Schlaue Taktik bei weiblichen Bootsmannfischen: Besser hören mit Hormonen
zuletzt aktualisiert: 16.07.2004 - 14:54Washington (rpo). Die männlichen Bootsmannfische geben ein permanentes Liebesgesäusel von sich. Damit die Weibchen davon nicht dauerhaft genervt werden, haben sie sich einen Trick einfallen lassen. Sie hören das Lock-Gebrumme nur während ihrer fruchtbaren Tage.
Der Anstieg des Hormonspiegels zu dieser Zeit verändert die Struktur des Innenohrs und macht sie so empfänglich für die Vibrationen, mit denen die Männchen ihre Paarungsbereitschaft signalisieren.
Das berichten Joseph Sisneros und seine Kollegen von der Cornell-Universität in Ithaca in der Fachzeitschrift "Science" (Bd. 305, S. 404). Nach Ansicht der Forscher könnte auch beim Menschen ein Zusammenhang zwischen Hormonspiegel und Hörfähigkeit existieren und beispielsweise den Hörverlust im Alter erklären.
Die Männchen der Bootsmannfische sind sehr ausdauernde Sänger. Wenn sie im seichten Wasser der Küstenbereiche ein Nest für ihre zukünftige Partnerin gebaut haben, tun sie dies durch ein langanhaltendes lautes Summen kund.
Doch es gibt ein gewisses Kommunikationsproblem zwischen Männchen und Weibchen: Die Weibchen können in dem Frequenzbereich, in dem die Männchen ihre Liebesgesänge aussenden, nicht besonders gut hören.
Das ändert sich jedoch, wenn die Menge des Geschlechtshormons Östradiol ansteigt, fanden Sisneros und seine Kollegen heraus. Die Wissenschaftler entnahmen einigen Weibchen die Eierstöcke und platzierten statt dessen Implantate im Körper der Fische, mit denen definierte Hormonmengen freigesetzt werden konnten.
Tatsächlich veränderte sich das Hörvermögen der Tiere, wenn sie mehr Östradiol im Körper hatten. Sie konnten dann hohe Frequenzen weit besser wahrnehmen als ohne den Hormonschub - und waren damit viel empfänglicher für den lockenden Gesang ihrer Verehrer.
Auch im menschlichen Innenohr gibt es Andockstellen für Geschlechtshormone, deren Funktion bislang jedoch völlig unbekannt war. Möglicherweise gibt es beim Menschen einen ähnlichen Mechanismus, bei dem Hormone die Wahrnehmungsfähigkeit hoher Frequenzen beeinflussen, sagen die Forscher. Auf diese Weise könnte beispielsweise erklärt werden, warum Menschen im Alter, wenn ihre Hormonproduktion abnimmt, zuerst die hohen Töne nicht mehr hören können.
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