Jetzt hat es auch Berlusconi erwischt: "SMS-Daumen" durch zu eifriges Schreiben
VON CHRISTINE WENDT - zuletzt aktualisiert: 13.10.2010 - 17:38Düsseldorf (RPO). Jetzt also auch Silvio Berlusconi: Der italienische Ministerpräsident hat einen "SMS-Daumen" und musste operiert werden. Die Sehnenscheidenentzündung entstand durch starke Überbelastung des Daumens, wie etwa beim Schreiben von Kurznachrichten mit dem Handy. Es kann jedem passieren.
SMS ist der moderne Weg mit seinen Freunden und Bekannten zu kommunizieren und Termine abzusprechen. Doch die wenigsten wissen, welche Konsequenzen das haben kann. Zu viele SMS schreiben kann zur Sehnenscheidenentzündung führen, auch "SMS-Daumen" genannt. Genau deswegen musste jetzt auch Italiens Ministerpräsident operiert werden.
Eine Sehnenscheidenentzündung kann sehr schmerzhaft sein. Dabei entzündet sich das Gewebe, das die Sehne umhüllt. Am häufigsten ist das Handgelenk betroffen. Im Daumen nennt man diese Entzündung "Quervain-Krankheit".
Sie ist eine Erkrankung des Bewegungsapparats - zurückzuführen auf den Schweizer Chirurg De Quervain. Durch besonders fleißiges SMS-Schreiben wird der Daumen überlastet und die Sehnen, die der Daumenbewegung dienen, entzünden sich.
Die Erkrankung gibt es aber nicht erst seit der Erfindung der SMS. "Bei jeder Tätigkeit, in der wir den Daumen dauerhaft überbelasten, kann es zur Entzündung kommen. Dazu gehört beispielsweise die Schreibarbeit im Büro oder Tätigkeiten im Labor", erklärt Oberarzt Dr. Jörn Kircher der Uniklinik Düsseldorf unserer Redaktion.
Unmittelbar oberhalb des Handgelenks liegt auf der Speiche ein ringartiger Kanal. In diesem verlaufen mehrere Sehnen zum Daumen. Bei starker Überanstrengung verengt der Kanal und man spürt eine schmerzhafte Verdickung. Im Anfangsstadium kann die Erkrankung mit Salbenverbänden, einer Ruhigstellung durch eine Schiene oder Kaltkompressen behandelt werden.
Führen diese Behandlungen nicht zum Erfolg, muss operiert werden. Bei einer OP wird durch einen kleinen Schnitt der eingeengte Kanal freigelegt und erweitert. Durch die Trennung des Bandes können sich die eingeengten Sehnen wieder ausbreiten. Oberarzt Kircher beruhigt aber: "Zu einer Operation kommt es extrem selten."
Kommt es doch zu einer OP des "SMS-Daumens", sollte man die Hand schrittweise wieder an die alltäglichen Aufgaben heranführen. Narben an der Hand sind außerdem empfindlicher als an anderen Körperstellen. Nicht wundern: In den ersten sechs bis acht Wochen ist die Narbe etwas dicker und gerötet. Ingesamt verheile die Entzündung aber folgenlos, so Dr. Kircher.
Tennisarm: Nicht nur vom Sport
Ähnliches gilt für den Tennisarm. Hierbei handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung der Unterarmstreckmuskulatur, die ebenfalls durch Überbeanspruchung hervorgerufen wird. Durch die Überlastung entstehen kleine Rissen und Entzündungen im Gewebe, die letztendlich zu Gewebeveränderungen führen können.
Dafür kann nicht nur Sport der Auslöser sein: Auch Haushaltsaufgaben wie anstrengendes Putzen, eine falsche Haltung beim Schreiben oder Tätigkeiten als Installateur oder Mechatroniker können zur Entzündung führen.
Werden Muskulatur und Sehnenapparat wiederholt fehlbelastet, summieren sich im Lauf der Zeit kleine Schäden. Irgendwann setzt dann der bekannte Tennisarm-Schmerz ein. Behandlungsmethoden reichen von Ruhigstellung über Salbenverbände und elektromechanischen Stimulation bis hin zur Kortisonspritze.
Beim Fehlschlagen dieser Therapien ist auch hier eine Operation notwendig. Hierbei werden der Ansatz der Muskulatur gelockert. Nach der Operation wird anschließend für mehrere Wochen ein Gips angelegt.
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