Foto: Manfred Rhode/HZI
Was Sie über Bakterien und Resistenzen wissen sollten
Seit es den Menschen gibt, trägt er Bakterien und Viren, Pilze und Parasiten mit sich, auf seiner Haut, im Mund und im Darm. Die allermeisten Mikroben sind für den Menschen harmlos. Viele sind sogar nützlich. Nur die wenigsten machen krank – dann aber können sie zur Geißel werden. Antibiotika sind die mächtigste Waffe im Kampf gegen Infektionen. Doch immer mehr Bakterien sind resistent, das wichtige Medikament wird wirkungslos. Hier finden Sie zehn Fakten über Bakterien, Resistenzen und Antibiotika.
Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Robert-Koch-Institut
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Wichtige Erregertypen
Bakterien, Viren und Parasiten sind die wichtigsten drei Erregertypen. Auf einen Zentimeter passen 1000 bis 10.000 Bakterien. Sie besitzen lange, rotrierende Geißeln, mit denen sie sich fortbewegen.
Viren sind 50-mal kleiner als Baterien. Sie können sich nicht alleine vermehren, sondern benötigen dazu eine infizierte Wirtszelle.
Parasiten sind größer und komplexer als Bakterien. Sie haben einen Zellkern. Auch vielzellige Organismen, wie zum Beispiel der Bandwurm, zählen zu den Parasiten.
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Rund 200 Bakterienspezies machen krank
Bakterien bevölkern die Erde seit Jahrmilliarden und sind im Laufe der Evolution in verschiedensten ökologischen Nischen heimisch geworden. Mehrere Millionen unterschiedlicher Bakterienspezies gibt es, so schätzen die Experten. Nur rund 5000 von ihnen sind bekannt, rund 200 von ihnen machen krank.
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Wie entwickeln Bakterien eine Resistenz?
Bakterien sind erfindungsreiche Lebewesen. Setzt man Antibiotika gegen sie ein, finden die Mikroben oft einen Weg, sich dagegen zu schützen. Sie können ihren Stoffwechsel umstellen, Schutzmechanismen aktivieren und Resistenzgene austauschen. Dabei können sich die Resistenzgene über besondere Austauschmechanismen auch auf andere Mikrobenstämme verbreiten. Ist der Antibiotika-Einsatz wie in Kliniken hoch, genießen resistente Erreger einen Überlebensvorteil vor ihren Artgenossen
und vermehren sich besonders gut.
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Mehr Menschen als gedacht tragen MRSA in sich
Oft bleibt der MRSA-Keim - wie auch andere Erreger - unerkannt. Ärzte und Wissenschaftler des Städtischen Klinikums Braunschweig und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung fanden heraus, dass weitaus mehr Menschen mit Keimen wie zum Beispiel MRSA infiziert sind als angenommen. Sie untersuchten fast 2.000 alte Menschen in Altenheimen und fanden in fast allen Einrichtungen den Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. In 139 Proben fanden die Wissenschaftler MRSA-Keime, obgleich in den Heimen vor den Untersuchungen nur 24 Bewohner als Träger von MRSA bekannt waren.
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Gefährliche Erreger
In den vergangenen Jahrzehnten sind immer wieder neue Infektionserreger aufgetreten, etwa Bakterium Legionella pneumophila, das die Legionärskrankheit verursacht (1977), der Erreger der Borreliose, Borrelia burgdorferi (1982), HIV (1983), Helicobacter pylori als Ursache von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren (1983), SARS (2003) oder das neue Influenzavirus H1N1/2009 („Schweinegrippe“, 2009).
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Welche Probleme noch gelöst werden wollen
Gegen die drei Krankheitserreger mit den meisten Todesopfern weltweit – HI-Viren, Malaria-Parasiten und Tuberkulose-Bakterien - gibt es keine wirksamen Impfstoffe. Gegen viele virale Infektionen gibt es noch keine Behandlungsmöglichkeiten. Resistenzen, die Bakterien entwickeln, beschränken zunehmend die Wirkung von Antibiotika.
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Alte Wirkstofftypen
Ob bei Bakterien, die Lungenentzündungen hervorrufen können oder Tuberkulose, ihre Resistenz gegen Antibiotika werden zur Bedrohung für den Menschen. Im Wettlauf mit den Mikroben wird nach neuen Antibiotika geforscht. Denn fast alle heutigen Antibiotika gehen auf die Wirkstofftypen zurück, die zwischen 1930 und 1960 entdeckt wurden.
Obwohl die Genome sämtlicher wichtiger Krankheitserreger bekannt sind, hat das noch zu keinem nennenswerten Fortschritt in der Entwicklung von Antibiotika geführt.
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Warum die Forschung lahmt
Viele Pharmaunternehmen haben sich aus der aufwändigen Forschung zurückgezogen. Denn Antibiotika werden im akuten Fall immer nur kurzfristig verabreicht. Es lässt sich damit also nicht so viel Geld verdienen wie mit Medikamenten, deren Einnahme dauerhaft notwendig ist.
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Unentdeckte Schätze der Natur
Manche Forschungsstrategien verfolgen ganz neue Richtungen. So werden zum Beispiel bereits bekannte Substanzen auf neue Einsatzmöglichkeiten hin getestet. So hat sich zum Beispiel der Frabstoff Methylenblau in aktuellen Studien als Mittel gegen Malaria erwiesen. Erstmals synthetisiert wurde der Stoff bereits 1876.
Ein Tuberkulosemedikament hingegen wurde aus Bodenbakterien entwickelt.