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Verhängnisvolles Verhältnis: Promis und ihre schlechten Ärzte

VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009 - 16:45

Düsseldorf (RP). Der Fall Michael Jackson zeigte einmal mehr: Manche Promi-Ärzte sind Stümper und Pfuscher – oder Mediziner, die ihre berühmten Patienten immer wieder mit hohen Medikamenten-Dosen fit gespritzt haben. Ohne Rücksicht auf die Gesundheit.

Narkosemedikamente als alltägliches Beruhigungsmittel, stümperhafte Herzmassagen, Operationen bis zur Knochenauflösung – Ärzte spielten offenbar im Leben und Sterben von Michael Jackson eine wesentliche und verhängnisvolle Rolle.

Was zunächst einmal erstaunlich wirkt, weil der Pop-Mega-Star ja genug Geld für teure und gute Medizin hatte. Doch wie ein Blick auf die letzten Jahrhunderte zeigt, hatten viele große Figuren der Weltgeschichte schon immer großes Pech bei der Wahl ihrer Ärzte.

Nicht unbedingt eine Hilfe

So äußerte Vincent van Gogh bei seinem Arzt Dr. Paul Gachet den Verdacht: "Er scheint kränker zu sein als ich, oder zumindest genauso krank." Und in der Tat litt Gachet unter Depressionen, weshalb er seinem selbstmordgefährdeten Patienten nicht unbedingt eine Hilfe sein konnte. Trotzdem beschenkte van Gogh seinen Arzt immer wieder mit Gemälden, der dadurch an eine Bildersammlung kommen sollte, deren Wert heute auf über eine Milliarde Dollar geschätzt wird.

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Ein Stück Ruhm

Prominente ziehen die eitlen oder geschäftstüchtigen, aber nicht unbedingt die seriösen Vertreter der medizinischen Zunft an, die sich im Rampenlicht ihres Patienten sonnen wollen. Andererseits suchen sich bedeutende Persönlichkeiten, die unter Leistungsdruck stehen, vor allem „Fitspritzer“ aus.

Büchertipp: Jörg Zittlau, „Matt und elend lag er da. Berühmte Kranke und ihre schlechten Ärzte“, Ullstein, 224 Seiten, 14,90 ­.

Ernest Hemingway litt ebenfalls unter Depressionen, weil er wegen seiner Trunksucht mit einem falschen Medikament behandelt wurde. "Wir müssen davon ausgehen, dass dieser ärztliche Fehlgriff zu seinem Selbstmord beitrug", erklärt der amerikanische Pharmakologe und Hemingway-Experte Alex Cardoni. Wegen seiner Depressionen kam der Schriftsteller mehrmals in eine Klinik, wo er mit Elektroschocks behandelt wurde. Ohne Erfolg jedoch. Am Ende versprach er seinen Psychiatern, dass er sich nicht in deren Klinik umbringen würde. Er hielt sein Wort und tötete sich zu Hause.

Hitler schluckte 28 Pillen pro Tag

Die großen Politiker der Weltgeschichte, damals wie heute unter starkem Stress, ließen sich oft von Ärzten behandeln, die keine Skrupel hatten, ihre Patienten mit schweren Pharma-Geschützen fürs Alltagsgeschäft fit zu machen. Die dabei auftretenden Nebenwirkungen wurden mit anderen Medikamenten behandelt, so dass die Liste der eingenommenen Mittel immer länger wurde. So schluckte Adolf Hitler in den letzten Kriegsjahren 28 Pillen oder Tabletten pro Tag, hinzu kamen diverse Amphetamin- und Zuckerspritzen sowie Nasenpinselungen, Augentropfen und Inhalationen mit Kokain.

Als 1945 in Jalta zwischen den Siegermächten die territoriale Aufteilung Europas verhandelt wurde, waren Roosevelt und Churchill eigentlich zu krank, um daran teilnehmen zu können. Doch ihre Ärzte spritzten sie gerade so fit, dass sie nicht vom Stuhl kippten. Als Sieger des Verhandlungsmarathons ging jedoch Stalin hervor. Denn der Sowjet-Diktator, ein Ärzte-Hasser, war einfach gesünder als seine Kontrahenten aus dem Westen.

JFK und "Dr. Feelgood"

John F. Kennedy gab nach außen hin den gesunden Strahlemann – doch das gelang ihm nur, weil man ihn mit Spritzen und Pillen buchstäblich am Laufen hielt. Er vertraute den "Wunderkräften" eines Arztes, der in der Szene wegen seiner Aufputschspritzen als "Dr. Feelgood" bezeichnet wurde. Am Ende erinnerte die Leber des amerikanischen Präsidenten eher an ein überfordertes Chemie-Labor als an ein menschliches Organ – er hätte wohl auch ohne die Gewehrkugeln von Dallas kein langes Leben mehr gehabt.

Beethoven wurde von Ärzten vergiftet, die seine Lungenentzündung mit schleimlösendem Bleisalz und seine offenen Wunden mit desinfizierender Bleiseife verklebten. So, wie es damals in der Medizin üblich war.

Arzt zog Theaterauführung vor

Mozart dagegen wurde wohl nicht, wie oft zu hören ist, vom neidischen Musikkollegen Antonio Salieri vergiftet, die Ursache für seinen frühen Tod liegt bis heute im Dunkeln. Aber der Komponist der "Zauberflöte" hätte noch länger leben können, wenn sein Arzt eher ans Krankenlager gekommen wäre – doch der zog es vor, bei einer Theateraufführung zu bleiben.

Manchmal verabreichen die Promi-Ärzte der Weltgeschichte ihre unhippokratischen Dienste auch erst dann, wenn der Patient bereits tot ist. So dichteten sie dem deutschen Philosophen, Philologen und Dichter Friedrich Nietzsche posthum die Geschlechtserkrankung Syphilis an, obwohl der in seinem Leben nicht einmal Sex hatte. Der einzige Bordellbesuch des schüchternen Denkers endete damit, dass er sich an das Klavier setzte und den anwesenden Damen etwas vorspielte.


 
 
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