Uniklinik Düsseldorf: Prostata-OP mit nur einem Schnitt
VON FELIX OHMES UND STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 23.08.2009 - 22:55Düsseldorf (RP). Ärzte der Uniklinik Düsseldorf haben mit einem neuen Verfahren der schonenden "Schlüsselloch-Technik" eine Vorsteherdrüse entfernt. Bislang waren fünf Zugänge üblich. Dieser weltweit erste Versuch gelang nun mit nur einem zwei Zentimeter langen Schnitt.
Düsseldorf. Als Horst Schmelzus die Prostata entfernt bekam, konnte er nachmittags schon wieder über das Klinik-Gelände spazieren. "Ich habe keine Schmerzen", erzählt der 72-Jährige. Nur eine kleine Narbe zeugt noch von der Operation, die eine Weltpremiere ist. Möglich wurde sie durch zwei Urologen der Düsseldorfer Uniklinik. Sie haben die Vorsteherdrüse ihres Patienten mit Hilfe der so genannten "Schlüsselloch-Technik", der Laparoskopie, entfernt und dabei nur einen einzigen zwei Zentimeter langen Schnitt gemacht. Bislang waren fünf Zugänge durch die Bauchdecke üblich.
"Die Wunde ist klein, der Patient hat kaum postoperative Schmerzen, und der Blutverlust ist minimal", erklärt Urologe Robert Rabenalt. Bei einem herkömmlichen offenen Eingriff habe der Blutverlust noch rund einen Liter betragen. Rabenalt leitete nicht nur die Operation, sondern war auch maßgeblich an der Entwicklung des so genannten "Less-Verfahrens" (Laparo Endoscopic Single Site) beteiligt. Dabei ersetzt ein einziger Aufsatz vom Durchmesser einer Billardkugel alle weiteren vier Zugänge, die bisher benötigt wurden: einer, um die Kamera bei der Operation zu führen, vier weitere waagerecht über die Bauchdecke verteilt, um die Prostata mit Hilfe langer Stäbe im richtigen Winkel herausschneiden zu können.
"Single-Port-Instrumente"
Möglich wurde das neue Verfahren durch spezielle "Single-Port-Instrumente". Aufgrund ihrer gebogenen Form können diese Stäbe nun direkt nebeneinander in die Bauchdecke eingeführt werden. "Die Instrumente sind an ihren Enden abgewinkelt", erklärt Robert Rabenalt. Auch für die Ärzte erleichtert dieses Verfahren die Operation: Bei "Less" sind nur noch zwei – anstelle von drei Medizinern – im Einsatz. "Ein Arzt operiert, der andere hält die Kamera", sagt Klinikdirektor Peter Albers. Die Vorgehensweise ist aber identisch: Während die Kamera das Bild auf einen Monitor überträgt, schneidet der operierende Arzt die Vorsteherdrüse mit kleinen Scheren an den Stabspitzen heraus.
Notwendig gemacht hatte den Eingriff bei Patient Horst Schmelzus ein Prostata-Karzinom. Deshalb entschied er sich für die Operation, bei der sich der Heilungsprozess auf wenige Tage verkürzt. "Ich bin wirklich begeistert", sagt er. "Als ich aufgewacht bin, hat mir nur mein Kreuz ein wenig weh getan." Das sei auch der Grund für seinen spontanen Spaziergang gewesen. "Bisher ist es wirklich ein Bilderbuchverlauf", bescheinigt auch Oberarzt Robert Rabenalt. Am Montag soll Horst Schmelzus die Uniklinik voraussichtlich verlassen können.
Nachuntersuchungen abwarten
Zwei Jahre lang hatten die Düsseldorfer Urologen gemeinsam mit der Hersteller-Firma die neuen Instrumente entwickelt. Bislang handelt es sich dabei aber lediglich um einen Prototyp. Neben vielen Vorteilen gestehen die Entwickler einen Nachteil der Premiere ein: Für die Operation hat Robert Rabenalt rund viereinhalb Stunden gebraucht. Eineinhalb Stunden sind bei der klassischen Laparoskopie die Regel. "Das liegt aber daran, dass wir die Operation das erste Mal durchgeführt haben", erklärt Rabenalt. "Ich denke schon, dass wir auch diese OP mit der Zeit in einer bis eineinhalb Stunden schaffen können." Man müsse schließlich auch auf wirtschaftliche Aspekte achten.
Ob sich das "Less"-Verfahren durchsetzen wird, können die Düsseldorfer Urologen heute noch nicht sagen. Zunächst müsse man das endgültige Ergebnis der Nachuntersuchungen abwarten. Denn oberstes Ziel sei es, mit dem neuen Verfahren gleichwertige Ergebnisse zu erzielen wie bei der klassischen Laparoskopie. Das heißt, Kontinenz und Potenz müssen ähnlich gut erhalten bleiben. "Mit dem herkömmlichen Verfahren haben wir schon einen sehr hohen Standard erreicht", so Albers. "Less" müsse dem entsprechen. "Jetzt geht es unter anderem darum, die Instrumente weiter zu verbessern", meint Rabenalt. Potentiell habe "Less" aber viele Vorteile. Und es sei nicht nur auf Prostata-Operationen begrenzt. Es könne in Zukunft zum Beispiel auch bei Operationen an den Nieren oder in der Gynäkologie zum Einsatz kommen.
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