Dr. Mark Oette: Der Film ist voll von schlecht recherchierten Details
zuletzt aktualisiert: 22.03.2007 - 16:33Für diese Folge der Serie wäre die Überschrift "Den Anus bitte ganz locker lassen" geeignet. So fällt auch meine Beurteilung aus. Eine sehr unterhaltsame Sendung für Leute, die sich von einem zynischen Chefarzt im "Death Valley"-T-Shirt beeindrucken lassen wollen, der überall einschläft.
Medizinisch ist jedoch fast nichts korrekt gewesen. Ich verstehe auch nicht, dass - wenn man schon eine extrem seltene Krankheit wie Beulenpest recherchiert hat - auch noch versucht, eine noch seltenere Unterform (mit Schlafstörungen, die absurd schienen) zu präsentieren. Die Pest (in ihrer Form als Beulenpest) geht mit schwerem Krankheitsgefühl und schmerzhaften Lymphknoten einher, die fehlten hier völlig. Und selbst mit diesen Symptomen wäre es schon schwierig genug, die korrekte Diagnose zu finden.
Dann ereilte die Patientin nach der Schlaflosigkeit auch noch ein Leberversagen, und ihr Überleben wurde auf weitere sechs Stunden beziffert. Das ist völliger Nonsens. Auch die Tatsache, dass bei "Dr. House" eine Lebertransplantation schneller vonstatten geht als banale Laboruntersuchungen, unterstreicht die völlige Ahnungslosigkeit der Filmmacher. Schließlich ist der Film voll von schlecht recherchierten Details, wie etwa das dilettantische Einführen des Bronchoskops (Gerät zum Lungenspiegeln) in den Mund bei der Patientin, die nicht betäubt wird. Wir machen das, ohne dass die Patienten leiden oder etwas spüren. So wird Angst vor der Medizin erzeugt.
Insgesamt ein sehr ärgerlicher Film, der fachlich erhebliche Mängel aufweist.
Dr. Mark Oette ist Oberarzt für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Universitätsklinik Düsseldorf.
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