Frankreich: Chikungunya-Fieber hat Europa erreicht
zuletzt aktualisiert: 27.02.2006 - 12:10Saint-Denis-de-la-Reunion (rpo). Wie der französische Gesundheitsminister Xavier Bertrand am Montag bestätigte, hat das auf der französischen Insel La Reúnion grassierende Chikungunya-Fieber nun auch Europa erreicht. Dabei handele es sich um Reisende, die nach einem Aufenthalt im Indischen Ozean das Fieber mit nach Frankreich gebracht hätten.
Bertrand, der zusammen mit Premierminister Dominique de Villepin auf die Insel vor Ostafrika gereist war, betonte, eine Übertragung in Frankreich selbst sei nicht bekannt, weil es dort "zur Zeit" keine Mücken gebe, die das Virus verbreiten könnten.
Chikungunya (Kisuaheli für "der gekrümmt Gehende") wird durch ein von der Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragenes Virus ausgelöst. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Allerdings hat sich die Asiatische Tigermücke in den vergangenen Jahren in mehreren europäischen Ländern etabliert, darunter Frankreich und Italien.
An Chikungunya Infizierte leiden teils wochen-, in schweren Fällen auch monatelang unter Hautausschlägen, hohem Fieber, Gelenk- und Gliederschmerzen. Das Fieber galt ursprünglich als nicht tödlich. Inzwischen werden von Paris aber 77 Todesfälle "direkt und indirekt" mit Chikungunya in Verbindung gebracht. Ein Heilmittel gibt es nicht.
Erste Chikungunya-Fälle auf La Réunion waren vor einem Jahr aufgetreten. Seitdem sind 157.000 Menschen an dem Fieber erkrankt. Dies entspricht einem Fünftel der Bevölkerung auf der Hochgebirgsinsel, auf der rund 775.000 Menschen leben. Auch von der französischen Insel Mayotte, von Madagaskar, Mauritius und den Seychellen wurden Krankheitsfälle gemeldet.
Der französische Sozialisten-Chef François Hollande warf der bürgerlichen Regierung vor, die Epidemie monatelang vernachlässigt zu haben. Es habe "eine unerträgliche Gleichgültigkeit" gegeben, sagte er im Fernsehsender Europe 1 am Sonntagabend. "Noch im Januar hat der Gesundheitsminister gesagt: 'Das ist keine tödliche Krankheit'". Nun gebe es 77 Tote, erinnerte Hollande.
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