Gen stillgelegt: Deutsche Forscher entdecken Ansatz für BSE-Therapie
zuletzt aktualisiert: 02.12.2006 - 22:46Ann Arbor (RPO). Deutsche Wissenschaftler haben einen Ansatz gefunden, um in Zukunft Krankheiten wie BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit behandeln zu können. Sie haben es geschafft, ein Gen stillzulegen, dass an der Entstehung der Krankheit beteiligt ist.
Die Forscher legen dabei das Gen still, das die Information für die Produktion des Eiweißes enthält, das bei diesen Krankheiten gefaltet ist und daher die tödlichen Symptome auslöst. In Experimenten mit an Scrapie erkrankten Mäusen konnten die Forscher die Lebenserwartung der Tiere deutlich verlängern. Ihre Ergebnisse schildern die Forscher um Hans Kretzschmar von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Alexander Pfeifer von der Universität in Bonn gemeinsam mit ihren Kollegen vom Max-Planck-Institut in Martinsried im Fachmagazin "Journal of Clinical Investigation".
Prionen sind die gefährlichen Zwillingsgeschwister von Eiweißen, die natürlicherweise in gesunden Organismen vorkommen. Das Eiweiß PrP-C beispielsweise kommt in Tieren vor und wirkt dort als Schutz gegen Schlaganfälle. Das Prioneiweiß Prp-C unterscheidet sich vom gesunden PrP-C lediglich durch die Form: Das Prion ist in krankhafter Weise gefaltet und kann dadurch Nervenzellen im Gehirn schädigen. Dadurch werden die schweren und letztlich tödlichen Symptome von Prionenkrankheiten ausgelöst. Trifft ein solches Prion auf ein gesundes Eiweiß PrP-C, so verändert es auch dessen Form und macht aus ihm gleichfalls einen Erreger. So können sich die Prionen und damit die Krankheit in einer Kettenreaktion im Körper ausbreiten.
Diese Kettenreaktion wollen die Wissenschaftler nun durchbrechen, indem sie die Produktion des gesunden Eiweißes PrP-C unterbinden. Dies kann dadurch geschehen, indem sie das dafür verantwortliche Gen zum Schweigen bringen: Es kann dann nicht mehr abgelesen werden, so dass die Information für die Herstellung von Prp-C nicht mehr verfügbar ist. Ein solches Verfahren zum Stilllegen von Genen haben die beiden amerikanischen Wissenschaftler Craig Mello und Andrew Fire vor einigen Jahren entwickelt und erhielten dafür in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin.
Die deutschen Wissenschaftler setzten den Ansatz zunächst in Zellkulturen um: Mithilfe kleiner Erbgutschnipsel, so genannter siRNAs, konnten sie die PrP-C-Produktion von Nervenzellen um 97 Prozent drosseln. Für die Tests an lebenden Mäusen müsse das für die Produktion von siRNA verantwortliche Gen eingeschmuggelt werden, erklärt Kretschmar. Alle Zellen konnten auf diese Weise nicht erreicht werden, doch das Verfahren reichte aus, um die Lebenserwartung der Tiere von Durchschnittlich 165 Tagen auf 230 Tage zu steigern.
"Auch wenn dieser Ansatz für eine Therapie von Scrapie, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder BSE viel versprechend ist, wird es noch Jahre dauern, bis das Verfahren an Menschen angewandt werden kann", dämpft Pfeifer die Erwartungen. Vorstellbar sei jedoch auch, Vieh zu züchten, das kein PrP-C produzieren kann und daher immun gegen BSE wäre.
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