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Gesundheitsgefahr aus dem Supermarkt: Chemisch belastete Kassenzettel

VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 28.08.2010 - 10:54

(RP). Kassenzettel gehören zum Alltag wie das Einkaufen selbst. Doch laut einer aktuellen Studie sind sie nicht unproblematisch: Sie enthalten die Chemikalie Bisphenol A (BPA), und die wirkt im menschlichen Körper wie ein Hormon. Eine Untersuchung brachte heraus, das Kassenbons bis zu 1,5 Prozent BPA enthalten.

Viele Kassenzettel enthalten die Chemikalie BPA.  Foto: AP, AP
Viele Kassenzettel enthalten die Chemikalie BPA. Foto: AP, AP

Es befindet sich vor allem in der thermosensiblen Oberfläche, wo sein Anteil sogar bis zu 20 Prozent betragen kann. Immerhin: Kassenzettel von Rewe sind unbelastet, das Unternehmen hat vor einem halben Jahr auf BPA-freie Bons umgestellt. Andere Handelsketten wollen nun diesem Beispiel folgen.

Bisphenol A wird schon länger in Thermopapier wie den Kassenbons verwendet, es reagiert bei Hitze mit anderen Bestandteilen des Papiers, so dass sich die für uns sichtbare Schrift entwickeln kann. „Kassiererinnen und Verbraucher kommen in Kontakt mit der Chemikalie“, warnt Manfred Krautter von Eco-Aid, einem auf Produktsicherheit spezialisierten Unternehmen. Außerdem sei eine Belastung der Innenraumluft denkbar, weil in Supermärkten und Discountern viele Kassenzettel ausgedruckt werden.

Allein in den EU-Ländern werden jährlich etwa 1,2 Millionen Tonnen BPA verarbeitet. Die Substanz ist Hauptbestandteil des Kunststoffs Polycarbonat, aus dem feste Getränkeflaschen, Mikrowellengeschirr, Schnuller und Babyfläschchen gefertigt werden, man findet sie aber auch in Beschichtungen für Konserven- und Getränkedosen. Normalerweise ist sie relativ stabil, doch Säuren aus Lebensmitteln, aber auch Schweiß und Speichel können sie aus ihrem chemischen Verbund lösen und in den Körper einschleusen. Die Umweltschützer des BUND fanden heraus, dass schon eine Stunde Nuckeln an einem BPA-haltigen Schnuller ausreicht, um zehn Mikrogramm der Substanz auf einen Liter Speichel abzugeben.

BPA wirkt im menschlichen Körper ähnlich wie Östrogen. Jochen Flasbarth vom Umweltbundesamt betont zwar, dass BPA „weniger potent“ sei als das natürliche Hormon, doch seine Wirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit seien bekannt. So wurden bei Männern aus Betrieben, in denen BPA verarbeitet wird, vermehrt Libido- und Erektionsstörungen gefunden.

BPA wirkt aber wohl auch aufs Körpergewicht. Vermutlich, weil es den Appetit und den Fettstoffwechsel beeinflusst. Neurobiologe Frederick vom Saal von der Universität von Missouri ermittelte in einer Studie, dass Frauen mit hohem BPA-Gehalt im Blut dicker sind als diejenigen, die niedrige Werte zeigen. Auch die Kinder von stark belasteten Frauen sind schwerer als die der unbelasteten. Der Würzburger Toxikologe Gilbert Schönfelder konnte nachweisen, dass schwangere Frauen BPA über die Nabelschnur an das ungeborene Kind abgeben. Andere Studien geben Hinweise darauf, dass die Substanz Krebs und Diabetes auslösen könnte, und das möglicherweise schon in geringen Dosierungen.

„Die vorliegenden Kenntnisse sollten ausreichen, die Verwendung bestimmter BPA-haltiger Produkte vorsorglich zu beschränken“, betont Flasbarth. Einige Länder gehen bereits gegen BPA vor. So dürfen in Kanada bereits seit 2008 keine BPA-haltigen Babyflaschen verkauft werden, in Dänemark wird die Substanz ab Juli in allen Materialien verboten sein, die mit Nahrung für Kleinkinder in Kontakt kommen.

Doch bei der Kunststoffindustrie besteht nur wenig Neigung, auf BPA zu verzichten. Jasmin Bird vom Verband der europäischen Plastikhersteller hält den Stoff nach wie vor für unbedenklich, er zähle zu „den am besten untersuchten Substanzen überhaupt“.

Quelle: RP

 
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