Lafontaine-OP am Donnerstag: Prostata-Krebs immer besser heilbar
VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 07:32(RP). Die Prostatakrebs-Diagnose bei Oskar Lafontaine lenkt den Blick auf eine Erkrankung, die weltweit zu den häufigsten Tumorarten bei Männern gehört. Pro Jahr wird in Deutschland mehr als 40.000 Mal Prostatakrebs festgestellt. Wissenschaftler des Europäischen Krebsforschungsinstituts in Mailand haben errechnet, dass diese ohnehin schon hohe Quote bis 2010 um etwa drei Prozent pro Jahr zunimmt.
Mehr als ein Viertel der Betroffenen stirbt an dieser "Tabu-Krankheit", weil immer noch Schamgefühle und Ängste verhindern, dass die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. Die walnussgroße Prostata-Drüse umschließt den oberen Teil der Harnröhre und produziert eine Flüssigkeit, die den Samenfäden als Transport- und Aktivierungsmittel dient. Es ist normal, dass sie mit zunehmendem Alter gutartige Wucherungen ausbildet.
Es können aber auch bösartige, maligne Zellen entstehen, und sofern sie sich zu einem Geschwür gruppieren, kommt es zum Tumor. Was genau diese "Malignisierung" hervorruft, ist noch ein Rätsel. Man weiß jedoch, dass männliche Geschlechtshormone dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Und dies gilt auch für die Ernährung. So erkrankt man in Japan seltener an Prostatakrebs als in den USA, wandern aber die Asiaten in die Vereinigten Staaten aus, erkranken sie genauso häufig – ein deutlicher Hinweis darauf, dass der westliche Lebensstil mit seiner fleischlastigen Ernährung die Entstehung des Tumors begünstigt.
Dafür spricht auch eine Untersuchung von Professor Jens Altwein vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München. Demnach haben bereits 23 Prozent aller 40-Jährigen ein Mikrokarzinom, also ein Mini-Geschwür der Prostata. In China und Japan seien die Quoten der Mikrokarzinome ähnlich hoch, und doch entwickeln sie sich dort seltener zum echten Tumor als bei uns. "Dafür sind wohl vor allem Ernährungskomponenten verantwortlich", so Altwein.
Sportler erkranken seltener an Prostatakrebs, allerdings kommt dieser Schutzeffekt erst bei Männern über 65 Jahren zum Tragen. Wie überhaupt weder Bewegung noch Ernährung einen hundertprozentigen Schutz vor Prostatakrebs bieten. Wer einen Vater oder Bruder mit Prostatakrebs hat, erkrankt mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit.
Sex kann das Risiko senken. Wechselnde Sexualpartner erhöhen aber das Risiko, weil dabei viele Keime eingeschleust werden. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass bei der Erkrankung auch Infektionen eine Rolle spielen. Mit einer rektalen Tastuntersuchung können erfahrene Ärzte die meisten Prostatakarzinome erkennen, eine noch genauere Lokalisation und Größenbestimmung erlaubt die Ultraschalluntersuchung.
Ob der PSA-Test (PSA = Prostataspezifisches Antigen) eine wirkliche Hilfe in der Früherkennung ist, ist umstritten. Denn der PSA-Wert im Blut ist zwar typisch für die Prostata, nicht aber für einen Tumor. Auch Entzündungen und gutartige Vergrößerungen der Drüse können diesen Biomarker ansteigen lassen. Das Therapie-Spektrum zu Prostatakrebs ist in den letzten Jahren immer breiter geworden.
Bei der radikalen Prostatektomie wird das komplette Organ entfernt. Sie kann aber nur durchgeführt werden, wenn der Tumor die äußere Kapsel der Prostata noch nicht überschritten hat. Bei der minimal invasiven Prostatektomie fällt der operative Eingriff moderater aus.
Die Strahlentherapie zerstört die Krebszellen und führt dadurch eine längerfristige Heilung herbei. "Sie kam früher häufig erst nach einer Operation der Prostata zum Einsatz", erklärt Radioonkologe Volker Budach von der Berliner Charité. "Doch heute kann sie in vielen Fällen ein Ersatz für sie sein." Die Strahlen ersparen dem Patienten Impotenz und Inkontinenz, die als Operationsfolge auftreten können.
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