Kleinkinder: Antibiotika erhöhen Asthmarisiko
zuletzt aktualisiert: 14.03.2006 - 07:42Vancouver (rpo). Säuglinge, die mit Antibiotika behandelt werden, haben später ein höheres Risiko, an Asthma zu erkranken. Kanadische Wissenschaftler entdeckten, dass Kinder, die vor ihrem ersten Geburtstag mindestens einmal ein solches Mittel einnahmen, doppelt so häufig an der Atemwegserkrankung litten wie andere Kinder.
Über die Arbeit von Carlo Marra, Fawziah Marra und ihren Kollegen berichtet die Universität von British Columbia in Vancouver.
Die Forscher griffen zunächst auf sieben medizinische Studien zurück, die Daten von über 12.000 Kindern enthielten. Einige Kinder hatten im ersten Lebensjahr mindestens einmal Antibiotika bekommen, weil sie an Krankheiten wie Ohrentzündungen oder Bronchitis litten. Bei anderen Babys war eine Therapie mit solchen Medikamenten nicht notwendig gewesen. In dieser unbehandelten Gruppe trat Asthma während der Kindheit insgesamt nur halb so häufig auf wie bei den behandelten Studienteilnehmern.
Im zweiten Teil ihrer Analyse werteten die Wissenschaftler um Marra weitere fünf Studien aus, die sich mit der Wirkung mehrfacher Gaben von Antibiotika auf die Entwicklung von Asthma bei Kleinkindern beschäftigten. Dabei zeigte sich, dass mit jeder zusätzlichen Behandlung im ersten Lebensjahr das Risiko stieg, später an der Atemwegserkrankung zu leiden.
Antibiotika helfen gegen Infektionen, deren Auslöser Bakterien sind. Gegen virale Erkrankungen hingegen sind sie wirkungslos. "Bei Kindern werden sie häufig eingesetzt, um Ohrinfektionen, Infektionen der oberen Atemwege und Bronchitis zu behandeln", sagt Fawziah Marra. Die neuen Erkenntnisse legen einen vorsichtigen Umgang mit Antibiotika bei Kleinkindern nahe. Nicht jede Infektion erfordere solche Medikamente, kommentiert Fawziah Marra. Viele Erkrankungen des oberen Atemtrakts und Fälle von Bronchitis würden durch Viren hervorgerufen, weshalb Antibiotika hier sowieso nutzlos seien.
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