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  Foto: ddp

Deutscher Venentag: Wenn Adern die Gesundheit gefährden

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 15.05.2011 - 18:39

Hilden (RPO). Blaue Dellen unter der Haut – für viele ist mit diesen deutlichen Veränderungen auf den Beinen die Zeit für Röcke und Shorts vorbei. Krampfadern aber sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Wer sie ignoriert, der hat einen langen Weg mit Schmerzen vor sich und gefährdet seine Gesundheit.

90 Prozent der erwachsenen Deutschen haben Veränderungen am Venensystem, so die Ergebnisse einer großen Gesundheitsstudie, die die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie durch die Universitäts- und Hautklinik Bonn durchführen ließ. "Bereits 30 Prozent der 14-Jährigen sollen schon Venenschwäche haben", erklärt Petra Hager-Häusler, Geschäftsführerin der Deutschen Venenliga. Darum hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, auf die Volkskrankheit Krampfadern hinzuweisen. Denn wer das Problem nicht ignoriert und rechtzeitig zum Venenfacharzt, dem Phlebologen geht, der kann von weitaus schonenderen Behandlungsmethoden profitieren als jener, der unter langem Hosenbein jahrelang den Schmerz und den unschönen Anblick erträgt.

Wann der Venenfacharzt ruft

Lange bevor sich die Krampfadern unschön unter der Haut zeigen, gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass man selbst zu den Risikopatienten zählt: Häufiger geschwollene Füße, müde, schwere oder schmerzende Beine, auch Besenreiser können als millimeterdünne lila-rote Äderchen unter der Haut schon erste Vorboten sein. Später zeigen sich gestaute Hautvenen dann gerne an den Knöcheln, wie Dr. Birgitt Schmauder-Cyba, Phlebologin in der Capio Klinik in Hilden, erklärt. Wer Veränderungen an den Beinen feststellt, der sollte sich auf den Weg zum Venenfacharzt machen, denn bei tiefer liegenden Stamm- und Verbindungsvenen kann man Krampfadern mit dem bloßen Auge nicht erkennen.

So entstehen Krampfadern

Varizen, wie der medizinische Fachausdruck für das Leiden heißt, entstehen durch eine angeborene Schwäche des Bindegewebes. Diese führt zu einer Funktionsstörung der Venenklappen, die in den Venen ähnlich wie Ventile dafür sorgen, dass Blut entgegen der Schwerkraft durch sie hindurch zum Herzen zurückfließen kann. Mit einer beachtlichen Leistung pumpt das Herz zeitlebens täglich rund 7000 Liter Blut aus den Beinen rund anderthalb Meter nach oben zurück zum Herzen. Unterstützt werden die Venenklappen bei der harten Arbeit durch die Beinmuskulatur. Durch die Bewegung des Beines werden die Muskeln angespannt und drücken auf die Venen. Der Rückfluss zum Herzen wird auf diese Weise unterstützt. Sind die Venenklappen defekt und schließen nicht mehr richtig, staut sich das Blut in den erweiterten Venen, den Krampfadern. Hier lesen Sie, was man sonst noch über seine Venen wissen sollte.

Bewegung und Abnehmen entlasten Venen

"Wer viel steht, sitzt oder übergewichtig ist und sich zu wenig bewegt, der forciert das Problem", erklärt Birgitt Schmauder-Cyba. Menschen, die also stehende Berufe ausüben sind ebenso prädestiniert Krampfadern zu entwickeln wie Schreibtischtäter. Den Bürotätigen empfiehlt sie, hin und wieder mal aufzustehen oder unter dem Schreibtisch die Füße kreisen oder wippen zu lassen. Betroffene und Risikopatienten können also selber etwas tun, um den Abfluss des Blutes aus den Venen zu unterstützen. Regelmäßige Bewegung und Abspecken bei Übergewicht sind hilfreich, denn schon bei einem Body-Mass-Index von 27, also leichtem Übergewicht, ist das Risiko an den Venen zu erkranken nach der Bonner Studie erhöht.

Diese Sportarten tun den Venen gut

Auch, wenn Bewegung grundsätzlich natürlich gesundheitsförderlich ist, gibt es bei venenkranken Patienten Sportarten, die ungünstig sind. Solche, die abrupte Bewegungen und Stoppmanöver erfordern – wie Tennis und Squash – oder Sportarten, bei denen sehr in den Bauch gepresst wird, wie beim Kraftsport sollten Venenkranke besser meiden, darauf weist die Krefelder Gemeinschaftspraxis für Gefäßmedizin hin. Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Walken, die hingegen die Muskelpumpe anregen, tun auch den Venen gut.

Das, was mit müden Beinen beginnt, kann unbehandelt in stark geschwollenen Beinen, gelblich-bräunlichen Hautverfärbungen, die sich verhärtet anfühlen, und nächtlichen Wadenkrämpfen enden. Ohne rechtzeitige Therapie kann dieses fortgeschrittene Krampfaderleiden zu entzündeten Venen und offenen Beinen führen. Staut sich das Blut in Beinen und Füßen, kommt es zu einer Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Die Haut wird dünn, hart und verletzlich. Das Gewebe ist so geschädigt, dass kleinste Verletzungen schlecht verheilen und sich dadurch Unterschenkelgeschwüre bilden. Deren Behandlung ist nach Informationen der Venenspezialistin des Capio-Venenzentrums Nordrhein-Westfalen aufwändig und langwierig.

Thrombose - Gefahr in Verzug

Eine weitere Gefahr, die Krampfadern mit sich bringen, ist die Thrombose in den tiefen Beinvenen. Bildet sich in den Venen ein Blutgerinnsel, kann sich dieses lösen und mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lungenarterien gelangen und so zu einer Lungenembolie führen. In jedem Fall empfiehlt die Phlebologin aus der Hildener Klinik, schon leichte Probleme mit den Venen ärztlich abklären zu lassen. Dann kann man mit schonenden Verfahren frühzeitig etwas unternehmen und schlimmen Folgen vorbeugen. Besonders Männer nämlich, die statistisch weniger oft betroffen sind, verbergen ihr Venenleiden unter langem Beinkleid, bis es nicht mehr geht, weiß Brigitte Schmauder-Cyba aus ihrer beruflichen Praxis.

Verursachen die kranken Venen nur hin und wieder Beschwerden, können Stütz- und Kompressionsstrümpfe helfen. Bei kleinen erweiterten Venen, den Besenreisern kann man abwarten, weil sie grundsätzlich nur ein kosmetisches Problem darstellen. Mag man sie nicht dulden, besteht die Möglichkeit, sie mit einer Verödungs- oder Lasertherapie entfernen zu lassen. Allerdings auf eigene Kosten. Zudem sind meist mehrere Behandlungen nötig.

Früh reagiert - leichter behandelt

Je nach Befund ist es bei größeren Krampfadern unter einer örtlichen Betäubung möglich, die betroffenen Gefäße mit der Radiowellentherapie thermisch zu verschließen. "Die Patienten sind schnell wieder im Alltagsleben, weil das Verfahren sehr schonend ist", erklärt Schmauder-Cyba. Bei stark ausgeprägten Krampfadern ist es häufig nur noch möglich nach konservativem Verfahren eine Stripping-Operation durchzuführen. Hierbei werden nach Informationen des Venenzentrums Wiesbaden in örtlicher Betäubung, selten auch in Vollnarkose, die erkrankten Venen über kleinste Hautschnitte mit einer Sonde aus dem Bein herausgezogen.

Im Abwarten üben sollten sich bei Krampfadern lediglich Schwangere. Die können gerade bei mehrfachen Schwangerschaften durch das gelockerte Bindegewebe, die erhöhte Blutmenge und das zusätzliche Gewicht Krampfadern bilden. „Diese bilden sich als einzige Form der Varizen zum Teil von selbst zurück“, erklärt die Hildener Venenspezialistin.

Was nach einer Venenbehandlung bleibt, ist die Hoffnung auf dauerhafte Besserung. Die genetische Veranlagung bleibt nämlich und in der Regel hat man auch auf berufliche Einflussfaktoren wie langes Stehen oder Sitzen wenig Einfluss. Hier lesen Sie aber, was man selbst aktiv tun kann, um der Krampfader-Bildung vorzubeugen.


 
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