Krebs schützt sich vor Chemotherapie: Selbstverteidigung der Tumorzellen
zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 20:25New York (RPO). Indem sie Teile von sich selbst verzehren, schützen sich Krebszellen vor den Auswirkungen einer Chemotherapie. Es handelt sich um eine Art Selbstverteidigung. Verantwortlich dafür ist ein bestimmtes Protein, das diese Vorgänge reguliert, wie ein internationales Forscherteam nun herausgefunden hat.
In gesunden Zellen liefert das Protein HMGB1 einen wichtigen Beitrag zur Zellgesundheit - bei Krebserkrankungen macht es die Tumorzellen allerdings widerstandsfähiger gegen die Chemotherapie: Es gibt den Tumorzellen das Signal, Zellbestandteile abzubauen und sich die enthaltenen Nährstoffe zur Stärkung gegen die Chemotherapie einzuverleiben. Wirkstoffe, die dieses Steuerungsprotein blockieren, könnten den Therapieerfolg daher verstärken, berichtet das Forscherteam um Daolin Tang vom Krebsinstitut der University of Pittsburgh im "Journal of Cell Biology".
Widerstand gegen Störfaktoren
Die genauen Abläufe, die hinter der sogenannten Autophagie stecken, waren bisher nicht hinreichend bekannt. Bei diesem Selbstverdauungsprozess von Zellen werden alte und kaputte Zellbestandteile zerlegt und dem Stoffwechsel wieder neu zugeführt. Dieser Vorgang liefert der Zelle neue Bausteine und wichtige Nährstoffe und macht sie damit widerstandsfähiger gegenüber äußeren Störfaktoren.
Recyclingprozess beginnt
In ihrer Studie konnten die Forscher um Tang nun zeigen, dass das Protein HMGB1 ein wichtiger Faktor bei der Regulation der Autophagie ist: Zu Beginn der Stresssituation leitet es den Recyclingprozess ein. Ist der Stress vorüber, bremst HMGB1 den Selbst-Kannibalismus wieder ab. Dieses sensible Gleichgewicht ist beispielsweise bei Muskelerkrankungen, vielen chronischen Entzündungskrankheiten und Krebs gestört.
Bei Krebserkrankungen etwa sind besonders viele HMGB1-Proteine aktiv und regen Autophagie in überdurchschnittlich hohem Umfang an. Auf diese Weise stärkt sich die Krebszelle und schafft es, Chemotherapie und Bestrahlung standzuhalten.
Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte diese Entdeckung dazu beitragen, effektivere Therapien gegen chronische Entzündungen oder Krebs zu entwickeln. Denkbar seien etwa Wirkstoffe, die das Schlüsselprotein HMGB1 vorübergehend blockieren.
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