Studie: Hohes Risiko etwa in Bäckerei: Berufswahl beeinflusst Neurodermitis
zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 13:46München (RPO). Der berufliche Kontakt zu bestimmten Substanzen begünstigt die Fortentwicklung einer Neurodermitis bei Jugendlichen. Das hat eine Studie von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München mit fast 4.000 Probanden ergeben.
Sie wurden von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter regelmäßig hinsichtlich ihrer Hautprobleme und des beruflichen sowie umweltbedingten Kontakts mit Reizstoffen befragt. Den Forschern zufolge geben die Ergebnisse Allergologen ein Instrumentarium zur besseren Beratung der Patienten an die Hand - besonders in Hinsicht auf die Berufswahl. Zu den Hochrisikojobs zählten beispielsweise Arbeiten in der Bäckerei, als Reinigungskraft oder in der Krankenpflege.
Extremer Juckreiz ist typisch für die sogenannte atopische Dermatitis. Die auch als Neurodermitis bekannte Hauterkrankung tritt häufig schon bei Kleinkindern auf, kann in späteren Jahren aber auch wieder von selbst verschwinden. Die Haut eines Neurodermitikers ist sehr empfindlich und reagiert stark auf äußere Reize.
Vermutlich entsteht die Erkrankung aus einem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren. So sind etwa Tabakrauch und Hausstaub als Risikofaktoren nachgewiesen, während sich Geschwister oder sonstiger Kontakt zu anderen Kindern positiv auswirken. Neurodermitis ist in den Industriestaaten auf dem Vormarsch und betrifft nach manchen Schätzungen bis zu 20 Prozent aller europäischen Kinder.
Daten von 4000 Probanden
Eine kritische Phase im Krankheitsverlauf ist oft die Pubertät. Einige Betroffene heilen in dieser Zeit spontan, während es bei anderen zu einer deutlichen Verschlechterung kommt. "Es ist bekannt, dass berufliche Faktoren eine Rolle spielen", berichtet Katja Radon. "Es gab aber noch keine Möglichkeit, den Verlauf der Erkrankung in späteren Jahren mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen."
In die Untersuchung der Wissenschaftler flossen die Daten von fast 4000 Probanden ein. So konnte der natürliche Verlauf einer Neurodermitis im Alter von neun bis elf und 16 bis 20 Jahren bestimmt werden. Außerdem beurteilten die Forscher Risikofaktoren in Hinsicht auf das Auftreten, das erneute Auftreten oder das Bestehen der Erkrankung im Verlauf der Adoleszenz.
Etwa sieben Prozent aller Teilnehmer entwickelten eine Neurodermitis erst als Heranwachsende. Mädchen trugen ein höheres Risiko, in den Teenagerjahren zu erkranken, während unter den Kindern Jungen verstärkt betroffen sind.
"Besonders wichtig war, dass Risikofaktoren der Säuglings- und Kinderjahre generell deutlich an Einfluss verlieren", sagt Astrid Peters. "Dazu gehört unter anderem, dass ein Kind nicht gestillt wurde, keine Geschwister hat und keinen Kindergarten besucht." In der Adoleszenz scheine hingegen der beruflich bedingte Kontakt zu reizenden Substanzen besonders bedeutend zu sein. "Allergologen sollten diese Ergebnisse berücksichtigen, wenn sie Neurodermitiker bei deren Berufswahl beraten", betont Peters.
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