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Neue Empfehlungen: Welche Impfungen wirklich sinnvoll sind

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 - 11:43

Düsseldorf (RPO). Nicht nur Kinder trifft es. In den letzten Jahren stieg auch die Zahl der Erwachsenen an, die Masern bekommen. Wie die ständige Impfkommission darauf reagiert hat und wogegen Sie sich sonst impfen lassen sollten, erfahren Sie hier.

Jeder zweite Masernfall trifft nach einer Untersuchung der DAK einen Erwachsenen. „Wenn Erwachsene erkranken, ist der Verlauf meist sogar schwerer als bei Kindern“, warnt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Von vielen Menschen werden Masern immer noch als Kinderkrankheit abgetan.

Dabei sind Masern eine Erkrankung, die das Immunsystem stark schwächt und deshalb in Folge häufig schwere bakterielle Komplikationen nach sich zieht - wie zum Beispiel Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung. Besonders gefürchtet ist eine schwere Hirnhautentzündung, die in einem von 1000 Masernfällen vorkommt und in geistigen Behinderungen oder sogar tödlich enden kann.

Info

Hier erfahren Sie, was sich geändert hat, welche Impfungen man wirklich braucht und wer sich impfen lassen kann.

Vor allem junge Erwachsene

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut in Berlin hat aus diesem Grund ihre Impfempfehlungen angepasst. So will man die Impflücken schließen, die es vor allem bei jungen Erwachsenen gibt. Künftig wird eine Masern-Impfung für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, wenn sie gar nicht oder nur einmal geimpft sind. Impfen lassen sollten sich auch diejenigen, die ihren Impfstatus nicht kennen.

Bei der Masernimpfung für Erwachsene gibt es allerdings keinen Einzelimpfstoff gegen diese Krankheit. „Wer sich impfen lassen will, muss die Kombinationsimpfung gegen Mumps-, Masern- und Röteln nehmen“, erklärt Prof. Dr. August Wilhelm Bödecker, Leiter des Schwerpunkts Allgemeinmedizin der Universität Köln.

Das sieht er allerdings auch aus seiner Erfahrung als Allgemeinmediziner als wenig problematisch an, denn bei den heutigen Impfungen gebe es wenige Nebenwirkungen. „Sie sind bei sachgerechter Durchführung alle vorübergehender Natur, wenn sie überhaupt auftreten“, betont Bödecker.

Ohne chemische Konservierungsstoffe

Mit dem verwendeten Impfstoff werden schon zwölf Monate alte Kinder geimpft. „Die Wahrscheinlichkeit von einem Traktor überfahren zu werden ist höher, als dass bei unseren modernen Impfungen Nebenwirkungen auftreten“, erklärt Dr. Ulrich Umpfenbach, Kinder- und Jugendfacharzt aus Viersen. Impfstoffe sind heute ohne chemische Konservierungsstoffe und entgegen der Behauptung von Impfgegnern auch ohne Quecksilber und Brom hergestellt.

„Die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen, die wir vom Robert-Koch-Institut haben,  liegen zwischen eins zu 700.000 und eins zu sieben Millionen“, stellt Umpfenbach heraus. "Ich habe bisher nur sehr selten und Gott sei Dank auch nur leichte Impfreaktionen gesehen."

Influenza-Impfung für Schwangere

Eine weitere wichtige Änderung in den Impfempfehlungen der Stiko gibt es bei der Influenza-Impfung für die nächste Grippesaison. Sie wird nun auch allen Schwangeren empfohlen, weil bei ihnen ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurde. Bislang war die Influenca-Impfung vor allem chronisch Kranken, Medizinpersonal und Menschen empfohlen worden, die viel Publikumsverkehr haben oder Menschen aus Risikogruppen betreuen.

In diesem Jahr wird im Influenza-Impfstoff auch eine Immunisierung gegen das H1N1-Virus – landläufig als Schweinegrippenvirus bekannt – enthalten sein. Allgemeinmediziner Bödecker empfiehlt diese Impfung jedoch erst nach dem dritten Schwangerschaftsmonat.

Regelmäßig überprüfen

Grundsätzlich gilt für alle Menschen: Wer seinen Impfstatus nicht kennt, der sollte bei seinem Hausarzt eine individuelle Impfberatung machen lassen. Nur so lässt sich feststellen, ob alle notwendigen Impfungen – etwa gegen Tetanus – vorhanden sind. Wer diesen allgemeinen Impfschutz nicht hat, der geht bei kleinsten Verletzungen schon unnötige Risiken ein.

Denn schon bei einer Verletzung der Haut könnte das Gift der Wundstarrkrampf auslösenden Tetanusbakterien in den Körper gelangen. Tetanus-Gefahr besteht vor allem, wenn kleine Fremdkörper, zum Beispiel Splitter in die Haut eindringen und da verbleiben oder bei großen, stark verschmutzten Wundflächen und zerfetzten Wundrändern. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich enden.

„Ein persönliches Beratungsgespräch beim Arzt ist sinnvoll. Denn jeder Mensch hat andere berufliche Risikofaktoren, vor denen er sich schützen muss. Auch besondere Reisetätigkeiten oder Urlaubsreisen erfordern einen vielleicht zusätzliche Impfungen, die nicht grundsätzlich notwendig sind“, erläutert Prof. Bödecker aus seiner Praxiserfahrung.

Impfung fast immer möglich

Wenn dann fest steht, gegen welche Erreger der Körper eine Abwehr aufbauen soll, steht einer Impfung fast nichts mehr im Wege. Lediglich schwer akut kranke Menschen sollten sich nicht impfen lassen, raten die Mediziner. Bei Schwangeren in den ersten drei Monaten sei es je nach Impfung eine Abwägungssache. Und kurz vor Operationen versucht man darauf zu verzichten, wobei es wissenschaftlich gesehen eigentlich nicht einmal einen Grund gibt.

Quelle: RPO

 
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