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Meningitis gefährdet vor allem Kleinkinder: "Eine grausame Krankheit"

zuletzt aktualisiert: 09.02.2011 - 07:42

München/Berlin (RPO). "Kleinkind stirbt an Meningitis", "Weiterer Meningitisfall in der Region": Die Hirnhautentzündung, von Ärzten Meningitis genannt, ist ein Fall für Schlagzeilen. Die Krankheit ist selten, aber in vielen Fällen verläuft sie schwer. Mitunter können Ärzte nur noch zusehen, wie ein eben noch gesundes Kind innerhalb von Stunden stirbt.

Eine Meningitis tritt nicht nur in den wärmeren Monaten auf, wenn Zecken ein spezielles Virus übertragen, sondern kann das ganze Jahr über durch Bakterien ausgelöst werden.

Die bakteriellen Erkrankungen sind nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) sogar häufiger als die durch Zecken übertragenen. Und: Sie verlaufen oft sehr schwer, wie die Münchner Kinderärztin Ursel Lindlbauer sagt. An der Schwelle zwischen Winter und Frühjahr kommen sie am häufigsten vor.

Besonders gefürchtet: die Blutvergiftung

Verantwortlich sind in der Mehrzahl der Fälle Meningokokken. Diese Bakterien sind weit verbreitet: Etwa jeder Zehnte trägt sie in Mund und Nase mit sich herum - ohne, dass sie Beschwerden verursachen. Die Träger niesen und husten die Erreger in ihre Umgebung oder geben sie durch Küssen oder gemeinsam benutztes Besteck weiter. Meist hat auch dies keine Folgen.

Doch etwa 500 Mal pro Jahr - so das RKI - wüten die Meningokokken auf fatale Weise. Am häufigsten sind Kleinkinder, seltener auch Jugendliche betroffen. Nach neueren Forschungen scheint eine bestimmte Genvariante dafür verantwortlich zu sein, dass ihr Immunsystem die Bakterien nicht in Schach halten kann. Einmal im Mundraum angekommen, durchbrechen die Erreger die Schleimhautbarriere, gelangen in den Blutkreislauf und entfachen so die Hirnhautentzündung. Die Folgen können lebenslange Taubheit und Störungen des zentralen Nervensystems sein.

Besonders schlimm wird es, wenn die Erreger zugleich eine Sepsis auslösen, bei der die Bakterien den gesamten Körper förmlich überschwemmen. Diese Blutvergiftung kann tödlich sein. Mitunter zerstört sie Körpergewebe, so dass die Ärzte Gliedmaßen amputieren müssen. "Es ist eine grausame Krankheit", sagt Ursel Lindlbauer.

Nicht immer leicht zu erkennen

Fatal wirkt sich aus, dass die Hirnhautentzündung am Anfang nicht immer leicht zu erkennen ist. Viele ihrer Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Erbrechen sind unspezifisch. Einen deutlicheren Hinweis liefert die Nackensteife. Das Kind hält den Nacken gestreckt und kann ihn nur sehr schwer beugen. "Allerdings tritt die Nackensteife nicht bei jeder Infektion auf, insbesondere bei sehr jungen Patienten kann sie fehlen", warnt die Ärztin.

Einen weiteren Hinweis auf die Hirnhautentzündung können kleine dunkelrote bis blaue Hautflecken liefern. Mit Hilfe des sogenannten Glas-Tests können sie genauer bestimmt werden, wie Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, erläutert. "Drücken Eltern ein durchsichtiges Trinkglas auf einen Fleck, so bleibt dieser sichtbar - anders als bei einem Masernausschlag. Ein positiver Glas-Test ist ein Alarmzeichen, das Kind muss sofort zum Kinderarzt", warnt der Berliner Mediziner. Allerdings treten auch diese Flecken nicht zwangsläufig auf.

So müssen sich Eltern mitunter allein auf ihr Gefühl verlassen: "Kinder mit Meningitis machen einen schwer kranken Eindruck", sagt Ursel Lindlbauer. Die Eltern sollten Kinder in diesem Zustand sofort zum Arzt oder in ein Krankenhaus bringen.

Nicht gegen alle Erreger kann geimpft werden

Behandelt wird die Meningitis mit Antibiotika. "Doch selbst wenn die Therapie rechtzeitig eingeleitet wird, sterben immer noch etwa zehn Prozent der Patienten, viele tragen schwere bleibende Schäden davon", warnt die Medizinerin. Die Ärztin, die auch Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) ist, empfiehlt daher vorzubeugen - und Kleinkinder zu impfen. Auch Ulrich Fegeler empfiehlt die Impfung.

Geimpft werden kann gegen Meningokokken vom Serotyp C. "Auch wenn dieser nur für 20 bis 25 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich ist, sollte man wenigstens diesen Teil des Risikos durch die Impfung beseitigen", rät der Kinderarzt. Am häufigsten wird die Hirnhautentzündung in Deutschland von Meningokokken des Typs B ausgelöst. Gegen ihn gibt es noch keine Impfung. "Wir warten auf den Impfstoff gegen diesen Typ", sagt der Mediziner. Wissenschaftler arbeiteten an einer solchen Immunisierung, wann sie verfügbar sein wird, sei noch nicht abzusehen.

Eine Impfung gibt es auch gegen Pneumokokken, die - obgleich seltener als Meningokokken - ebenfalls eine Meningitis auslösen können. "Hier sind besonders Kinder in den ersten beiden Lebensjahren gefährdet, daher sollte die Impfung ab der neunten Lebenswoche durchgeführt werden", sagt Ursel Lindlbauer.

Quelle: DDP/csr

 
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