EHEC-Infektionen höchstwahrscheinlich durch Sprossen: Deutsche dürfen wieder Tomaten, Gurken und Salat essen
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 10.06.2011 - 11:20Berlin (RPO). Die angesichts der EHEC-Epidemie ausgesprochene Warnung vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Salat ist am Freitag aufgehoben werden. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI), das Amt für Verbraucherschutz und das Amt für Risikobewertung soeben auf einer Pressekonferenz mit. Die Warnung vor dem Verzehr von rohen Sprossen gilt demnach aber weiter.
Nach Angaben von Burger seien viele Befragte nach dem Besuch eines Restaurants erkrankt. Mithilfe von Menu-Plänen und Fotos sei festgestellt worden, dass 100 Prozent der befragten Erkrankten Sprossen in den Restaurants verzehrt hatten. Die Betroffenen, die die Sprossen gegessen hatten, hätten ein neunfach höheres Risiko der Erkrankung. Die Spur führe auf jenen Bauernhof in Niedersachsen, der bereits in den vergangenen Tagen in Verdacht stand. Die Proben, die dort genommen worden waren, seien aber negativ gewesen.
Burger betonte aber auch: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei, es werden noch weitere Fälle auftreten." Möglich sei, dass die Quelle nicht mehr existent sei, möglich sei aber auch, dass die Verzehrempfehlungen gewirkt hätten oder dass die ursprüngliche Infektionsquelle nicht mehr existiere. Daher empfehle das RKI weiter, die Hygieneregeln einzuhalten. "Das ist ein Gebot der Stunde", so Burger.
Weiter Warnung vor Sprossen
Andreas Hensel vom BfR erklärte, man komme zum gemeinsamen Entschluss, dass die allgemeine Verzehrempfehlung hinsichtlich von Tomaten, Gurken und Salaten nicht mehr aufrecht erhalten werden muss. Man könne sie wieder uneingeschränkt und mit Genuss verzehren. Hensel betonte später in der Pressekonferenz noch einmal, dass diese Gemüsesorten wieder verzehrt werden sollten, "weil sie gesund sind".
Die Behörden hatten aufgrund ihrer bisherigen Erkenntnisse, die auf Befragungen von EHEC-Erkrankten beruhten, vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Salaten gewarnt. Die Sprossen von dem Erzeuger im Landkreis Uelzen waren nach einer Überprüfung der Lieferwege unter EHEC-Verdacht geraten. "Es läuft alles auf diesen Betrieb hinaus, es läuft alles auf Sprossen hinaus", sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Der Labornachweis fehle aber.
Die Niederlande hatten am Donnerstag eine Rückrufaktion für Rote-Beete-Sprossen gestartet, nachdem auf dem Produkt eines holländischen Betriebs Spuren von EHEC-Bakterien nachgewiesen worden waren. Allerdings habe es sich dabei um einen weit weniger gefährlichen Stamm gehandelt.
Mensch als Überträger
Bei der Suche nach der Quelle des gefährlichen EHEC-Erregers gehen Behörden offenbar erstmals davon aus, dass der Keim möglicherweise auch von Menschen übertragen wurde. Einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge könnte eine mit EHEC infizierte Angehörige einer Cateringfirma dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste eine Festgesellschaft in Göttingen an EHEC erkrankten. Die Zeitung beruft sich auf entsprechende Erkenntnisse von hessischen Behörden.
"Wir haben Hinweise darauf, dass es sich in diesem Fall um eine Infektion vom Menschen handeln könnte", zitiert die Zeitung eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums. Demnach hatte sich eine enge Verwandte des Cateringbetreibers aus dem Kreis Kassel, der die Geburtstagsfeier in Göttingen mit Essen beliefert hatte, zuvor in einer Kantine in Frankfurt mit dem Darmerreger infiziert. Die Behörden prüfen nun, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben, berichtet die Zeitung.
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Kantine in Frankfurt, die als eine der Ausbruchsschwerpunkte der Epidemie gilt, von dem mittlerweile wegen EHEC-Verdachts gesperrten Sprossenproduzenten aus dem niedersächsischen Landkreis Uelzen beliefert worden war.
BKA schließt Bio-Terroranschlag aus
Das Bundeskriminalamt (BKA) schließt einen terroristischen Hintergrund für die in Deutschland grassierende EHEC-Erkrankungswelle aus. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte vor dem Hintergrund der gefährlichen Darmkeim-Infektionenen dem Nachrichtenmagazin "Focus", es gebe "keinerlei Anzeichen, die auf einen terroristischen Hintergrund hindeuten". Anderslautende Mutmaßungen seien unzutreffend: "Das sind Verschwörungstheorien."
Der BKA-Präsident sieht derzeit keine Gefahr von Terrorangriffen mit Bakterien, Viren oder Gift. "Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass derartige Szenarien im Moment in Deutschland realisiert werden könnten", sagte Ziercke. Grundsätzlich sei jedoch der Bioterrorismus ein Thema, dem sich die Sicherheitsbehörden intensiv widmeten. "Es gab in der Vergangenheit immer wieder Anhaltspunkte dafür, dass sich Terrororganisationen vereinzelt mit der Beschaffung biologischer Stoffe beschäftigt haben, letztendlich aber ohne Erfolg", sagte der BKA-Chef.
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