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Neue Fälle in Köln und Düsseldorf: Syphilis längst nicht ausgerottet

zuletzt aktualisiert: 18.10.2010 - 15:33

Wiesbaden (RP). Über Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis spricht niemand gern. Dabei wäre genau das dringend notwendig: Mit der nachlassenden Angst vor einer HIV-Infektion, die Ärzte in den letzten Jahren beobachten, und dem Verzicht auf Kondome steigt auch das Risiko, sich eine sexuell übertragbare Krankheit zuzuziehen.

Dazu zählt auch die fälschlicherweise als ausgerottet geltende Syphilis. Aus der Stadt Köln wurden dem Robert-Koch-Institut in Berlin in diesem Jahr bereits 64 Neuinfektionen gemeldet, aus der Stadt Düsseldorf 29.

Die Syphilis, ausgelöst von dem Bakterium Treponema pallidum, ist dabei eine besonders hinterhältige Erkrankung, denn ihre Symptome sind oftmals unspezifisch oder sogar schlicht nicht vorhanden, wie Klaus Doubek vom Berufsverband der Frauenärzte weiß: „Im Anfangsstadium kann man eine Infektion vor allem an der Bildung harter, aber schmerzloser Knötchen im Genital-, After- oder Mundbereich erkennen. Zudem schwellen häufig die Lymphknoten im Bereich der Leisten an.“

Diese Knötchenbildung ist es auch, die am häufigsten zu einer Entdeckung der Infektion führt, da die Betroffenen aufgrund der Veränderungen zum Arzt gehen – ohne dabei ausgerechnet eine Syphilis-Infektion als Ursache im Kopf zu haben.

Dies herauszufinden, ist dann die Aufgabe des Gynäkologen oder Urologen – und das ist nicht einfach, wie der Wiesbadener Gynäkologe aus Erfahrung weiß: „Die meisten Menschen empfinden eine Geschlechtskrankheit als hochgradig peinlich, weshalb der Arzt bei seiner Anamnese äußerst sensibel vorgehen muss.“ Hat sich im Laufe des Patientengesprächs herausgestellt, dass tatsächlich ein sexuelles Risikoverhalten vorlag, benötigt der Arzt noch einen serologischen Beweis: „Um die Infektion zweifelsfrei nachweisen zu können, muss der Patient in einen Bluttest einwilligen.“

Das sollte er auch in jedem Fall tun, denn wird eine rechtzeitige Behandlung versäumt, kann die Krankheit tödlich enden: „In der zweiten Phase treten grippeähnliche Symptome auf, im dritten und vierten Stadium werden schließlich innere Organe und das Zentrale Nervensystem befallen“, erklärt Doubek. Neurosyphilis ist eine verheerende Krankheitsstufe, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. „In allen Stadien wird die Infektion aber mit einer Antibiotikatherapie (Penicillin) behandelt. Je früher damit begonnen wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.“

Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist auch deshalb extrem wichtig, weil die Krankheit in den beiden Anfangsphasen hochgradig ansteckend ist, sagt Doubek: „Untersucht und gegebenenfalls behandelt werden müssen daher nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Sexualpartner.“

Quelle: dapd/rm

 
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