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Expertenrat zur Vorbeugung: Nebenhöhlen – mehr als nur die Nase voll

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 13.01.2012 - 08:23

Düsseldorf/Brüssel (RPO). Die Nase sitzt dicht und im Kopf pocht und hämmert es: Wenn der Schnupfen sich so richtig fest setzt, droht daraus eine Nasennebenhöhlenentzündung zu werden. 2,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden sogar chronisch darunter. Das lässt sich vorbeugend und im akuten Fall dagegen tun.

Meist ist eine heftige Erkältung der Auslöser: Besonders in der kalten Jahreszeit haben Viren, die mit der Atemluft in die Nase gelangen auf den trockenen Nasenschleimhäuten ein leichtes Spiel. Was zu Beginn ein normaler Schnupfen war, kann leicht zur Nasennebenhöhlenentzündung werden. Die Mediziner sprechen auch von einer Rhinosinusitis. Nach Schätzungen der Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde macht jeder Erwachsene im Jahr rund zwei bis fünf solcher Infekte mit. Bei den Schulkindern sind es sogar bis zu zehn Infekte.

Wie die Nebenhöhlenentzündung entsteht

Was aber passiert da eigentlich in der Nase? Durch den Schnupfen schwillt die Nasenschleimhaut an und das Sekret aus der Nase kann nicht mehr einfach abfließen und wird zur Brutstätte für Viren und Bakterien, die die Entzündung verursachen. In den Nasennebenhöhlen bildet sich eitriges Sekret, denn die Schleimhäute versuchen durch eine vermehrte Sekretproduktion die Erreger wieder los zu werden. Für den Betroffenen zeigt sich dieser Effekt durch Schmerzen in Kopf, Stirn und Gesicht.

Wo es überall schmerzen kann

Denn das, was sich mit Sekret füllt sind verschiedene Hohlräumen in den Gesichtsknochen. Zu ihnen zählen die neben der Nase liegenden Kieferhöhlen, die Stirnhöhlen sowie die Keilbeinhöhle und Siebbeinzellen hinter der Nase. Durch das Sekret und das Zuschwellen der Nasengänge fällt das Atmen schwer. Meist leiden die Kranken unter Kopfschmerzen und können schlechter riechen und schmecken. Allgemeine Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Husten können hinzukommen. Wenn die Schleimhaut durch die virale Entzündung geschwächt ist, können bakterielle Erreger die Erkrankung verschlimmern.

Das sind die Auslöser

Neben einer akuten Erkältung kann allerdings auch ein allergischer Schnupfen, eine verbogene Nasenscheidewand oder eine Zahnentzündung der Auslöser sein. Klingt die Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen nicht nach spätestens drei Monaten ab, ist das Leiden chronisch. So definiert es eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Spätestens dann sollte der Betroffene neben einem Allergietest auch einen Besuch beim Zahnarzt einschieben, um auszuschließen, dass die Entzündung von den Zähnen herrührt.

Bei jährlich rund 6,3 Millionen Patienten stellen Ärzte in der Bundesrepublik eine akute Rhinosinusitis fest - wie die mitteilt. Bei mehr als einem Drittel von ihnen - etwa 2,6 Millionen Menschen - diagnostizieren Mediziner eine chronische Form der Erkrankung. "Die wird meist durch Bakterien verursacht", erklärt Dr. Olaf Michel, Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und -Chirurgie von der Freien Universität in Brüssel. Meist stecken dahinter laut der Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Streptokokken-Arten oder Bakterien der Gattung Haemophilus.

Komplikationen treten zwar selten auf, können aber einen gefährlichen Verlauf gerade bei Kindern nehmen. Ohne angemessene Therapie kann sich die Entzündung beispielsweise in die Augenhöhle ausbreiten und zu Sehstörungen führen. Außerdem kann es zu Entzündungen angrenzender Knochen kommen, im schlimmsten Falle zu einer Hirnhautentzündung oder einem lebensbedrohlichen Gehirnabzess.

Das hilft vorbeugend

Um eine Nasennebenhöhlenentzündung zu vermeiden, empfiehlt es sich, rechtzeitig gegen die akute Erkältung vorzugehen. "Trinken Sie viel und spülen Sie Ihre Nase drei bis vier Mal täglich mit einer Kochsalzlösung", empfiehlt Michel. Das geht am einfachsten mit der sogenannten Nasendusche, die in Drogeriemärkten und Apotheken zu bekommen ist. Dieses etwas gewöhnungsbedürftige Prozedere spült die Schleimhäute und befeuchtet diese gleichzeitig. Die Salzlösung kann man selbst herstellen, indem man einen Esslöffel Kochsalz in einen Liter lauwarmes Wasser gibt.

"Bei den meisten Patienten ist die akute Rhinosinusitis durch Viren verursacht. Daher ist eine Behandlung mit Antibiotika nicht notwendig", sagt HNO-Experte Michel. Bei ansonsten gesunden Menschen heilt auch eine bakteriell bedingte Erkrankung in der Regel spätestens nach einigen Wochen.

Meist geht es ohne Antibiotika

Antibiotika sollten Patienten nur einnehmen, wenn sie starke Beschwerden haben oder wenn sich die Beschwerden im Laufe der Erkrankung verstärken, bei Fieber über 38,3 Grad Celsius und wenn Komplikationen drohen. Auf Antibiotika sollte man außerdem unbedingt zurückgreifen, wenn es um Menschen mit chronisch entzündlicher Lungenerkrankung, herabgesetzter Immunabwehr oder anderern schweren Grunderkrankungen geht. Auch im und bei besonderen Risikofaktoren ist die Gabe von Antibiotika sinnvoll. Ebenso kann bei einer chronischen Rhinosinusitits eine längere Therapie mit diesem Therapeutikum sinnvoll sein. 

"Helfen alle Maßnahmen nichts oder drohen Komplikationen, sollte eine Operation erwogen werden", sagt HNO-Experte Michel. In der Regel führt der Chirurg den Eingriff durch die Nasenlöcher mit einem Endoskop (Instrument zur Vergrößerung) und mit mikrochirurgischen Instrumenten durch. Dabei versucht er, anatomische Engstellen und die erkrankte Schleimhaut zu beseitigen. Um sich Zugang zu den Nebenhöhlen zu verschaffen, muss der Operateur manchmal die Nasenscheidewand begradigen oder die Nasenmuscheln verkleinern.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie ist die minimal-invasive Chirurgie der chronischen Rhinosinusitis effektiv – bei vielen Patienten bessern sich die Beschwerden nach einem Eingriff langfristig und die Lebensqualität steigt. Allerdings kann die Erkrankung in chronischen Fällen auch nach einer Operation auftreten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erkranken 20 bis 60 Prozent der Patienten mit chronischer Rhinosinusitis, die mit Polypen einhergeht, nach einem Eingriff erneut, wenn nicht regelmäßig weiter mit Medikamenten behandelt wird.

 

Quelle: wat/chk

 
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