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Ihre Frauchen und Herrchen meist auch: Alles für die Katz': Immer mehr Haustiere zu fett

zuletzt aktualisiert: 07.07.2004 - 12:37

Berlin (rpo). Fettleibigkeit ist ein echtes Problem. Immer mehr Deutsche leiden darunter, vielfach bereits im Kindesalter: Fastfood, Süßigkeiten und mangelnde Bewegung fordern ihren Tribut. Aber es gibt noch eine weitere betroffene Gruppe: Haustiere. Viele Katzen, Hunde & Co sind viel zu dick - Herrchen und Frauchen meist auch.

Unglaubliche 18 Kilogramm wog Kater Mikesch, als er vor drei Monaten in ein Berliner Tierheim kam - gut das Dreifache des Körpergewichtes einer normalen Hauskatze. Selbst die erste Diät des völlig verfetteten Tiers, das sich aus eigener Kraft kaum noch fortbewegen konnte, sorgte für Schlagzeilen.

Nach Ansicht von Veterinärexperten ist Mikesch zwar ein Extrembeispiel, aber alles andere als ein Einzelfall: "Mindestens 40 bis 50 Prozent aller Tiere, die zur Untersuchung in die Veterinärpraxis gebracht werden, sind übergewichtig - wie ihre Besitzer", sagt Tierarzt und Fachbuchautor Wolf-Dieter Schmidt im ddp-Gespräch. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine europaweite Studie des britischen Futterhersteller Hill's Pet Nutrition.

Für Schmidt und seine Fachkollegen ist klar: Die falsche Ernährungs-und Lebensweise von Herrchen und Frauchen zeigt sich immer mehr auch bei den ach so geliebten Vierbeinern. Schmidt kennt das Spielchen aus 30 Jahren Tierarztpraxis: "Normalgewichtige Tierhalter haben fast nie übergewichtige Tiere."

Und wo die Selbstdisziplin fehlt, haben Hund und Katz' leichtes Spiel: "Die Tiere erziehen ihre Besitzer dazu, dass sie genau das in den Napf bekommen, was sie zu wollen." Das Gleiche gelte auch für die Portionsgröße und Extra-Snacks.

Das Ergebnis der falsch verstandenen Tierliebe: Herz- und Kreislaufprobleme, Schäden an Gelenken und Bändern, Beeinträchtigungen an inneren Organen. Auch die Diabetesrate bei Tieren steigt, wenn auch mit anderer Symptomatik: "Hunde verlieren an Gewicht, obwohl sie viel essen und trinken. Bei Katzen treten Appetitmangel und Erbrechen auf", erklärt Astrid Behr, Sprecherin des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte.

Behr nennt eine weitere schlechte Angewohnheit der Tierhalter -"dass sie das, was ihnen selber schmeckt, wie zum Beispiel Schokolade, auch den Tieren geben". Inhaltsstoffe wie Theobromin könnten zu Vergiftungen bei den Tieren führen. "Bei kleinen Hunden kann das sogar tödlich ausgehen", warnt Behr. Die britische Hundeschutzvereinigung "National Canine Defence League" hält 200 Gramm Schokolade, also eine Tafel, für mittelgroße Hunde für "potenziell tödlich".

In den USA, wo etwa die Hälfte der zweibeinigen Bevölkerung übergewichtig ist, treibt die Wellness-Industrie für Miezi und Bello bereits bizarr anmutende Blüten: Der Anbieter "Jog a dog" beispielsweise vertreibt Hundelaufbänder ab 1095 Dollar, stärkere Motoren gegen Aufpreis erhältlich.

Und viele Hundebesitzer freuen sich, dass sie gemeinsam mit ihrem Vierbeiner Fitnessübungen machen können - vor dem Fernseher, mit dem "Dogs can dance"-Video. Aber auch in Europa ist Wellness für Hunde im Trend: In den Niederlanden und der Schweiz gibt es "Aquadog": ein Fitnessclub für Hunde mit Schwimmbad.

Wolf-Dieter Schmidt kritisiert, dass auch hierzulande "eine ganze Industrie von der falschen Tierernährung lebtÖ". 22,8 Millionen Heimtiere gibt es in Deutschland, davon 7,3 Millionen Katzen und 5 Millionen Hunde sowie 5,9 Millionen Kleintiere wie Meerschweinchen, Hamster, Zwergkaninchen. Damit lässt sich viel Geld verdienen. Auf 2,2 Milliarden Euro beziffert der Industrieverband den jährlichen Umsatz mit Fertignahrung.

Auch die Folgen der Kastration würden von den Tierhaltern zumeist ignoriert: "Etwa zehn Prozent weniger Energie braucht ein kastriertes Tier, weil es sich weniger bewegt", rechnet Schmidt vor. Eine wirksame Abhilfe gegen Übergewicht biete eine fachliche Beratung per Ergogramm.

"Dabei wird errechnet, wie viel sich ein Tier bewegt und wie viel Futter es damit bekommen muss", so Schmidt. Von "Light-Produkten" für Tiere hält er nichts: "alles Geldverschwendung." Die Erfolgsquote der Ergogramme liege - bei entsprechenden Nachkontrollen - "bei 80 Prozent".


 
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