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Zwischen Leben und Leblosigkeit: Was ist ein Virus?

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 21:06

Düsseldorf (RP). Der Schweinegrippe-Erreger H1N1 zählt zu den mysteriösesten Gebilden der Biologie – den Viren. Sie stehen an der Schwelle zwischen Leben und Leblosigkeit. Zudem können sie enorm wandlungsfähig sein, was den Schutz vor ihnen oft erschwert.

Das Schweinegrippe-Virus, derzeit prominentester Vertreter seiner Spezies.  Foto: Disease Control and Prevention, AP
Das Schweinegrippe-Virus, derzeit prominentester Vertreter seiner Spezies. Foto: Disease Control and Prevention, AP

Sie sind so klein, dass sie unter einem gewöhnlichen Mikroskop nicht zu sehen sind. Gleichzeitig sind sie so gefährlich, dass eine Infektion tödlich enden kann: Viren, die erst zwischen 1892 und 1898 entdeckt worden sind. Nachdem der Deutsche Chemiker Adolf Mayer und der russische Biologe Dimitri Iwanowski unabhängig voneinander erkannt hatten, dass es Krankheits-Erreger gibt, die selbst von Bakterienfiltern nicht aufgehalten werden.

Was genau ist ein Virus?

Ein Virus ist ein Parasit und besteht aus nicht mehr als einer Eiweiß-Hülle, an der bestimmte Proteine haften. Mit diesen Proteinen dockt das Virus an eine Zelle an und schleust seine in der Hülle verpackten Erbinformationen ein. Mit diesem genetischen Code kapert das Virus quasi die Zelle, die zur Virenproduktion "missbraucht" wird.

Wie macht ein Virus krank?

Wenn die befallene Zelle viele Viren produziert hat, schneiden sie sich quasi ihren Weg aus der Zelle, die dabei oft stirbt. Oder aber die Zelle zerplatzt förmlich und stößt dabei die Viren aus. Von einer befallen Zelle werden so Tausende neue Erreger produziert. Die Zahl der Viren potenziert sich so relativ schnell. Denn in jeder befallenen Zelle beginnt der Kreislauf von vorne – bis irgendwann alle Zellen befallen sind.

Sind Viren lebende Organismen?

Da ist sich die Wissenschaft nicht einig. Es hängt davon ab, wie man Leben definiert. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, sondern bestehen nur aus dem genetischen Code. Demnach wären sie keine Lebewesen. Auf der anderen Seite schaffen sie es, sich zu vermehren – demnach würden sie leben.

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Wie können sich Viren verändern?

Zum einen gelten für Viren die Regeln der Evolution. Ihr genetischer Code kann sich verändern, also mutieren. Daraus kann sich ein Erreger bilden, der um einiges gefährlicher ist als seine Ursprungsvariante. Es gibt noch einen weiteren Mechanismus: Verschiedene Grippe-Viren beispielsweise befallen bei einer "Misch-Infektion" gleichzeitig eine Zelle. In der Zelle wird der genetische Code der Viren gemischt – ein völlig neues Virus entsteht.

Wie das H1N1-Virus entstanden?

Schweine sind besonders empfänglich für solche Misch-Infektionen, weil sie sehr leicht von Viren befallen werden können, die von anderen Arten stammten. Tatsächlich finden sich im genetischen Code des Schweinegrippe-Erregers H1N1 Abschnitte von Viren, die bei Vögeln, die bei Menschen und die bei Schweinen vorkommen. In den Zellen der Tieren wurden sie zu einem neuen Virus "gemischt".

Woher kommen Viren?

Eine Vermutung geht davon aus, dass die Viren einmal vollständige Zellen waren – die als Parasiten lebten. Mit der Zeit haben sie sich immer weiter darauf spezialisiert, andere Zellen zu befallen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass sich Viren aus Teilen der Erbinformation einer Zelle gebildet haben – die quasi aus ihrer Anordnung im genetischen Code entkommen sind und sich selbstständig gemacht haben. Die dritte Theorie geht indes davon aus, dass sich Viren und Zellen parallel entwickelt haben.

Quelle: RP

 
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