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Plötzlich zehn Grad kälter: Dieses Wetter macht krank

VON MARGIT MERTENS - zuletzt aktualisiert: 07.07.2009 - 10:11

Düsseldorf (RP). Bis Mittwoch rechnen Meteorologen mit einer Abkühlung um zehn Grad. Besonders chronisch Kranke und alte Menschen leiden unter der plötzlichen Wetter-Veränderung. Ein Überblick, wie der Körper reagiert und welche Krankheiten verstärkt Probleme bereiten.

Manche zogen zum Schlafen auf Balkon oder Terrasse, andere verlegten ihr Büro an den Rhein und suchten mit Laptop und Handy einen luftigen Schattenplatz. Wieder andere nahmen trotz Hitze ein Sonnenbad. Doch die Schwüle der vergangenen Woche ist "Schnee von gestern".

Bis Mittwoch fallen die Temperaturen innerhalb kurzer Zeit um zehn Grad. Diese plötzlichen Schwankungen bereiten vielen Menschen Probleme. "Der jetzige Umschwung ist zwar nicht so gravierend", meint Christina Koppe, Medizin-Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg.

Generell jedoch bedeuten Temperaturumstellungen immer eine Belastung für den Körper, besonders für den Kreislauf. "Der Körper muss sich ständig neu darauf einstellen oder zurückgewöhnen", erklärt Koppe. Das strengt an. Wenn innerhalb weniger Stunden das Thermometer um zehn Grad fällt, kommt der Kreislauf nicht mit. "Wenn es warm ist, versucht der Körper Wärme abzugeben, wenn es kalt ist, versucht er, sie zu behalten." Bei großer Hitze weiten sich die Blutgefäße, haben ein größeres Volumen, und das Herz muss mehr pumpen, um den Druck aufrechtzuerhalten.

Info

Klima im Körper

Die Biomaschine Mensch verfügt über ein geniales Kühlsystem.

30000 Temperaturfühler auf der Haut senden ihre Messergebnisse an das Zwischenhirn. Bei Kälte befiehlt es den Muskeln zu zittern, bei Hitze den Hautgefäßen, sich zu weiten.

Das Blut transportiert die Hitze in die Außenhaut, wo sie abgestrahlt wird. Reicht das nicht aus, müssen die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen Wasser aus dem Blut zu pumpen.

Probleme mit dem Kreislauf

Das bereitet Menschen mit niedrigem Blutdruck Probleme, beispielsweise Kreislaufstörungen. Sinkt die Temperatur rasch, ziehen sich die Gefäße zusammen, der Druck muss wieder angepasst werden, das fällt Hochdruckpatienten schwer. Mit Temperatur hat der menschliche Organismus nämlich ein Problem, er funktioniert nur reibungslos bei einer Körperwärme von 37 Grad. Bereits ein geringer Anstieg führt zu Störungen, bei knapp über 40 Grad reagiert das Gehirn mit Verwirrtheit und über 41 Grad führen zum tödlichen Hitzschlag mit Kreislaufversagen.

Ein plötzlicher Temperatursturz gefährdet besonders geschwächte Personen wie chronisch Kranke oder alte Menschen. Bei Vorerkrankungen wie Zucker- oder Herzkrankheiten können Herzinfarkte, Angina Pectoris, Asthma, Arthritis, Koliken, Kopfschmerzen oder Krämpfe vermehrt auftreten. "Chronisch Kranke haben immer ein größeres Anpassungsproblem, egal in welche Richtung die Quecksilbersäule ausschlägt", sagt Koppe.

Allgemein wird Abkühlung als nicht so belastend empfunden wie plötzlicher Temperaturanstieg. Dann nehmen Migräneanfälle, Kreislaufschwäche, Blutungen und Thrombosen oder Phantomschmerzen zu. Aber auch gesunde Menschen fühlen sich häufig abgeschlagen, können sich schwerer konzentrieren, und die Tiefe des Schlafs nimmt ab.

Frohe Kunde für Allergie-Patienten

Etwas Aufatmen können derzeit die Allergiker in NRW. Durch die Regenfälle ist die 'starke' Pollenbelastung der vergangenen Woche hauptsächlich von Gräsern auf ein 'mäßiges' Niveau gesunken.

Doch der "Wetterfühligkeit" kann man langfristig entgegenwirken. "Sie können Ihren Körper gegen die Auswirkungen von Temperaturschwankungen trainieren", erläutert Koppe. "Unsere Körper haben heutzutage einiges von ihrer Anpassungsfähigkeit an Temperaturschwankungen verloren, weil wir uns meist in Räumen aufhalten." Die Biowetter-Expertin rät, sich häufiger draußen zu bewegen, und zwar bei jedem Wetter außer bei Extremen. Sie empfiehlt mäßige Bewegung wie Spazierengehen oder Walken, ohne sich zu überlasten.

Sauna, Wechselduschen oder Bürstenmassagen würden ebenso vorbeugen wie Kneippgüsse – ausgenommen bei Durchblutungsstörungen. Wichtig seien auch eine ausgewogene, gesunde Ernährung, ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus und vor allem genug Wasser oder Saft. "Darauf sollten besonders ältere Menschen achten. Da sie ein reduziertes Durstgefühl haben, trinken sie oft zu wenig und bringen ihren Flüssigkeitshaushalt durcheinander."

Quelle: RP

 
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