meningitis, gab es 2010 nur noch 387 Fälle. Die Fachleute führen das auf die durch die STIKO empfohlene Impfung gegen Meningokokken-Bakterien für Babys und Kleinkinder zurück, die seit 2006 besteht.

Impfen kann man aber nicht gegen alle der 13 bekannten Meningokokken-Gruppen: Gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, Y und W135 stehen Impfstoffe zur Verfügung, erläutert das Institut für Hygiene- und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Dort befindet sich auch das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken.

Wie man sich schützen kann

Eine Schutzimpfung ist nach Angaben der Würzburger Experten ab dem dritten Lebensmonat mit dem sogenannten Konjugatimpfstoff gegen die Serogruppe C. Die STIKO empfiehlt jedoch, Kinder erst im zweiten Lebensjahr impfen zu lassen. Dann sei der „optimale Zeitpunkt“ für diese Immunisierung. Bis zum 18. Lebensjahr wird diese Impfung von den Krankenkassen als Nachholimpfung erstattet. Gegen die in Deutschland am häufigsten vorkommende Meningokokken-Serogruppe B (70-75% aller Fälle) ist bislang noch kein Impfstoff zugelassen.

Wird die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert, kann man umgehend mit einer intensivmedizinischen Behandlung beginnen und die Infektion mit Antibiotika behandeln. Mitbehandelt werden in Regel auch enge Kontaktpersonen des Erkrankten. So suchten die Behörden im April 2011 nach einem Meningitis-Fall in einer Schule nach Schülern, die Kontakt zum Kranken hatten.

Folgen trotz Überlebens

Nicht ohne Grund, denn die Ansteckungsgefahr über direkten Kontakt ist hoch. Die Hälfte der Fälle, in denen eine Blutvergiftung auftritt, endet tödlich. 20 Prozent der Erkrankten leiden zeitlebens unter den Folgen. „Bei einer Meningitis kann es auch nach überstandener Krankheit zu dauerhaften neurologischen Defekten wie Lähmungen, Hörschäden oder Taubheit kommen. „Je nach Fall sind die Auswirkungen ganz unterschiedlich. Manche Beeinträchtigungen wie Konzentrations- oder Lernschwierigkeiten werden vielleicht erst nach einiger Zeit deutlich“, erklärt Prof. Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg.

Als einzige Vorbeugende Maßnahme kommt eine Impfung in Frage. Andere Möglichkeiten gibt es durch die direkten Übertragungswege kaum.

Quelle: wat/chk/das

 
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