Ärztepräsident zuversichtlich: "EHEC-Ausbreitung kann gestoppt werden"
zuletzt aktualisiert: 26.05.2011 - 07:15Düsseldorf (RPO). Die fieberhafte Suche nach dem Ursprung des EHEC-Keims hält Deutschland in Atem. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe ist zuversichtlich: Die Verbreitung des Darmbakteriums könne gestoppt werden. Unterdessen hat das Robert-Koch-Institut vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten aus Norddeutschland gewarnt. Das Waschen des Gemüses reicht als Schutzmaßnahme aber nicht aus.
"Wenn die Bürger jetzt die Hygiene-Empfehlungen einhalten, dann kann die schnelle Verbreitung des EHEC-Bakteriums gestoppt werden. Ich gehe davon aus, dass das gelingen wird", sagte Hoppe der unserer Redaktion. Für die Versorgung der Kranken sieht Hoppe das Land demnach gut gerüstet: "Es gibt in Deutschland genug Dialyse-Stationen, so dass alle an dem EHEC-Bakterium schwer Erkrankten versorgt werden können. Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen."
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) teilte Hoppes Optimismus gegenüber im Gespräch mit unserer Redaktion nicht: "Solange der Infektionsherd nicht gefunden worden ist, kann man eine Zunahme von Erkrankungen nicht ausschließen."
Warnung vor Tomaten, Gurken und Salat
Wegen der schnellen Ausbreitung des Darmbakteriums hat das Robert-Koch-Institut am Mittwochabend vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten aus Norddeutschland gewarnt. Das Bundesverbraucherministerium sah darin einen ersten Schritt zur Eingrenzung der Ursachen für die Erkrankungen. Nach Angaben des Ministeriums geben die ersten Untersuchungsergebnisse des Robert-Koch-Instituts Hinweise darauf, dass die Infektionen mit EHEC "mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten erfolgt" seien.
Diese sollten insbesondere in Norddeutschland - über die üblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gemüse hinaus - nicht verzehrt werden. Die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Länderbehörden seien informiert worden, sie würden sich bei den weiteren Untersuchungen auf die verdächtigen Lebensmittel konzentrieren. Es gelte, die genaue Herkunft der belasteten Waren so schnell wie möglich zu klären, erklärte das Ministerium.
Waschen reicht nicht aus
Der Mikrobiologe Roger Stephan warnte, das seit Tagen empfohlene Waschen von Gemüse biete keinen hundertprozentigen Schutz vor dem EHEC-Erreger. Die Bakterien könnten sich nicht nur auf der Oberfläche von Obst oder Gemüse befinden, sondern bereits von der Pflanze aufgenommen worden sein, sagte der Leiter des schweizerischen Instituts für Lebensmittelsicherheit an der Universität Zürich dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". In diesem Fall müsse das Gemüse konsequent durcherhitzt werden.
Laut Stephan gibt es zwei bisher bekannte Möglichkeiten, wie die Erreger ins Gemüse gelangen könnten: "In Einzelfällen passiert es, dass Bakterien über eine verletzte Oberfläche des Gemüses eindringen. Entscheidender aber sind die Fälle, in denen Pflanzen das Bakterium über ihre Wurzeln aufnehmen, weil es sich im Boden befindet," sagte er der Zeitung.
Sprunghafte Ausbreitung
Im Verlauf des Mittwochs hat sich das Bakterium in Deutschland weiter ausgebreitet. Deutschland erlebe den stärksten je registrierten EHEC-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger. Pro Woche gebe es so viele neu Erkrankte wie sonst in einem Jahr. Bis Mittwochabend zählte das Robert-Koch-Institut 140 Fälle mit schwerem Verlauf.
Das EHEC-Bakterium verursacht blutige Durchfälle und kann bei schweren Verläufen auch die Nieren und das Gehirn schädigen. Vier Menschen sind bislang an den Folgen der Krankheit gestorben. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach von einer "bemerkenswert schnellen" Ausbreitung. Er riet den Bürgern zu besonderer Vorsicht.
Unklare Fallzahlen
Das Düsseldorfer Gesundheitsministerium erklärte, es gebe in NRW "keine besorgniserregenden Veränderungen bei den Fallzahlen". Die Labore in NRW meldeten 14 bestätigte Fälle, davon vier mit schwerem Verlauf.
Die Zahl der EHEC-Fälle insgesamt ist unklar. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Carola Reimann (SPD), forderte die Länder auf, ihr Meldesystem für den Keim zu vereinheitlichen. "Leider sind die Kriterien, wann ein Fall als EHEC eingestuft wird, uneinheitlich. Die Länder sollten nur Fälle zählen, die diagnostisch abgeklärt sind", sagte Reimann unserer Redaktion.
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